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SWAIN - Neagtive Space

Photo Credit: Simon Veith
Photo Credit: Simon Veith

Am 26. Juli wird die Alternative-Band SWAIN ihr neues Album „Negative Space“ via End Hits Records veröffentlichen. Das Quartett verabschiedet sich darauf nun endgültig von seiner Vergangenheit als Hardcore-Punks und widmet sich tänzelnden Melodien und mannigfaltigen Klangfarben – ihre Wandelbarkeit erinnert dabei stark an die, die TITLE FIGHT vor nur wenigen Jahren demonstrierten.

Einen ersten Vorboten zeigen SWAIN bereits mit dem Video zum Titeltrack!

Bio:

Wer voranschreiten will, muss reflektieren können. Auf ihrer neuen Platte nehmen sich die ehemaligen Hardcore-Punks SWAIN diese Prämisse zu Herzen und verwandeln den kompromisslos aggressiven Sound ihrer Anfangstage in ein introvertiertes Gefühlswerk aus mysteriös tänzelnden Harmonien und mannigfaltigen Klangfarben. Diesen Stilwandel vollführt die Band dabei nicht in totaler Negation ihrer Vergangenheit, sondern schafft im Gegenteil eine Platte, die klar durch ihre schmerzvolle Vorgeschichte bedingt ist. Die Einflüsse? Die sphärischen Momente von RADIOHEAD – untersetzt mit dem sperrigen Charme von SEBADOH – das alles vorgetragen mit einer chamäleonhaftigen Wandelbarkeit, wie sie zuletzt TITLE FIGHT anzubieten hatten. „Negative Space“ ist die Hoffnung nach einer langen Periode des Selbsthasses und ein dringend notwendiger Lichtblick in Zeiten, in denen BILLIE EILISH oder XXXTENTACION mit Texten über Depression und Suizid die Charts dominieren und wie ein Spiegelbild für eine Generation stehen, die von Zweifeln und Orientierungslosigkeit beherrscht ist.

SWAINs Transformation kommt nicht von ungefähr. Bereits 2014 hatten die Niederländer ihren alten Namen THIS ROUTINE IS HELL abgelegt, weil sie ihn nicht mehr als passend empfunden hatten. „The Long Dark Blue“, das erste Album unter dem Namen SWAIN, brach stilistisch bereits zu neuen Ufern aus. Die für sie typischen Hardcore-Brocken durchmischte die Band mit rau-melancholische Grunge-Balladen, die den frühen Nirvana huldigten und den Sound wesentlich diverser und differenzierter gestalteten. Was folgte waren Touren an der Seite jener Post-Hardcore Bands, deren Fans das Aufbrechen des Genres und stete Weiterentwicklung feiern: TOUCHÉ AMORÉ, DEFEATER, MODERN LIFE IS WAR und weitere.

„Negative Space“
„Negative Space“

Das erneut mit JAWBREAKER- und AGAINST ME!-Produzent J. Robbins entstandene „Negative Space“ ist nun der vorläufige Höhepunkt dieses kontinuierlichen Wandlungs-Prozesses. Verstärkt durch ihren neuen Bassisten Steffen Leppin entziehen sich SWAIN jeglicher Kategorisierung und schaffen ein enorm eigenständiges Werk mit manisch zirkulierenden Songstrukturen und variantenreicher Farbgebung. Zahlreiche klangliche Experimente werden zu einem stimmigen Gesamtkunstwerk, in dem die Songs trotz ihres variablen Sounds immer wieder direkt ineinander übergehen.

Die neue stilistische Breite des Quartetts wird zum Beispiel in „But Then What“ deutlich, das SWAIN mit lieblichen Glockenspiel-Klängen einleiten und schlussendlich in eine einprägsame Melodie aus durchdringenden Harmonium-Läufen führen. In „Dispel“ schwebt die metallisch-verzerrte Stimme von Sänger Noam Cohen inmitten einer sphärischen Klangwelt aus wabernden Synthesizern und verhallenden Klaviernoten. Im Opener und Titeltrack stehen wiederum die eindringlich schnarrenden Gitarrenmelodien im Vordergrund, die die Band seit jeher zelebriert, auf „Negative Space“ aber einen ungewohnt balladesken Anstrich verliehen bekommen. Dass Cohen nicht mehr schreit, sondern so viel Mut wie noch nie zur Melodik beweist, zeigt markant Swains innovatives Denken zur konsequenten Weiterentwicklung.

Der Sound bleibt in seiner Radikalität kein Selbstzweck, sondern spiegelt prägnant die lyrische Grundlage von „Negative Space“ wider. Nachdem sich Swains vergangene Alben durch verzweifelte Wut und Selbsthass ausgedrückt hatten, driftet ihre neue Platte zu einem positiven Wendepunkt der eigenen Akzeptanz. In „Same Things“, auf dem TOUCHÉ AMORÉ-Sänger Jeremy Bolm als Gast zu hören ist, reflektiert die Band diesen Gedankenschritt zur Vergangenheit mit einschneidender Schärfe: „I’ve been howling mean on this stage since 15/ I was sick of the world and got lost in my dreams/ It’s so damn easy to wait, to feel mad, to just hate/ Open your eyes: you`re pulling dead weight.“ In „Skin On Skin“, einem kreisend-melancholischen Mantra mit Feature von Rap-Ikone CASPER, nehmen SWAIN sogar direkten Bezug auf ihren eigenen Song „Kiss Me Hard“ und stellen sich so den dunklen lyrischen Welten ihrer alten Platten: „So kiss me hard/ Harder than last time/ It’s always on my mind/ Your soul has me shivered and scarred.“

„Negative Space“ erweist sich so entgegen der vom Titel suggerierten Erwartungshaltung nicht als das klangliche Versinken in noch schwärzeren Abgründen, sondern stellt eine Betrachtung dieser Welt aus rettender Distanz dar. SWAINs neues Album ist keineswegs der Endpunkt einer andauernden Katharsis, aber der Ausdruck eines Hoffnungsschimmers, der auf ihren alten Platten noch unerreichbar schien. Die nachhaltige Wirkung von „Negative Space“ lässt sich daher nicht nur auf eine glückliche Wendung in der Band-eigenen Geschichte beschränken. SWAIN haben mit ihrer neuen Platte den Halt geschaffen, nach dem eine Depressions-geplagte Generation lange gesucht hat.

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