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RAUDITUM #2

RAUDITUM #2
RAUDITUM #2

RAUDITUM #2
68 DIN-A-5-Seiten; €3,50.-
www.facebook.com/rauditumfanzine
Herausgeber "de Wessi" hat tatkräftige Unterstützung und mit "Ugly" offenbar ein festes Redaktionsmitglied gefunden, der zuvor in der Debütausgabe u.a wegen seiner Tätigkeit beim SKINTONIC-Fanzine (später Skin Up) interviewt worden war und in dieser Ausgabe für das schicke Layout verantwortlich ist.

VIOLENT INSTINCT stellen sich vor, sürfen miteilen, welche Lieblings-Bands sie hören und ob sie lieber das Jolly Roger oder ins St. Pauli Eck aufsuchen. UGLY skizziert rechte Terroranschläge in Neukölln, deren Täter*innen davon profitieren, dass von staatlicher und polizeilicher Seite aus ein Aufklärungswille und eine Beendigung der Einschüchterungsversuche gegenüber Opfer und Sympathisant*innen fehlt.
Contra Riot arbeiten artig einen Fragenkatalog ab, wobei die Fragen abermals eher einem Schülerzeitungsniveau entsprechen gestellt werden und nur noch fehlt, was sie denn über Politik denken. Ebenso oberflächliche, allgemeine und belanglose Fragen dürfen/müssen THE TAKE beantworten. Ich meine, was soll jemensch auf die Frage "Was könnt ihr uns über die Szene in den USA erzählen?" antworten. Scott antwortet in zwei Sätzen. Aber was für eine Szene ist denn überhaupt gemeint? Und wies unterscheidet sich diese in den jeweiligen Regionen? Welche Einflüsse haben die Lebensumstände auf diese usw. wären zumindest im Ansatz Fragen, die eine Vertiefung und Auseinandersetzung mit einer "Szene" und dem, was damit verbunden wird, gerecht werden würde. Aber so entsteht der Eindruck, dass weder UGLY noch "De Wessi" schlecht über die Bands recherchiert haben, um etwas Informatives, Spannendes, Persönliches bis Kontroverses in Verknüpfung mit konfrontativen Gegenüberstellungen zu Gedanken/Statements zu erfahren. Dass es besser geht, zeigt die Fortsetzung der "Ein paar Fragen an die Vergangenheit"-Reihe, die bereits in der Debütausgabe eines der wenigen Highlights war. Marcel ist Skinhead, DJ und Gitarrist und ergänzt Olafs (STAGE BOTTLES)-Perspektive aus der letzten Ausgabe mit einer Übersicht zu den BLAGGERS-, Fußball-Aktivitäten und Ansichten zu Politik ("Wo stehst du politisch?".
Die Bandhistory zu RED SKINS wird skizziert und mit einem von Gary Bushell aus dem SOUNDS Magazin geklauten Interview vom 30.07.1983 sowie von Eva Kowalskis (Wer???) Fragen aus dem Jahr 1986 ergänzt.

Gesamteindruck:

Saffiyah Khan (li.)
Saffiyah Khan (li.)

Es gibt noch eine Reihe weiterer alter Schnipsel aus dem Melody Maker, die hier abgedruckt werden. Der Blick auf die Vergangenheit ist überdeutlich und es obliegt der Eindruck, dass "de Wessi" wie auch UGLY ein hauptsächliches Interesse an der Vergangenheit der Protagonist*innen und der "Szene" zu haben, denn die aktuellen Bands und Personen werden mehr abgefertigt und unverhältnismäßig uninspiriert mit Fragen genervt. Neben der oben erwähnen Interview-Reihe ist noch die "The Story behind the pictures" großartig gelungen und legt die Geschichte von Saffiyah Khan dar, die zeigt, dass ein Bild mehr als tausend Worte sagt.

Bei einer Demonstration der extrem rechten English Defence League in Birmingham stellte sich Saffiyah Khan vor einen der Anführer und verteidigte damit eine andere Frau. Lächelnd schaffte sie es so über den Hass zu siegen. Diese Momentaufnahme sorgte weltweit für Schlagzeilen und verbreitete sich rasant im Internet. Somit wurde das Foto schnell zu einem Symbol gegen Rechts und für menschlichere Werte in unserer Gesellschaft. Es sind diese wenigen Lese-Highlights, die Hoffnung machen, dass das RAUDITUM zu einem großartigen Zine werden kann, wenn oben erwähnte Schwächen behoben werden, denn "de Wessi" und UGLY haben gute Ideen und Ansätze, die die subkulturelle Skin"szene" erforscht und derzeit das Vergangene am Spannendsten repräsentiert.

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