
Die großartigen Cosmic Psychos spielten gestern in Wiesbaden. Nur eine von vier Stationen (Hamburg, Berlin und Düsseldorf) in Deutschland. Warum ausgerechnet Wiesbaden – keine Ahnung, mir sollte es jedenfalls recht sein. Ich brauchte mit dem Fahrrad gerade mal fünf Minuten bis zum Schlachthof. Zuletzt sah ich sie 1991 in Bremen. Ein bisschen Zeit ist vergangen, deshalb war es nicht wirklich überraschend, dass dieses Konzert mit dem von damals nicht mithalten konnte. Und mit nur einer Stunde Spielzeit war es schon arg kurz, auch gab es keine Zugabe.
Damals gab es vier, und der Abend ging über zwei Stunden. Aber egal: Die straffen Biertrinker werden nicht jünger, gut gewachsene Bäuche und unverändert rotzige Attitüde. Auch im Publikum zeigte sich die biologische Realität ungeschönt. Spätestens als ein Besucher altersbedingt auf Krücken durch den Einlass zitterte, war klar: Punk altert – und zwar sichtbar.
Dreizehn Alben haben die Herren in den letzten 35 Jahren rausgebracht, damals gab es erst drei, und sie spielten „Dead Roo“, „Rip ’n’ Dig“, „Lost Cause“, „I’m Up You’re Out“ und „Pub“ (gleich ein
solider Einstieg). Also immerhin fünf Songs aus der wilden und wohl brachialsten Zeit der sympathischen Australier, als sich noch nicht alles (auch textlich) ums Biertrinken drehte.
Insofern: eine runde Sache gestern. Ein bisschen kurz war’s, und auch ein bisschen lauter hätte es ruhig sein können. Aber gut – so war man schon um kurz nach 22 Uhr zu Hause und musste sich die
Frage der Frau anhören, warum man bereits so schnell daheim sei. Naja, die Jungs mussten wohl auch ins Bett.
© Jörn Birkholz
