Happy Endstadium

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Happy Endstadium

Happy Endstadium
v. Jan Off
263 Seiten; € 14,90.-
ISBN: 978-3-931-555-36-8
www.ventil-verlag.de
Der gute Jan Off hat ein neues Buch auf den Markt geschmissen. Dieses mal geht es der autonomen Szene an den Kragen: Eine WG mit vier illustren Mitbewohner und einer Mitbewohnerin, um deren Gunst sich die Jungs so ihre Gedanken machen. Aber natürlich geht es eigentlich um viel bedeutendere Dinge wie die Liebe, die ja eigentlich nur wieder was mit persönlichem Profit und Konkurrenzkampf zu tun hat, oder so…
Wichtiger ist es doch die Welt von allen möglichen Übeln zu befreien. Das man da mal kurz vergisst, warum man jetzt eben eine Fensterscheibe eingeschlagen oder eine Mülltonne angezündet hat und was das jetzt genau mit dem System und der Kritik und so zu tun hat, dass gehört dazu und wird gern in Kauf genommen. So schlittern die Fünf durch ihr gemeinsames WG-Leben, das von politischen Diskussionen über persönliche Eskapaden, Rauschzustände bis hin zu den allgemein bekannten WG-Probleme reicht. Jeder der fünf Charaktere bietet Möglichkeiten, um sich mit ihm zu identifizieren oder eigene Freunde ihn ihm wieder zuerkennen. Auf der einen Seite der politische Kampf, die Kritik an den gegenwärtigen Zuständen, auf der anderen Seite der Wunsch innerhalb dieser Zustände trotzdem ein Leben zu leben und eben auch ganz menschliche (aber auch irgendwie spießige) Wünsche und Bedürfnisse zu haben, das kommt einem doch sehr bekannt vor. Trotz der Sympathie mit der die Hauptfiguren geschildert werden, wird auch Kritik an deren vermeintlich ach so „politischem“ Verhalten deutlich und regt auch die LeserInnen selbst zum Nachdenken an. Als sich die Fünf letztlich ideologisch völlig verrennen und die ganze Menschheit zum Feindbild erklärt wird, führt die Geschichte die Figuren in allerhand völlig absurder Situationen, aber es wird auch deutlich, was passieren kann, wenn man immer nur den selben Gedankenbahnen folgt.
Fazit: Alles in allem ein sehr sympathisches, ein bisschen verrücktes Buch, bei dessen Lektüre man in der U-Bahn plötzlich schief angeschaut wird, weil man unerwartet anfängt zu lachen. Vorsicht aber, denn manchmal bleibt einem das Lachen auch im Halse stecken und manchmal will man dann auch mit viel Wut im Bauch am liebsten sofort losstürmen und eine Fensterscheibe einschlagen.
© Regula

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