PUNKROCK #11

PUNKROCK #11
PUNKROCK #11

PUNKROCK #11
100 DIN-A-5-Seiten; €3.-
PUNKROCK! Fanzine, Postfach 100523, 68005 Mannheim www.punkrock-fanzine.de
Bei Bocky ist die Kacke am Dampfen. Angeregt von kritischen Szene-BeobachterInnen wie Polit-AktivistInnen greift er das Thema "Anzeigen von unpolitischen (Grauzonen-)Bands" auf. Bocky fragt sich, wer denn da überhaupt drauf achtet, kann die Kritikerinnen) sogar verstehen und rechtfertigt die aktuellen Anzeigen von Krawallbrüder und Stomper 98 im Heft damit, dass er sich mit den Bands persönlich noch auseinandersetzen möchte.

Diese Vorgehensweise erinnert an die Debatte um die Rehabilitierung von David Kornowski, der sich mit dem Modelabel HATE CORE in auflagenstarken Fanzines wie OX und PLASTIC BOMB eingezeckt hat, dabei seinen "Ausstieg aus der Neo-Nazi-Szene" beteuert hat, aber viele Fakten gegen einen öffentlichen Freibrief sprachen.
 Siggi von EISENPIMMEL gibt allerhand unsinnige Statements zu jedem einzelnen Song des aktuellen Tonträgers von sich und erkennt in den Strukturen einen Hauch von Pommes Mayo-Geschmack, Bierzelt-Romantik, die einer Spritzfindigkeit zugrunde liegt, einer Stilfrage, die in einer anderen Galaxie beantwortet wird. NAPOLEON DYNAMITE föhnen und toupieren ihre Haare, haben was "ganz arg" gegen Deutschland und finden es zum Kotzen, "dass man im Punk/HC für jede dumme Idee(...)in eine Schublade gesteckt wird". Dass Skinheads nicht gleich in eine bestimmte Schublade gesteckt werden können, erklärt Alf Garnett in seinem letzten Teil "The Spirits of ‘69", wo SHARP-Bands und -Skins, OI-Skins, Fascho-Skins und traditionelle Skinheads mit all ihren (un-)politischen Ausrichtungen und Inhalten in einer beschränkten, kurzen Auswahl vorgestellt und mit einem treffenden Schluss-Zitat auf den Punkt beschrieben werden. Dennis Degenerate eröffnet die Freiraum-Sparte mit der Band NIGHT FEVER aus Kopenhagen, gefolgt von einem Plädoyer für die Erhaltung des SO36, das stellvertretend für andere Berliner Freiräume im Zuge der Gentrifizierung von der Räumung/Schließung bedroht ist. Beppo von SPERMBIRDS berichtet unterhaltsam von der zurückliegenden Australien-Tour und liefert Anekdoten, Zitate und Eigenarten von Begegnungen mit Menschen, Situationen vor, während, nach den Konzerten, erkennt in Touren wie dieser die Quintessenz des Spermbirds-Daseins und den Grund, warum es die Band nach all den Jahren noch gibt. Kay wirft einen Blick auf das rechte Fanzine "Feindkontakt", HELLRATZ finen auf der einen Seite, dass Punk tot ist, auf der anderen Seite wiederum nicht. Frank Zander gehört nicht zum Altenteil, will 120 werden und weitermachen wie bisher und Snitch knallt die Frösche in Pop mit einem Album-Review, das sich vordergründig als WG-Casting-Geschichte entpuppt.

Gesamteindruck: Das PUNKROCK! ist von der sogenannten Schweinegrippe verschont geblieben und zeigt sich multi-resistent gegen ein Virus, das in menschliche Körperzellen eindringt wie der unpolitische Mensch, der sich als Punk oder Skin verkleidet, um die Zellstruktur zu verändern. Bocky, Oliver und Co mutieren zu PUNKROCK!-Schweinen, die in den Spielarten des HC/Punk herumwildern, sich nicht auf einen Impfstoff festlegen und auf ihr eigenes Gespür vertrauen, PUNKROCK! dabei Punk neu entdecken, selbst wenn mitunter die eigene Tiefe fehlt.

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