THE REGRETTES - Genre-fizierung our asses

THE REGRETTES - Feel Your Feelings Fool
THE REGRETTES - Feel Your Feelings Fool

Garage Pop. Eigentlich ist das die Selbstwahrnehmung von THE REGRETTES. Eigentlich ist das eine Beschreibung ihrer Musik. Eigentlich ist das eine Verneigung vor den Helden dieses Quartetts. Mit zwei Worten bringen die Punk-Pop-Rock-RiotGrrrl-getriebenen Jungspunde das ganze Konstrukt der Genre-fizierung durcheinander. Na Danke. Klar, gern geschehen. Kann übrigens auch auf Platte gehört werden. Ab 13.01. Auf dem Debüt 'Feel Your Feelings Fool'.

Perfectly imperfect – so lässt sich die in L.A. beheimatete Punkband THE REGRETTES zusammenfassen.
Das Quartett schreibt hochgradig ansteckende Tracks, die sich durch eine ebenso unbedarfte wie unerschrockene Attitüde auszeichnen, im Stile einer Courtney Barnett oder Karen O und mit einer Pop-Ästhetik, die an Acts der 50er- und 60er-Jahre wie The Temptations oder Buddy Holly erinnert.
Angeführt von der forschen Frontfrau Lydia Night, setzen sich THE REGRETTES außerdem aus Genessa Gariano an der Gitarre, Sage Nicole am Bass und Drummer Maxx Morando zusammen. Die Rockszene im heimischen Los Angeles hat die Band längst im Sturm erobert (die Herzen abgehalfterter Rockkritiker eingeschlossen), unter anderem durch Support-Shows für Kate Nash, Jack Off Jill, Bleached, Pins und Deep Vally. Obwohl bislang nur Demos online zu finden sind, hat sich bereits ein veritabler Hype um die Band zusammengebraut, befördert auch durch Medien wie NPR und NYLON, die sie als „punk act you should be listening to“ empfiehlt.
In ihren Songs nehmen einen THE REGRETTES vom ersten Moment gefangen, mit einer wuchtigen Gitarrenwand, ansteckenden Melodien und einer wehmütigen Nostalgie, die bis zur den letzten Note vorhält. Inspiriert von Bands wie Hinds und Hole, bilden ein sentimentaler Anflug von Jugend und Verwundbarkeit das Herzstück eines jeden Songs. Ein Song von THE REGRETTES ist im Grunde ein Tagebucheintrag in Lydias Leben. „Meine Musik bildet die gesamte Bandbreite jeder Gefühlregung ab, die ich im vergangenen Jahr empfunden habe, und das hört man den Stücken auch an. All das, was in meinem Leben passiert, beeinflusst mich – ob es nun Typen oder Freunde sind, ich sauer auf Leute bin oder tief traurig. Einfach alles.“ Das Debüt ‘Feel Your Feelings Fool‘, das am 13. Januar erscheinen wird, ist somit eine Art Aufzeig des Stinkefingers. THE REGRETTES lassen ihren Gefühlen und ihren Instrumenten freien Lauf und spielen, wie es eben ist.
Der bestechendste Wesenszug der Band ist jedoch, dass sie ihr Herz absolut auf der Zunge tragen – sie schreiben eindringliche, temporeiche Popsongs mit einer Punkrock-Geisteshaltung. „Die Art, wie wir schreiben, basiert komplett auf Ehrlichkeit“, befindet Lydia mit Blick auf die Punk-Ästhetik der Band. „Wenn ich einen Song fertig habe, belasse ich ihn einfach so, ich gehe nicht wirklich zurück und überarbeite ihn. Ich mag es nicht, wenn die Dinge perfekt sind – mir ist es wichtiger, gefühlsmäßig komplett im Moment zu sein. Wenn ich zu viel an etwas arbeite, bekomme ich die Krise, werde gelangweilt und will das Nächste machen...“
Der erste Song ‘A Living Human Girl‘ demonstriert die Verletzlichkeit ihrer Texte am eindrücklichsten: Er handelt von der alles andere als perfekten Gesichtshaut, einer unterdurchschnittlichen BH-Größe und den kleinen roten Pickelchen, die man vom Rasieren bekommt. „Sometimes I’m pretty and sometimes I’m not”, singt Lydia über 60s-inspirierte Gitarrenriffs und einen rumpelnden Drumbeat. „Ich erinnere nicht mehr genau, was der Auslöser war, aber als ich diese Zeilen schrieb, war ich einfach verdammt ärgerlich“.
„Es gibt Zeiten, in denen man sich wirklich unsicher fühlt und sich absolut nicht mag, also schrieb ich es für Leute, die so empfinden. Und für mich selbst. Ich hatte einfach das Gefühl, dass es draußen keinen solchen Song gab. Ein Song, den ich hören konnte, wenn ich mich total beschissen fühle. Ich wollte etwas, womit sich Mädels und Jungs selbstsicherer fühlen können“, erklärt sie. Lydia scheut sich nicht, ihre Gefühle zu zeigen. „Ich habe keine Angst davor, dass Leute über mich urteilen, das schert mich nicht. Ich gebe einen Scheiß darauf, ob jemand mag, was ich zu sagen habe. Auf jede Person, die dich mag, kommt eine, die dich nicht mag. Ganz egal was, wenn die Leute sich mit der Musik identifizieren können, dann ist es das wert. Das bedeutet für mich, wahrhaft cool zu sein.“
Und am Ende des Tages stellt sich eine Frage: Ist genau das nicht der Punkt von Punkmusik?

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