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mewithoutYou - Another Head For Hydra

mewithoutYou
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Heute veröffentlichen die Genre-definierenden Vorreiter mewithoutYou einen neuen Song aus ihrem siebten Studioalbum [Untitled], das am 05. Oktober auf Big Scary Monsters (EU) und Run For Cover Records (US) erscheint.

Der Song "Another Head For Hydra" ist eine Reminiscence an mewithoutYou Post-Hardcore-Wurzeln, mit mitreißenden Backbeats und unkonventionellen Riffs, die sich nahtlos um Aaron Weiss' akrobatischen Gesang schmiegen. Der Track folgt auf die Überraschungs-Veröffentlichung ihrer neuen EP [untitled] - dem Gegenstück des neuen Albums [Untitled] - die letzten Monat ohne Vorankündigung erschien.

Seit ihrer Gründung 2001 sind mewithoutYou zu sowas wie der Stützfeiler ihres Genres geworden (wie auch immer man das genau bezeichnen mag). Im Laufe von sechs Studioalben und einer Hand voll EPs, hat die Band aus Philadelphia - die gerne mal als experimentelle Punk, Post-Hardcore oder Indie-Rock-Band beschrieben wird - viel Wert auf ihre musikalische Entwicklung gelegt und sich nie auf den einen Sound festgelegt und stattdessen sich zwischen Genre-Schubladen immer gekonnt hin und her bewegt. Genau diesen Spirit leben mewithoutYou auch auf ihrem siebten Album [Untitled], dem zweiten auf Big Scary Monsters, und der zugehörigen EP [untitled].

Die komplette EP könnt ihr euch hier anhören:

"Es ist eine ewige Frage in der Band, wie weit man ins Unbekannte vordringen kann", sagt Sänger Aaron Weiss. "Natürlich ist es schön, etwas Neues zu machen, aber in welchem Umfang und zu welchem Zweck?" Die Innovation kam auf [Untitled] jedoch ganz natürlich. Weiss hat geheiratet und ist Vater geworden und zog nach Idaho, wo ein improvisiertes Home-Studio-Rig und ein MIDI-Keyboard einige Lo-Fi-Experimentiere ermöglichten. In Philadelphia haben die Gitarristen Mike Weiss (Aarons Bruder) und Brandon Beaver vor der Aufnahmesession mit Produzent Will Yip dann schließlich einige Ideen zusammengetragen. Mit dem Zusatz von Dominic Angelella - der Bass bei den Aufnahmen spielte, während Greg Jehanian ein Sabbatical hatte (er ist mittlerweile wieder zurück in der Band) - hatte Schlagzeuger Rickie Mazzotta nun die Chance, sich musikalisch etwas breiter aufzustellen und seine Klangpalette neu zu erkunden. Das Ergebnis sind zwei Werke von tragikomischer Schönheit, wie nur mewithoutYou sie erschaffen können.

Was das ganze neue Material hervorgebracht hat, war nicht nur der Abstand, den die einzelnen Mitglieder während des Schreibprozesses voneinander hatten, die es ihnen erlaubte frei zu schreiben, sondern auch die persönlichen und sozialen Veränderungen, die Weiss dazu zwangen, sich selbst auf eine detailliertere Art und Weise neu zu erforschen und zu hinterfragen. "Ich dachte zunächst, ich würde ein Album über die "steigende politische Anspannung" schreiben, aber das ist nicht passiert," sagt er. Tumult in seiner Familie, einschließlich einer sehr komplizierten Situation innerhalb der Band, waren ein unmittelbarerer Katalysator für seine Kreativität, als äußere Kräfte, die Weiss dazu drängten, in sich zu gehen und zu schauen, was er selbst an sich ändern kann. "Immer wenn ich auf Situationen oder andere Menschen den Finger zeigte, hab ich mich gefragt „was sagt diese Reaktion über mich als Person aus?" Es gab wirklich ausreichen Material, das Weiss bei dieser langen, intensiven und bizarren psychologischen Reise hervorbringen konnte. Wenn er nach mehr Details gefragt wird, hält er sich untypisch bedenkt. "Ich bin normalerweise ziemlich transparent wenn es darum geht, was ein bestimmtes Projekt inspiriert hat, doch dieses Mal wird es nicht funktionieren"

[Untitled]
[Untitled]

Die Texte auf [Untitled] sind immer noch zutiefst poetisch und die Themen weiterhin vertraut - es geht z. B. Mystik, Metamorphose, Geisteskrankheit - doch noch persönlicher und auf Aaron Weiss’ Erfahrungen aufgebaut. Er beschreibt seine Versuche in größere Tiefen seiner Selbst vorzudringen und sich dem zu stellen, was ihm dort erwartet und mit irgendeinem Grund zur Hoffnung oder Freude wieder aufzutauchen. Nur für neue Erkenntnisse und den Blick in das tiefste Elend und die Abartigkeit im Inneren und die anschließende positive Auflösung, begibt sich Aaron Weiss auf diese Reise. Besonders hörbar ist das auf "Julia", "Flee, Thou Matadors!" und "Michael, Row Your Boat Ashore", indem mewithoutYou ihr tiefstes Verlangen und "ohne Drogen verursachte Halluzinationen" in eine ausladend, alles konsumierende Komposition vereinen, die am Ende vollkommen feierlich klingt.

Während Weiss auf [Untitled] und [untitled] scheinbar im Mittelpunkt dieser Reise steht, verfolgen seine Bandkollegen ähnliche Herangehensweise. Beaver und Mike Weiss erschaffen reiche, komplizierte Gitarrenmelodien und psychedelische Panoramen, die ein Pochen in der Brust des Hörer hervorrufen, während Songs wie "Wendy & Betsy", "Cities of the Plain" und "Winter Solstice",  die Band so chaotisch, meditativ und poppig präsentieren, wie noch nie zuvor. Diese Ausdehnung ist auch in der Rhythmussektion spürbar, denn Angelella und Mazzotta führen die Alben durch eine schwindelerregende Landschaft, verankern die explosiven Momente und verleihen den Ambient-Parts ein treibendes Gewicht.

Mit [Untitled] und [untitled] haben mewithoutYou ein Werk geschaffen, das herzzerreißend, surreal und gradezu offenherzig ist, aber immer noch großen Spaß macht. Der große Umfang lässt sich sowohl in der Musik als auch in Weiss’ Texten erkennen, während er feierlich die Tiefen seiner Seele auslotet, ohne dabei seinen gewissen unbeschwerten Optimismus zu verlieren. "Ich denke, ich muss meinen persönlichen Tiefpunkt erreichen und ein Quasi-Trauma durchleben. Es wird meine Sinne schärfen und alles was überflüssig ist von mir nehmen und mich mit einem klareren und simpleren Verständnis von mir selbst zurücklassen," erklärt er. "Es hilft auch meinem sonst so verarmten Sinn für Humor. Am Ende ist es doch eine ziemlich dumme Sache, die wir da machen."

Ihre bislang besten Werke, [Untitled] und [untitled], sichern der Band die Position als Schrittmacher in der Welt der nachdenklichen, aggressiven Rock-Musik.

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