PANKERKNACKER #18

PANKERKNACKER #18
PANKERKNACKER #18

PANKERKNACKER #18
92 Seiten; €3.-
Pankerknacker-Veralg, Postfach 360421, 10974 Berlin
www.pankerknacker.com
Stefan steckt sich eine Fluppe an und sagt leise "Servus", bevor er noch mal mit dem Köter Gassi geht, sein Rockstar-Image pflegt, an den maroden Häuserfassaden Berlins vorbeitorkelt, gegen die verschlossene Tür der ARGE pinkelt und entschlossen ist, keinem Chef mehr zu dienen.

Mit dem vergilbten THE DAMNED- Shirt, einer David Bowie Unterbüxe und einer Dose Astra im Gepäck macht er sich mit dem Einnahmen des letzten Pankerknackers aus dem Staube,  um in seiner Wahlheimat Sardinien das Leben eines freien, staatlich unabhängigen Sozialschmarotzers zu führen. Fortan schüttelt er nicht nur sein Ding, sondern die Shaker für spezielle Kundschaft im selbst gewählten Exil. Gut, als Saisonarbeiter hätte er auch ein Niedersächsisches Spargel- oder Erdbeerfeld pflegen können, wenn da die Sache mit dem Chef nicht wäre. Als selbiger führt er im eigen Zine Regie, schreibt das Drehbuch, um das Unternehmen Punkrock erfolgreich in die Annalen der Fanzinelandschaft zu führen. So standen er und Gefolge bei der Trailer-Party zu "Chaostage-Der Film" im pompösen Hobel Mövenpick zu Berlin. Anstatt das "Destroy"-Feeling auszuleben, betrinkt sich die Crew versnobt, schlürft Cocktails für lau, schüttelt der Film-Prominenz Hände, leckt Ärsche und lässt sich als "Wichser" beschimpfen. Punkrock ist zum dekadenten Establishment verkommen. Das "We are Punks" Etikett ist genauso gewöhnlich wie der Fuchsschwanz an der Opel- Manta-Antenne. Chaostage-Regisseur Tarek meint hingegen, "das (die Party) hier ist zeitgenössischer Punk mit angemessenen Mitteln". Draußen blieben die echten Punx, die sich unterm Mövenpick-Schild um ihr Überleben kämpfen. Mit dem Mittelklassie- Wagen fährt Stefan zum ehemaligen Waldorf-Schüler Jan OFF‚ der Fanzinemacher als "verpickelte Nerds mit Samenstau" definiert und sich als schreibender Schwerstarbeiter aus der Knochenfabrik mit GG Allin-Zitate brüstet. Charlie Harper (UK SUBS) weiß nicht, dass der Scumfucker längst tot ist und mit komischen Titeln im blind date genervt wird. C.A. Mülltikill langweilt sich genauso und zieht es lieber vor, ein paar Bier zu trinken, als sich die Band anzuschauen: "Nicht nötig hier viel Worte zu verlieren!“ Genau, bleib zu Hause auf dem Sofa und zieh dir die Force Attack-DVD rein. Prollig wird es mit der SCUMFUCK-Anzeige und dem EISENPIMMEL-Inti, die mit Rat und Tat als Hartz IV-Beratungsstelle mobil sind und C&A-Kleidungs-Style‚ Pommesbuden und QUEEN empfehlen.
Gesamteindruck: Auch ohne CD bleibt der Pankerknacker eine willkommene Lesereise, bei der Wert auf Optik und Präsentation gelegt wird. Die vielen Kurzgeschichten sind auf die eine oder andere Art und Weise hilfreich, den Umweltschutz zu fördern, die Chaostage zu etablieren und mit dem Flaschenpfand in Urlaub zu fahren. Der Pankerknacker bleibt ein relaxtes Freizeitunternehmen von 77er PunkfetischistInnen, die aktiv den Zeitgeist in die Flasche locken, ihn mit Alk und Kräutern betäuben, mit Edding voll kritzeln und ca. alle 3 Monate beschwören, um den Punkesprit zu erhalten, damit die lyrischen Ergüsse fließen wie die Kohle vom Verkauf aufs dicke Bankkonto in Liechtenstein.

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