Bündnis für Tierbefreiung legt Schlachthofbetrieb lahm

  • Solidarität für TierrechtsaktivistInnen
  • Protest gegen staatliche Repressionen gegen die Tierrechts-, Tierbefreiungsbewegung

Im Rahmen der europaweiten dezentralen Blockupy Aktionstage haben Tierbefreiungsaktivist_innen am 19. Mai in einer direkten antikapitalistischen Aktion den Betrieb einer Hühnerschlachtfabrik bei Celle gestoppt. Zeitgleich fand in Möckern/Sachsenanhalt eine Blockade von einer Wiesenhof Schlachtfabrik der Gruppe „Mastanlagen Widerstand“ statt. Seit dem frühen Morgen blockierten mehrere AktivistInnen die Zufahrtswegen zur Schlachtfabrik der der Rothkötter-Tochter Firma „Celler Frischgeflügel“. Zwei AktivistInnen hatten sich mit ihren Armen in ein mit Beton ausgegossenes Fass gekettet und zwei weitere sind an einen ebenfalls mit Beton gefüllten Klotz gekettet, der sich in einem Auto befindet. Auf dem Hauptzufahrtsweg direkt neben dem Auto nahmen weitere TierausbeutungsgegnerInnen an einer Sitzblockade teil.

Fotos der Aktion werden frühestmöglich unter www.antiindustryfarm.blogsport.de veröffentlicht.

In den vergangenen Tagen folgten Millionen von Menschen dem Aufruf von Blockupy und seinen BündnispartnerInnen und demonstrierten für eine solidarische Gesellschaft. Derzeit befinden sich Tausende Geflüchtete auf einem Marsch nach Brüssel, um gegen die rassistische und mörderische Grenzpolitik der EU zu kämpfen. Als Teil einer emanzipatorischen Bewegung sehen die AktivistInnen ihre Aktion im Zusammenhang mit diesen Auseinandersetzungen und stellen uns gegen dieAusbeutung und Tötung von Tieren, gegen die Entfremdungs- und Unterdrückungsprozesse, denen die in den Betrieben arbeitenden Menschen ausgesetzt sind, gegen die mit der Fleischproduktion verbundenen Herrschaftsverhältnisse gegenüber Menschen aus kolonialistisch unterworfenen Ländern und gegen die Zerstörung der Umwelt“, beschreibt Marta Z. die Motivation des Bündnisses. Ihre Mitaktivistin Jana M. ergänzt in Bezug auf die Ortswahl der Aktion: „Nur aufgrund des entschlossenen Widerstands kann die Rothkötter Schlachtfabrik ihre volle Tötungskapazität bislang nicht ausschöpfen – die läge dann bei 2,6 Mio Hühnern pro Woche, das entspräche sieben Tieren in der Sekunde. Offenbar hat Rothkötter es aufgegeben, weitere Vertragsmastbetriebe als Zulieferer in Niedersachsen zu suchen. Zusammen mit der Fortwengel Holding lässt er gerade einen gigantischen Mastanlagenkomplex für 380.000 Hühner nahe dem Brandenburgischen Groß Haßlow errichten. Wenn Rothkötter denkt, er könnte dem Widerstand ausweichen, wenn er seine Mastanlagen in einer Gegend baut, die sich in großer Entfernung zu den bisherigen Protestorten befindet, hat er sich gewaltig geirrt.“

Zu den Grenzen der Aktionsform sagt Alex K., Teilnehmer der Sitzblockade: „Wenn die Hühner während der Aktion nicht befreit werden können, sondern in den Tiertransportern eingepfercht bleiben, erweckt das in mir tiefes Mitgefühl. Doch ihre Schlachtung tatenlos zuzulassen, ist für mich keine Alternative. Wir sind nicht diejenigen, die zur Erwirtschaftung von Profit Tiere einsperren und töten. Die Verantwortung für das Leid liegt ganz klar bei Rothkötter.“

