Was ist geblieben vom G20-Gipfel?

Bilder, die um die Welt gingen: Ein winkender Präsident aus der Air Force One, ein winkender Demonstrant vom Hochhausgerüst, brennende Barrikaden und brennende Augen vom vielen Pfefferpray.
Merkel verspricht mehr Polizei, AfD-Politiker fordern, Plünderer zu erschießen. CDU-Politiker fordern, die "Rote Flora" dicht zu machen. Kaum oder wenig wurde über antikapitalistische, globalisierungskritische Inhalte berichtet.

Nun sind Bilder brennende Barrikaden und steinewerfende Menschen medial besser zu vermarkten, als friedlich demonstrierende Menschen und ihre Inhalte. Die "Gewalt"* auf den Straßen hat die Gipfelverhandlungen selbst in der Berichterstattung in den Hintergrund traten. Merkel und Olaf Scholz loben Polizisten und ihre Einsätze als vorbildlich und rechtmäßig, während der schwarze Block per se kriminalisiert und gar als "linksfaschistisch", "terroristisch" diskreditiert  wird. 32 Journalisten wurde beim G20-Gipfel nachträglich die Akkreditierung entzogen. Es geht nunmehr um die Gewaltfrage und wie damit umzugehen sei, welche Konsequenzen das für die linksautonome Szene hat. Die vereinfachende Fokussierung auf den »Schwarzen Block« verkennt außerdem, dass viele Menschen die Konfrontation mit der Polizei nicht suchen, sondern sie unter hohem persönlichen Einsatz in Kauf nehmen. Doch soll hier nicht jede Art von Militanz in Schutz genommen werden. Militanz ist keine Frage des Mutes, keine Frage des Sachschadens, keine Frage der Laufwege und keine Frage der Härte. Es gibt weder die Mittel, woran man Militanz erkennt, noch Mittel, die per se friedlich, gewaltfrei sind. Militanz erkennt man nicht an den richtigen Mitteln, sondern an einer Lebenshaltung, an einer politischen Grundhaltung.
Dafür gibt keine ›richtigen‹ Mittel. Es gibt Reden, die gerade völlig fehl am Platze sind, Flugblätter, die im falschen Moment geschrieben werden, Steine, die im falschen Moment aufgehoben werden, in die falsche Richtung fliegen können.
Es gibt also keine emanzipatorischen Mittel, sondern nur Mittel, die sich an ihren Zielen messen, sich über ihre Ziele rechtfertigen müssen.
Ein kritischer Dialog zwischen G20-GegnerInnen, Medien, Polizei, PolitikerInnen war von Anfang nicht möglich. Diesen zu organisieren und möglichst viele sozialen Gruppen einzubeziehen keine Frage. So machen einfach alle einfach weiter wie bisher. Die einen strikt nach Protokoll, die anderen nach ihrem Lebensgefühl.

* Wir benutzen nicht den Begriff Gewalt, sondern Militanz, weil Gewalt ein staatliches Monopol ist, ein vom Verfassungsschutz instrumentalisierendes Mittel, Menschen zu diskreditieren.

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