Bonhoeffer - Biographic von Moritz Stetter

Bonhoeffer
Bonhoeffer

Bonhoeffer - Biographic von Moritz Stetter
Moritz Stetter, Jahrgang 1983, ist freiberuflicher Trickfilmzeichner und Illustrator. Er hat an der Akademie für Kommunikation und an der Animation School Hamburg studiert. Er ist staatlich geprüfter Grafk Designer und lebt in Hamburg.
Im September 2010 ist seine Biographic zu Bonhoeffer im Gütersloher Verlagshaus erschienen. Wir haben uns mit Moritz unterhalten...

Foto: Vladimir Subbot
Foto: Vladimir Subbot

"Bonhoeffer ist für mich letztlich ein letzten seinen Mensch, der bis zur Konsequenz zu Überzeugungen stand“; Moritz Stetter

Moritz, du hast das Leben des Dietrich Bonhoeffer einmal anders 'erzählt'. Was hat dich an dieser Person besonders gereizt, fasziniert, dass du ihm ein ganzes Buch widmest?
Also, dazu muss ich erstmal sagen, dass der Comic eine Auftragsarbeit war, der Verlag kam auf mich zu und fragte, ob ich mir vorstellen könnte, Bonhoeffers Biografie als Comic umzusetzen. 

Und was hat dich dazu bewegt, dessen Lebensspuren nachzuzeichnen?
Ich hatte bis zu diesem Zeitpunkt keine Ahnung, wer dieser Bonhoeffer ist. Ich hab dann angefangen, mich mit dem Mann zu beschäftigen und hab schnell gemerkt: das geht, damit kann ich was anfangen. Ein Mensch, der sich gegen die zu seiner Zeit herrschenden Verhältnisse, den allgemeinen Konsens gestellt hat -dafür hab ich mich schon immer sehr interessiert. Dazu die ganze Widersprüchlichkeit dieses Mannes - ein Mann Gottes, der zum Mitwisser an einem Attentat, einem Mord wird.

Welche Stationen hast du verfolgt, auf weiche Ereignisse hast du dich konzentriert?
Den Hauptfokus hab ich natürlich auf die Zeit zwischen 1933 - 1945 gelegt. Ich streife Kindheit und Jugend und steige dann kurz vor der Machtergreifung‘ der Nazis wieder ein.

Warum hast du in deinem Comic Bonhoeffers Einstellung auf den politischen Widerstand beschränkt? Ist dir Bonhoeffers Arbeit als Kirchenreformer nicht wichtig gewesen?
Natürlich, das ist ja ein sehr wichtiger Teil seiner Biografie. Nachdem ich das Angebot vom Verlag erhielt, war das erste, was ich geklärt habe, dass der Comic eine objektive Sicht einnimmt und den Leser auf keine Weise, auch nicht durch einen Begleit-Text, bekehren möchte. Das passte dann glücklicherweise gut zur Philosophie des Verlags. Und in der Form hatte ich dann auch kein Problem damit, Bonhoeffer als Christ zu zeigen, ihn christliche Dinge sagen zu lassen. Ganz abgesehen davon, dass seine Auslegung des Christentums sehr erfrischend und unkonventionell ist.

Bonhoeffers Taten fanden in der Öffentlichkeit zu keiner Zeit den Widerhall der Taten Gandhis, Martin Luther Kings oder Mutter Theresas. Wie erklärst du dir das?
Vielleicht, weil der deutsche Widerstand ziemlich erfolg- und folgenlos blieb? Vielleicht, weil Bonhoeffer - verglichen mit den drei Genannten - optisch weniger hermacht? Vielleicht, weil die Kirche nicht allzu gern über ihre Rolle während der Nazizeit spricht? Ich weiß es nicht, mögliche Gründe gibt es viele.

D. Bonhoeffer
D. Bonhoeffer

Info:

