RANDGESCHICHTEN #13

RANDGESCHICHTEN #13
RANDGESCHICHTEN #13

RANDGESCHICHTEN #13
60 DIN-A-5-Seiten + Tape, CD-R; € 3.-
randgeschichten@gmx.net
Mareike ist kurz vom Skateboard abgestiegen und berichtet von ihren Erlebnissen und Reisen. Seit nunmehr 10 Jahren fühlt sich Mareike "ganz gut" beim Fanzine schreiben, fühlt sich wie 17 und reflektiert bei einer Flasche Rotwein ihre Aktionen und Beobachtungen zwischen Protest, Freiheitsdrang und Verpflichtungen. Dieser Zustand zieht sich wie ein roter Faden durch die aktuelle Ausgabe.

Mareike erinnert sich bei Reisen nach Hamburg an ihre Kindheit, eine "komplizierte Geschichte", mutmaßt, dass Punk in ihr drin steckt, und dass immer neugierig die Weit entdecken möchte. Mit sehr persönlichen Einblicken aus ihrem Alltag teilt Mareike mir mit, was sie mit wem getan hat. Da verliert sie sich auch schon mal im Detail. Etwa, wenn sie davon berichtet, dass ein Glas vegetarischer Aufstrich beim Frühstück verschwindet, dass Arne auf Wiedersehen sagt und das Wetter scheiße ist. Insgesamt wirkt Mareike innerlich sehr zerrissen, chaotisch, ruhe- und rastlos‚ ihr Board ist das geeignete Objekt, auszubrechen, sich frei zu fühlen und wichtiger, als die drohenden Schmerzen und Verletzungen, die mit dem Boarden verbunden sind. Diese Verletzungen führt Mareike chronologisch auf. Das Rollen auf dem Asphalt ist eine "fabelhafte Welt der Schmerzen" und trotzdem gut, da laut ihrer Meinung Schmerzen dazugehören. Life Is pain! Ohne Musik und Skateboarding wäre sie "hochgradig alkoholabhängig". Ihre Tätigkeit auf dem Sonnenhof macht sie auch nicht glücklich. Also schnappt sie sich die Gitarre, make music to survive, gibt Tieren eine Stimme und geht dabei richtig aus sich raus. Das kann mensch sich dann auf den Beilagen anhören. Zumindest auf der CD-R entwickelt Mareike einige interessante Songs, die immer dann überraschen, wenn der Mann singt, dessen Name nirgends erwähnt wird. Die Songs "Asozial" und "Decade" sind einfach nur geil.
Auf dem Tape greift Mareike dann zur Gitarre und ist beim Singen sehr verhalten und unsicher. Der Refrain "Ihr macht die Stadt kaputt" ist bei mir hängen geblieben, erinnert mich an "Lukas macht die Welt kaputt" von LAFTRAK und ist der zaghaft verstörende und doch energetischste Moment, die Traurigkeit und Leere zu sprengen. Neben den Spot Checks interviewt Mareike ausführlich Torben vom (R)Ohrpost-Fanzine, der sich und die Welt des Fanzines erklärt. Das Kiste Shop lnterview leidet an der Einsilbigkeit des Interviewpartners, wenn Thomas aufgefordert wird, eine nette Story zu erzählen oder an die Unwissenheit zur Marke THOR STEINAR, die er im Sortiment behalten will.
Gesamteindruck: Mareike hat sich erneut viel, viel Mühe gegeben, persönliche Einblicke in ihr Leben zu gewähren. Ehrlich, offen und auch mal selbstkritisch eröffnet sie mit dem richtigen Blick für Dinge, die ihr Spaß machen, das Tor zur (Außen)Welt und behält trotz diverser Rückschläge eine optimistische Grundhaltung. Das ist sympathisch, motivierend und authentisch.

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