PUNKROCK! #10

PUNKROCK! #10
PUNKROCK! #10

PUNKROCK! #10
100 DIN-A-5 Seiten (+ 2 CD‘s); €3.-
PUNKROCK! Fanzine, Postfach 100523, 68005 Mannheim www.punkrock-fanzine.de
10 Ausgaben in 4 Jahren ist ein Grund für Bocky, in Erinnerung zu schwelgen und das Fanzine an die Wurzel zu packen. Dabei entwickelt sich bei ihm ein Interessenkonflikt. Bocky schießt scharf gegen Kritikerlnnen, genannt "honk", die dem PUNKROCK! inhaltlich eine mangelnde politische Attitüde vorwerfen.

Bocky befürwortet den politischen Stellenwert, der zwischen den Zeilen schlummert. Genau diese Zielsetzung verfolgt auch das MOLOKO PLUS, wobei Torsten auf die Mündigkeit der LeserInnen pocht. Doch leider werden Inhalte unkommentiert abgedruckt, sodass unreflektiertes Grauzonendenken in die Köpfe der (ahnungslosen) LeserInnen transportiert wird. Diese Strategie birgt Gefahren im Umgang mit sogenannten unpolitischen Bands (siehe STOMPER 89). Wenn sich das PUNKROCK! davon lösen möchte, nicht länger mit politischen Aussagen ("halbgaren Weisheiten") zu glänzen und sich auf musikalische Gespräche/Artikel zu konzentrieren, unterstützt das PUNKROCK! die Ausrichtung, dass Punk zu einer Konsumhaltung verkommt, bei der alles so beliebig und austauschbar ist. Punk als Wegwerfprodukt ohne eigene Inhalte. Kollege Oliver hat derweil andere Alltagsnotizen zu verkünden und wundert sich, dass seine Tochter anstatt "Nacht" "Nazi" sagt und Papas Schnarchen als Singen deutet. Mutter Beimer erkannte schon scharfsinnig: "Kleine Kinder kleine Sorgen, große Kinder...große”. Also warte ab, Oliver, die großen Überraschungen folgen erst. Mehr Zeit zum Nachdenken hatte Dennis Degenerate, der bereits in der vorherigen Ausgabe schilderte, wie er durch eine nicht bezahlte Strafe "überraschenderweise" von der Polizei verhaftet wurde und in den Knast umziehen musste. Dennis berichtet vom Knastalltag, von seinen Knastbrüdern und dem Gefühl der "monotonen Scheiße". Dennis wird als Lohnsklave missbraucht. Hier wird deutlich, inwieweit Firmen aus Profitgründen Insasslnnen als Lohnsklaven benutzen. Geistreich ist der mehrteilige Report über den Spirit of '69, der hier seinen Abschluss findet. Bands wie SHAM 96, COCKNEY REJECTS waren das Sprachrohr für Fußballfans und working class kids. Die British Movement instrumentalisierten viele Menschen, die Provokationen wurden nun offen mit Gewalt ausgetragen. Bands wie SKREWDRIVER und das Netzwerk "Blood&Honour" verknüpften rechte Ideologie mit Musik als Transportmittel. Thorsten stellt die politische Strömung innerhalb der Skinheadkultur heraus und beschreibt die Spaltung in linke und rechte Lager und Menschen, die den traditionellen Jamaika-Ska, den 2Tone wieder entdeckten. Wieder entdeckt wird auch Oliver Maria Schmitt, der seine eigene Jugend bewältigt und zugibt, von Jürgen Teipel inspiriert worden zu sein. Oliver befragt ihn zu seiner Tätigkeit als TITANIC-Chefredakteur und zu seiner Band "TIEFSCHLAG” und es entwickelt sich ein zynisch-boshafter Verbalaustausch.
Ring frei heißt es auch für den überflüssigen Festivalrückblick, der mit Wetterbericht und Zuschauerzahlen auftrumpft.  Knallfrösche in Pop ist ein herrlich-unterhaltsames Pendant zu Tom Tonk’s Kolumne in eigenwilligen Manier: Schallplatte trifft Lebenssituation.
Gesamteindruck: Werbeanzeigenkunden wie CONTRA Records, PEOPLE LIKE YOU werden im Heft befragt, das hinterlässt  bei mir immer einen faden Beigeschmack. Dennoch überwiegt die quantitative Vielfalt des Heftes, die das PUNKROCK! abwechslungsreich gestaltet. Das PUNKROCK!  thematisiert  verschiedene Spielarten der Subkultur, liefert musikalische Inhalte zu Punk, Rock and Roll, Skin, Straße und Ska und ist so bunt wie die Punkrockwelt. Da ist für Jeden/r etwas dabei - mensch kann sich den Inhalt nach eignen Bedürfnissen anpassen. Das entspricht doch dem DIY-Gedanken.

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