Dietrich Bonhoeffer war …
… das sechste von acht Kindern der Eheleute Karl und Paula Bonhoeffer und wurde  am 4. Februar 1906 in Breslau geboren. Als Dietrich sechs Jahre alt war, zog die Familie nach Berlin, wo er seine Schulzeit verbrachte. Im Anschluss an sein Studium der Evangelischen Theologie in Tübingen und Berlin, legte er 1928 das Erste Theologische Examen ab und ging für ein Jahr nach Barcelona, um in der dortigen deutschen Gemeinde als Vikar zu arbeiten. Nach dem anschließenden Zweiten Theologischen Examen absolvierte er ein Studienjahr in New York. 1931 kehrte Bonhoeffer in ein bereits im Umbruch befindliches Deutschland zurück, wurde Privatdozent und Studentenpfarrer in Berlin und begann mit seiner ökumenischen Arbeit. Bonhoeffer stand direkt nach Hitlers Machtergreifung in der kirchlichen Opposition.
Er übernahm zunächst ein Auslandspfarramt in London, wo er über die Lage in Deutschland berichtete, für den Widerstand Kontakte knüpfte und sich für emigrierte Juden einsetzte. 1935 kehrte Bonhoeffer nach Deutschland zurück und  leitete ein illegales Predigerseminar, um künftige Pfarrer auszubilden und auf ihre schwierige Arbeit in der Bekennenden Kirche vorzubereiten. Bereits zwei Jahre später wurde das Seminar polizeilich geschlossen, die Arbeit jedoch im Untergrund fortgesetzt. 1939 brach Bonhoeffer einen erneuten New York-Aufenthalt ab und verließ die Sicherheit Amerikas, da er sich für sein Land, seine Familie und seine Freunde verantwortlich fühlte. Er begann nun, auch politisch für den Widerstand zu arbeiten und nutzte seine Tätigkeit als V-Mann des Geheimdienstes, um im Ausland Unterstützung zu finden.
Kurz nach seiner Verlobung mit der jungen Maria von Wedemeyer 1943 wurde Bonhoeffers Tätigkeit entdeckt, und er kam in das Gefängnis Berlin-Tegel. Nach einer Verlegung in dasHauptgefängnis der Gestapo in der Prinz-Albrecht-Straße und einer anschließenden Deportation nach Buchenwald, wurde er von Hitler zum Tode verurteilt und am 9. April 1945 im Konzentrationslager Flossenbürg hingerichtet.
Bonhoeffers Leben und seine Texte zeugen von einem Menschen, der sich mit Mut, Klugheit und Vertrauen bedingungslos für die Menschlichkeit einsetzte. Aufzeichnungen und Briefe, die aus der Haft herausgeschmuggelt werden konnten, wurden nach dem Krieg unter dem Titel „Widerstand und Ergebung“ veröffentlicht und machten ihn zum meistgelesenen Theologen unserer Zeit. Der Band enthält u.a. die bekannten Gedichte „Von guten Mächten“ und „Wer bin ich?“, die seine Gedanken und Gefühle während der Haft reflektieren. Neben seinen Tätigkeiten in der Kirche und im Widerstand blieb es Bonhoeffer stets wichtig, auch theologisch zu arbeiten. Zu seinen Werken gehören die Dissertation „Sanctorum Communio“ und die Habilitationsschrift „Akt und Sein“ sowie „Schöpfung und Fall“, „Nachfolge“, „Gemeinsames Leben“ und „Ethik“.


Und dennoch ist sein Name in einem Atemzug mit diesen großen Persönlichkeiten - Vorbildern - zu nennen. Warum hat Bonhoeffer heute noch einen Vorbildcharakter?
Bonhoeffer ist für mich letztlich ein Mensch, der bis zur letzten Konsequenz zu seinen Überzeugungen stand - etwas, was mich und viele Menschen, gläubig, Atheist, oder Agnostiker - beeindruckt, um als bekennender Christ Widerstand gegen das menschliche Unrecht zu zeigen. Die Kirche, die Bonhoeffer verändern wollte, hat sich nur wenig geändert. Heute mehr denn je ist die Kirche eine Institution, der häufig jeden persönlichen Bezug zum Menschen fehlt. Dadurch fehlt ihr einmal die Orientierung, in welche Richtung sie sich bewegen soll. Zum anderen fehlt ihr auch die Kraft, Missstände in unserer Gesellschaft und auf der ganzen Weit offensiv anzugehen.

Ist die Kirche zu harmlos?
Wie jede Institution dreht sie sich hauptsächlich um ihren Selbsterhaltungstrieb. Sie droht zum Selbstzweck zu verkommen. Es ist schon traurig zu sehen, wie viele Menschen diesen Mann weltweit verehren und wie wenig seiner Ideen einer neuen Form von Kirche und Religion umgesetzt oder auch weitergedacht wurden.

