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13YC - 13 YC

13YC - 13 YC LP
13YC - 13 YC LP

13YC

13 YC LP
subsidized time/Tomatenplatten/Gandula
Manche Alben erzählen Geschichten. Andere schaffen Räume. Das selbstbetitelte vierte Album von 13YC (13 Year Cicada) macht weder das eine noch das andere – es entwirft einen Zustand. Einen permanenten Aufbruch. Einen Weg, dessen Ziel zweitrangig ist. Der Titel mag schlicht sein, doch musikalisch steckt hinter 13YC ein vielschichtiges Werk, das sich jeder einfachen Kategorisierung entzieht.
Die Reise, von der die Band spricht, ist keine romantisierte Selbstfindungsodyssee und schon gar kein psychedelischer Eskapismus.

Es ist eine Bewegung ohne Rückfahrkarte. Mit leichtem Gepäck – Spiegel, Pflaster, Kaugummi und Feuerzeug – geht es Schritt für Schritt voran. Diese Bildsprache spiegelt sich auch in der Musik wider: nichts wirkt überladen, aber alles besitzt Gewicht. Die Stücke entwickeln sich organisch, nehmen Umwege, verlieren sich kurz in atmosphärischen Passagen, um plötzlich wieder mit kantigen Riffs, schroffen Rhythmen oder eruptiven Noise-Ausbrüchen aufzuwachen.
Der Opener „Mirror“ macht klar, dass 13YC keine gewöhnlichen Songs schreiben. Der Track atmet förmlich, entwickelt sich langsam und beharrlich, bleibt über weite Strecken monoton, ohne jemals langweilig zu werden. Aus wenigen Bausteinen wächst eine hypnotische Sogwirkung, die gleichermaßen faszinierend wie verstörend ist.
Mit „Band Aid“schlägt das Quartett anschließend einen völlig anderen Weg ein. Irgendwo zwischen Jungle, Acid, Techno, Jazz und Art-Punk entsteht ein fiebriger Soundtrack für eine durchfeierte Kiez-Nacht – hektisch, schräg und ständig kurz vor dem Kontrollverlust. Die Musik stolpert, tanzt und explodiert gleichzeitig, ohne dabei jemals beliebig zu wirken.
„Chewing Gum“ bildet dazu den größtmöglichen Kontrast. Minimalistisch, reduziert und beinahe stoisch zieht sich das Stück über seine Spielzeit. Fast wäre ich dabei eingeschlafen – allerdings im positiven Sinn. Die monotone Struktur entwickelt eine meditative Qualität, die einen vollkommen vereinnahmt und den Blick für kleinste klangliche Veränderungen schärft.
Zum Abschluss zündet „Lighter“ noch einmal sämtliche Sicherungen. Industrial, Noise, Dance und Club-Kultur verschmelzen zu einem brachialen Finale, das zugleich mechanisch und überraschend tanzbar wirkt. Kalte Maschinenästhetik trifft auf pulsierende Beats, sodass man sich irgendwo zwischen Fabrikhalle, Underground-Club und Performance-Kunst wiederfindet.
Insgesamt liefern 13YC keine klassische Punkplatte, sondern eine mutige und kompromisslose Klangcollage, in der Art-Punk, Noise, Industrial, Jazz, elektronische Musik und experimenteller Rock selbstverständlich nebeneinander existieren. Die Band fordert Aufmerksamkeit und Geduld, belohnt dafür aber mit einem Album, das sich jeder Schublade entzieht. Dieses Werk funktioniert weniger über einzelne Songs als über Atmosphäre, Dynamik und das ständige Spiel zwischen Reduktion und Eskalation. Sicher nichts für den schnellen Konsum – dafür ein Album, das sich mit jedem Hördurchgang weiter entfaltet und beweist, wie spannend Punk sein kann, wenn er sich konsequent jeder Erwartung verweigert.


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