Wüstungen von Anne Heinlein und Göran Gnaudschun

Wüstungen von Anne Heinlein und Göran Gnaudschun
Wüstungen von Anne Heinlein und Göran Gnaudschun

Im Haus am Kleistpark in Berlin eröffnet am 8. Januar 2017 um 17 Uhr die Ausstellung „Wüstungen”. Gleichzeitig erscheint das Buch im Distanz Verlag.

„Wüstungen“ – das sind geschleifte Orte auf der Ostseite der ehemaligen innerdeutschen Grenze, die zwischen 1952 und 1988 dem Erdboden gleichgemacht wurden. Sie haben das freie Schussfeld gestört, waren schlecht zu bewachen oder standen einfach zu nah an der Grenze.

Anne Heinlein, Jahrsau, Altmarkkreis Salzwedel, erstmals urkundlich erwähnt: 1390, gewüstet: 1970
Anne Heinlein, Jahrsau, Altmarkkreis Salzwedel, erstmals urkundlich erwähnt: 1390, gewüstet: 1970

Anne Heinlein hat großformatige schwarz-weiße Landschaftsfotografien von den Orten gemacht, an denen seit Jahrzehnten nichts Gebautes mehr steht. Wiesen, Wälder, Landschaftsecken und kleine Flächen sind zu sehen, in denen der Betrachter wie auf einer leeren Bühne Häuser, Straßen und Höfe imaginieren kann. Scheinbar ist es Landschaftsfotografie, aber mit dem Wissen hinter dem Bild wird es zum Reflexionsraum über die Bedeutung von Heimat und deren Verlust, aber auch über die Natur, die sich von allem ungerührt ihren Raum wieder erobert.

Göran Gnaudschun und Anne Heinlein, Gruppenbild vor dem Haus, Osdorf
Göran Gnaudschun und Anne Heinlein, Gruppenbild vor dem Haus, Osdorf

Um zu verstehen, warum die Orte gewüstet wurden, haben Heinlein und Gnaudschun nach den zeithistorischen Hintergründen in Archiven von Stasi, Grenztruppen, Bundesgrenzschutz und in Museen recherchiert. Die Künstler haben Zeitzeugen interviewt und in deren privaten Fotoalben nach Sinnbildern gesucht. Viele dieser Zeugnisse sind in der Ausstellungsinstallation zu sehen, die auf verschiedenen Ebenen mit dokumentarischem Material arbeitet.

Göran Gnaudschun und Anne Heinlein, Grenzstreifen bei Schmerbach, BStU, MfS, BV Suhl, Abt. VII, 1086, Nr. 6
Göran Gnaudschun und Anne Heinlein, Grenzstreifen bei Schmerbach, BStU, MfS, BV Suhl, Abt. VII, 1086, Nr. 6

m gleichzeitig erscheinenden Bildband stellt Göran Gnaudschun diesen Bildern seine Texte gegenüber. Ihm ist die Schichtung der Zeitebenen wichtig: er montiert das eigene Erleben an den Wüstungen mit der Geschichte der Orte und den Schicksalen der ehemalige Bewohner. Im bewusst freien Umgang mit dem dokumentarischen Material wird deutlich, dass große abstrakte Pläne immer auch persönliche Auswirkungen haben. Bilder und Texte thematisieren das Vergehen von Zeit, den Umgang mit Erinnerung und die Bedeutung von Flucht und Vertreibung als Auswirkungen von geschlossenen und schwer bewachten Grenzen.

Infos:

Ausstellung: 10. Januar bis 5. März 2017
Eröffnung, Sonntag, 8.Januar 2017, 17 Uhr

Es sprechen:
Barbara Esch Marowski, Galerieleiterin
Dr. Sabine Kuder, Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur

Einführung:
Inka Schube, Kuratorin für Fotografie und Medienkunst am Sprengel Museum Hannover

Künstlergespräch und Buchvorstellung: mit Marion Brasch, Mittwoch 25.1.2017, 19 Uhr

„Wüstungen” wurde gefördert von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, der VG Bild-Kunst und der Stiftung Kunstfonds.

Haus am Kleistpark
Grunewaldstr. 6-7, 10823 Berlin
T +49 (0)30-902776964
hausamkleistpark-berlin@t-online.de
www.hausamkleistpark.de
Di bis So, 11 – 18 Uhr, Eintritt frei

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