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Das Beste hoffen, das Schlimmste befürchten!

Wir kennen das. Intrigen, Gerüchte, Machtkämpfe. Ob in der Familie, der Schule, im Berufsalltag und in der Politik. Die Gründe für die soziale Verbannung ist meistens ein nichtiger Beweggrund: kritische Äußerungen, Urteile und Sanktionen nach einer subjektiven Bewertung des äußeren Erscheinungsbildes (sic!), die im Wesentlichen darauf hinauslaufen, dass einer/einem der/die andere nicht passt.

Weil sich diese Person zu sehr in Angelegenheiten einmischt, andere Ziele verfolgt als die eigenen und einfach nur stört. Nun werden Gerüchte gestreut, Intrigen geschmiedet und im schlimmsten Fall ein Killer beauftragt, sich der unliebsamen "Sache" zu entledigen. Früher war das in Fernsehserien wie "Dallas" und "Denver" eine wichtige Zutat, die Massen vorm Fernsehschirm versammelte, wenn der Ölmagnat J. R. Ewing seine Familie und die Geschäftswelt triezte, der Allen und Jedem/r den Krieg ansagte, der/die ihm im Wege war, wenn es um das Geschäft ging. Intrigen, Boshaftigkeiten sogar Auftragsmorde waren an der Tagesordnung. Alles, was dem „Normalmenschen“ nicht erlaubt war, wurde eingesetzt, um eigene Ziele zu erreichen. Und heute? Mensch müsse fast eine Intrige zwischen Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen und Bundesinnenminister Horst Seehofer gegen die Kanzlerin vermuten. „Seehofer muss weg!“ Eigentlich hätte Angela Merkel mit diesem AfD-Spruch vors Innenministerium ziehen müssen. Auch ein Auftragsmord vonseiten der AfD auf die Kanzlerin blieb aus. Fremdenfeindliche Äußerungen in Chemnitz werden von Seehofer verschwiegen. Dafür benutzt er lieber gezielt Seitenhiebe gegen die Mutter der Nation und macht sie in AfD-Sprech verantwortlich für die Probleme mit MigrantInnen und spricht von „Migration als Mutter aller Probleme“. Nun war es bisher immer so, dass im Grunde jede/r, der/die ein böses falsches Spiel trieb, am Ende wahlweise aufgeflogen, sanktioniert, umgebracht - oder alles zusammen - wurde. Wurde früher in Denver oder Dallas jede Folge mit Spannung erwartet (Welche Probleme und Intrigen gab es heute? Wer haut wen in die Pfanne, wer siegt (vorerst) und wer verliert?), ist es heute der Umgang mit PolitikerInnen untereinander. Andrea Nahles' Aussage „Und ab morgen kriegen Sie in die Fresse!“ klingt da schon weniger subtil, aber direkt. Verbale Entgleisungen sind auch meist leicht durchschaubar und wenig kreativ. Und früher wie heute besonders beliebt bei verbalen Entgleisungen sind Vergleiche mit der NS-Zeit.

"Nein, das zweite Mal. Das erste Mal kam ich nur bis Stalingrad."
Franz-Josef Strauß beantwortete während eines Staatsbesuchs in Moskau mit diesen Worten die Frage des damaligen Präsidenten der UdSSR, Michail Gorbatschow (84), ob er denn das erste Mal in der Sowjetunion sei.

Das US-Nachrichtenmagazin "Newsweek" veröffentlichte im Oktober 1986 ein Interview mit Helmut Kohl, in dem dieser über den sowjetischen Generalsekretär Michail Gorbatschow sagte: "Er ist ein moderner kommunistischer Führer, der sich auf Public Relations versteht. Goebbels, einer von jenen, die für die Verbrechen der Hitler-Ära verantwortlich waren, war auch ein Experte in Public Relations."

Ich will, dass Deutschland nicht nur eine tausendjährige Vergangenheit hat. Ich will, dass Deutschland auch eine tausendjährige Zukunft hat.“ (Björn Höcke auf einer Kundgebung im Oktober 2015)

Am Ende wird meist relativiert, verharmlost, will das alles nicht so gesagt haben....mensch kennt das. Aber das gesprochene skandalisierte Wort bleibt. Sachverhalte rücken dabei in den Hintergrund. Und ich frage mich, ob Menschen sich bei der Wahl und beim Urnengang auf polemische Aussagen erinnern und sich davon beeinflussen lassen. Die Eigenverantwortung liegt demnach bei dem/der Zuschauer/in, die Authentizität des Redners, der Rednerin einzuschätzen, zu überprüfen und fundamentale Kritik zu äußern. Bloß...wir leben in digitale schnelllebende Zeiten, wo offenbar Hashtags, Überschriften und Schlagzeilen kurzfristig an Bedeutung gewinnen, komplexe Sachverhalte und nachhaltige Informationen verdrängen. Wenn dem so ist, werden es Leute immer einfacher haben, Intrigen, Gerüchte, Machtkämpfe für den eigenen Vorteil zu initiieren. Beweisfähige, belegbare Infos weichen manipualtiven Absichten. Und diese werden selten erklärt oder hinterfragt, aber sehr gerne medial aufgegriffen und in sozialen Netzwerken  weiter verbreitet. Das ist nicht nur befremdlich, sondern bestätigt eine Tendenz, dass (Selbst)Inszenierungen und Skandale in politischen Redetexten und in gesellschaftlichen Verhaltensweisen die Zunahme der Polemik, Beeinflussung dienlicher sind, als diskursorientierte Inhalte, die ein Aufbrechen der sozialen und gesellschaftlichen Krisensymptome ermöglichen würden. Etwas bleibt immer hängen in Zeiten schnellster und umfassendster Kommunikation. Der Spielraum der Beurteilungen indes wird enger, weil die Bereitschaft verloren geht, Gewalten, Macht, Institutionen von Politik infrage zu stellen. Das Ausbleiben eines Diskurs ist mitnichten ein Indiz an einem Mangel an reflektivem Bewusstsein, nährt aber gefährliche Potentiale, größte Hoffnungen und schlimmste Befürchtungen wahr werden zu lassen.

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