MICROWAVE - verteilen Liebe

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Normalerweise gehen die üblichen Coming-of-Age-Klamotten ungefähr so: Junge wächst in schwierigen Verhältnissen und unverstanden von der Welt auf, Junge trifft Mädchen, Junge stößt auf ein Problem, Junge löst das Problem, wächst daran und führt in Folge ein erfüllteres Leben. Im Grunde ist auch „Much Love“, das zweite Album der Grunge-Emo-Punker Microwave eine solche Geschichte – nur mit offenerem Ende und weitaus düsteren Themen, die der Band einiges abverlangen, den musikalischen und persönlichen Reifeprozess aber dafür umso greifbarer machen.

MICROWAVE - much love
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„Die Platte dreht sich darum, das zu hinterfragen, mit dem man aufgewachsen ist“, erklärt Sänger und Gitarrist Nathan Hardy. „Ich bin strikt religiös aufgewachsen und entdeckte eines Tages, dass ich mich nicht mehr damit identifizieren kann. Ich erkannte, dass alles, was mir durch sechs Kirchenbesuche pro Woche und den Konsum von Disney-Filmen beigebracht wurde, die Idee der ‚Glücklich bis an ihr Lebensende‘-Romanze, eben keine universellen Wahrheiten sind. Ich habe festgestellt, dass es eben keinen klar definierten Sinn des Lebens gibt und dass ich eine neue Grundlage für mein Leben schaffen musste.“
Nüchterne Aussagen, mit denen Hardy auf seine Zeit als Mormonen-Missionar und seine Kindheit anspielt, die aber den Kern von „Much Love“ perfekt treffen: die Party ist vorbei, es ist Zeit, der schmerzhaften Wahrheit ins Gesicht und vor allem nach vorne zu blicken.
Das klingt musikalisch auf dem Nachfolger zum 2014 erschienenen Debüt „Stovall“ ein Stück weit noch nach gut gelauntem halb akustischem Indierock wie in „Dull“, viel öfter aber nach enttäuschten Erwartungen und gefletschten Zähnen, wie beispielsweise im düsteren Emo-Punk von „Busy“, dem grungigen Alternative-Smasher „Lighterless“ oder dem treibenden „Homebody“.

Trotz aller Melancholie scheint zwischen den schief-schönen Gitarrenmelodien, der rotzigen Produktion um Hardys sehnsuchtsvollem Gesang immer ein klein wenig Optimismus durch. Denn selbst wenn alles erst mal den Bach heruntergeht – der Silberstreif am Horizont ist nie allzu weit entfernt.

„Much Love“ erscheint am 30. September via Side One Dummy auf LP, CD und Digital.

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