Moritz, du hattest mit "Geniale Welt" einen eigenen Comicband, in dem du deine strips, Comix veröffentlicht hast. Nun hast du dich auf eine Graphic Novel konzentriert und das Leben einer realen Person gezeichnet. Welche Voraussetzungen waren notwendig, die Bildsequenzen grafisch/textlich umzusetzen? Welche kreativen Freiräume konntest du nutzen und wie sah deine Recherchearbeit aus?
Ich wurde vom Verlag mit Biografien und Fotobänden eingedeckt, den Rest hab ich mir aus der Bibliothek besorgt. Dann gibt es ja auch noch diesen Film mit Ulrich Tukur als Bonhoeffer. Ich bin sehr froh, dass ich den erst angeschaut habe, nachdem ich einige Bücher über Bonhoeffer gelesen hatte. In dem Film werden Bonhoeffers Aussagen ziemlich trivialisiert und vereinfacht. Das Hauptaugenmerk wird sowieso auf die Verlobung mit der 18jährigen Maria gelegt, im Film schrecklich naiv und Iolitahaft dargestellt. Bei mir nimmt diese 'Liebesgeschichte' (zwischen den beiden lief höchstwahrscheinlich nie was) gerade mal 2 Seiten ein. Der kreative Freiraum war inhaltlich und zeichnerisch groß, der Verlag hat mir zu keinem Zeitpunkt reingeredet.

Was unterscheidet diese Arbeit von deiner üblichen Arbeitsweise?

Naja, das fangt natürlich schon damit an, dass ich noch nie zuvor einen I00-seitigen Comic gezeichnet habe. Ich hatte auch noch nie groß recherchiert für einen Comic, das war eine ziemliche Umstellung. Sich über Monate täglich mit dem Nationalsozialismus, mit diesen ganzen Abgründen der Menschlichkeit auseinander zu setzen. Und immer wenn man denkt, tiefer geht’s nicht, kommt ein weiteres grausiges Detail. Das hat ziemlich geschlaucht und mich auch verändert. Ich bezweifle, dass ich in dieser Zeit ein angenehmer Zeitgenosse war. Ich habe ja auch ein Blog über meine Arbeit geführt, da lässt sich das gut nachvollziehen(1).

Du machst strips, zeichnest Funny Comix, wo das das Übertriebene, die verzerrte Darstellung die Vorzüge des Künstlers ausmachen. Bei einer Graphic Novel bist du eher gebunden an reale Verhältnisse. Hat Bonhoeffer auch einen andere Zielgruppe und ist die Arbeit zu "Bonhoeffer" eine kreative Weiterentwicklung?
Ich glaube ja nicht, dass eine Graphic Novel an derartige Einschränkungen gebunden ist - da kann sehr wohl übertrieben und verzerrt werden. Meine Zielgruppe waren ja auch noch nie die typischen Comicleser, letztendlich ging es mir schon immer darum, aus diesem deutschen "Comicghetto" zu entkommen und andere Menschen zu erreichen.

Welche Vorzüge siehst du mit Illustrierten Roman? Haben Graphic-Novel-Publikationen einen größeren Absatzmarkt als konventionelle Comics?
Ich verbinde Elemente der Literatur und der bildenden Kunst - das tun Menschen schon seit vielen vielen Jahren - ob das dann „Comic' oder „Graphic Novel' oder „Neue Kunst“ genannt wird ist mir eigentlich ziemlich schnurz. Wenn durch den Begriff „Graphic Novel" der erwachsene Comic in Deutschland mehr Akzeptanz und Aufmerksamkeit bekommt, soll es mir recht sein.

Welchen Themen- und Arbeitsfeldern widmest du dich derzeit?
Ich organisiere im Moment hier in Hamburg eine kleine Ausstellung zu "Bonhoeffer". Ansonsten jede Menge Leinwände und Papier vollschmieren und gelegentliche Lohnjobs im Trickfilm - und Grafik-Bereich.

By the way, du hast in deinen Comics immer deine persönlichen Vorzüge für Musik und Bands integriert. Was hörst du denn beim Zeichnen?
In erster Linie die "Mixtapes", die ich auf meinem Blog zum Download bereitstelle(2). Legale MP3's aus dem Netz  mit Liebe zusammengestellt, grafisch untermalt. Hört sie euch an....

Anmerkung
(1) http://www.demotapecomix.de/bonhoeffer-makingof.htm
(2) https://demotapecomix.wordpress.com/category/mixtapes/

Das Buch:
Bonhoeffer
110 Seiten, € 14,99
Gütersloher Verlagshaus
ISBN: 978-3-579-07050-6

Bonhoeffer

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