Das Bündnis für Tierbefreiung besteht aus unterschiedlichen Menschen, die sich auf vielfältige Weisen gegen Tierausbeutung, Umweltzerstörung und Kapitalismus einsetzen und keine uniforme Meinung vertreten. Alle Beteiligten sind aber vereint in der tatkräftigen Ablehnung der Schlachtfabrik, der tiernutzenden Industrien und ihrer unfassbaren Gewalt. Das Bündnis für Tierbefreiung setzt sich für eine Gesellschaft ein, in der wahre Bedürfnisse, nicht Wachstum und Gewinn zur Grundlage des Handelns gemacht werden und in der alle – ob Mensch oder Tier – in Freiheit und gegenseitigem Respekt leben können. In der industriellen Mast wird das Durchschnittshuhn in gut einem Monat auf engstem Raum auf sein Schlachtgewicht von eineinhalb Kilogramm herangezogen. Auch die wenigen Arbeitsplätze,die in der Industrie bestehen, sind für ihre unwürdigen Bedingungen berüchtigt. Darüber hinaus gefährdet die Tierhaltung durch Treibhausgasemissionen, Wasserverschmutzung und genmanipulierte Futtermittel Klima und Umwelt. Momentan landen 90% der weltweiten Sojaernte und 2/3 der Maisproduktion in den Futtertrögen für die Tierindustrien, wo aus durchschnittlich sieben Kalorien pflanzlicher Nahrung eine Kalorie Fleisch „entsteht“.

Den AktivistInnen in Wietze ging es nicht um eine Reformierung der herrschenden Verhältnisse, sondern um eine radikale Veränderung der Gesellschaft: „Egal, wie Fleisch, Eier oder Milch von der Industrie gelabelt werden: Artgerecht ist nur die Freiheit!“, sagt Jana M.

 

Die Aktion wurde den Tierbefreiungsaktivist_innen Debbie, Natasha, Sven und den 5 Angeklagten Tierrechtler_innen in Österreich gewidmet. Debbie wurde im April diesen Jahres in Großbritannien zu einer Gefängnisstrafe von 6 Jahren verurteilt. Vorgeworfen wurde ihr, in der Kampagne gegen den Tierversuchskonzern Huntingdon LifeSciences (HLS) aktiv gewesen zu sein. Natasha und Sven warten auf ihren Prozess mit demselben Vorwurf. Auch sie müssen mit ähnlich hohen Strafen rechnen. In Wiener Neustadt stehen drei TierrechtlerInnen vor Gericht. Ihnen werden Kampagnentätigkeiten gegen den Pelzverkauf bei Kleider Bauer bzw. Escada vorgeworfen. Ein weiterer Aktivist wurde am 13.Mai wegen einer Schweinefreilassung erfreulicherweise freigesprochen. Am 27. Mai soll zusätzlich gegen einen Aktivisten wegen Kampagnentätigkeit gegen die Pelzindustrie und sein vermeintliches Engagement gegen eine rechtsradikale Organisation verhandelt werden. Diese Prozesse sind Folgeprozesse des 278a-Verfahrens, in denen die TierrechtsaktivistInnen u.a. Spitzeleinsätze, Telefonüberwachungen, Hausdurchsuchungen, Untersuchungshaft und 90 Prozesstage die mit einen Freispruch endeten ausgesetzt waren. Mit der Blockadeaktion solidarisieren sich die AktivistInnen mit den Angeklagten und eingesperrten AktivistInnen und fordern deren sofortige Freilassung bzw. das Absehen von sämtlichen Strafen. Schlachtfabriken, Ställe und andere Tierausbeutungsbetriebe in gewalt- und herrschaftsfreie Räume umwandeln, in denen keine Tiere gefangen gehalten, vernutzt und getötet und keine Menschen ausgebeutet werden, sondern in denen Menschen nach ihren wahren Bedürfnissen, selbstorganisiert und mit Hilfe des gemeinsamen Besitzes an den Produktionsmitteln arbeiten, ohne dabei die Umwelt zu zerstören!

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