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JEFF ROSENSTOCK veröffentlicht sein neues Album "NO DREAM"

Copyright: Christine Mackie
Copyright: Christine Mackie

Das ist ein sehr persönliches Album für mich", sagt Jeff Rosenstock. "Die letzten zwei Jahre waren eine einzige existenzielle Krise für mich, in der ich mich gefragt habe, wer ich bin. Ich fand mich in einer überraschenden Position wieder. Ich hatte nie erwartet, dass ich 'Erfolg' haben könnte mit der Musik. Und plötzlich war es soweit."

Rosenstocks musikalischen Anfänge mit seiner Ska-Punk Band "Arrogant Sons of Bitches" und den DIY-Helden "Bomb the Music Industry!" bescherten ihm eine treue Fangemeinde - mit seinem ersten Soloalbum "We Cool?" von 2015 wagte er einen Schritt in unbekanntes Territorium, vollkommen frei von Genrekonventionen und Erwartungshaltungen.
Nur ein Jahr später erschien "WORRY." und landete vor allem in den USA auf zahlreichen Jahresbestlisten auf den vorderen Plätzen - Medien wie USA Today, Pitchfork, Entertainment Weekly oder Consequence of Sound überschlugen sich des Lobs. Rosenstocks Karriere nahm Fahrt auf.
Am Neujahrstag 2018 erschien das dritte Album "POST-", und spätestens jetzt war klar: die Möglichkeit, seinen Lebensunterhalt vom Musikmachen zu bestreiten, war auf einmal gegeben. Ein Punkrocker erwartet sowas nicht. "Ich hatte mich so sehr dran gewöhnt, Platten rauszubringen, die nur ein paar Leute im Underground interessierten, und Konzerte vor einer Handvoll Leuten zu spielen - ich musste mich mit diesen neuen 'Status' erstmal anfreunden" sagt Rosenstock.

Nun, da sich die Dinge geändert haben, entstand „NO DREAM“ mit einer neuen Erwartungshaltung in einer ganz neuen Ära für den Musiker aus Long Island. Rosenstocks zutiefst persönliche Selbstzweifel und Zweifel an Amerika als Konzept kommen auf dem neuen Album auf eine Weise zum Ausdruck, die universelle Gefühle von Schock und Unsicherheit einfangen, die man schnell nachfühlen kann. Zusammen mit Rosenstock begibt sich der Hörer auf die Suche nach seinem Platz in dieser immer wieder ärgerlichen Welt. "Ich wollte nicht davor zurückschrecken, Sachen zu singen, die für mich persönlich noch nicht zu Ende gedacht sind. Solange sie sich richtig anfühlen, werden sie sich mir schon noch offenbaren" sagt er, "Musik ist ja eine Sprache: man lernt neue Worte, aber man vergisst die alten nie."
 
Seit "POST-" hat sich Rosenstock mit zahlreichen äußerst unterschiedlichen Projekten beschäftigt, um sich selbst zu kalibrieren und zu ergründen, wo die Essenz seiner Solo-Songs liegt. Er tourte mit Mikey Erg und der Bruce Lee-Band, veröffentlichte mit Laura Stevenson eine Neil Young-Cover-Platte, legte zwei seiner vergriffenen frühen Alben neu auf, veröffentlichte ein Live-Album, das bei vier ausverkauften New York Konzerten im Bowery Ballroom aufgenommen wurde, publizierte ein Fotobuch und schrieb die Musik für 80 Folgen der Cartoon Network Serie "Craig of the Creek".

Jetzt, wo er zurück bei seinem Solowerk angekommen ist, ist es keine Überraschung, dass die 13 Songs auf "NO DREAM" seine reflektiertesten, eklektischsten bisher sind.
 
"Scram!" bedient sich dem übersteuerten Gitarrensound von "Kerplunk" und mixt ihn mit palm mutes und Weezer-Melodien, "Old Crap" ist eine Reminiszenz an den Pop-Punk seiner frühen Tage, in dem sogar ein traditionelles "pick it up!" seinen Platz findet. Letztendlich ist der Titeltrack "No dream", mit seinem halsbrecherischen Spagat zwischen Mazzy Star und Minor Threat, das Herzstück des Albums. Dessen Botschaft ist vielleicht nicht die hoffnungsvollste, aber es ist eine, die das Gefühl des bevorstehenden Untergangs zusammenfasst und eine Wut, eine Angst, ausdrückt, die viele nur schwer artikulieren können: "Man kann nichts dagegen tun, man kann es nicht aufhalten. Man sieht überall diese Gräueltaten und möchte, dass es aufhört. Aber es wird nicht aufhören. Und wenn man dieses Gefühl erstmal verinnerlicht hat, dass das alles kein Traum ist, bleibt einem eigentlich nur noch eine Panikattacke."
 
"Ich dachte, ich hätte gerade eine Platte für niemanden gemacht", sagt Rosenstock. "Was soll es schon helfen, sich so zu fühlen? Bringt es überhaupt was, diese Gedanken auszusprechen?" Diese rhetorische Frage beantwortet er auf "NO DREAM", einem zufällig universellen Album für eine buchstäblich verrückte Zeit.