MOLOKO PLUS #47

MOLOKO PLUS #47
MOLOKO PLUS #47

MOLOKO PLUS #47
84 Seiten DIN A4; €3.-
Moloko Plus, Torsten Ritzki, Postfach 110537, 45335 Essen
www.moloko-plus.de
Das M+ ist noch nicht ganz auf der Zielgeraden, aber Torsten ordnet nicht nur sein Leben neu, auch das Heft ändert in den letzten Ausgaben sein Format und kommt nun recht konventionell im DIN-A-4-Format. Aber das sind in meinen Augen nur Kleinigkeiten, die nicht wesentlich und wirklich wichtig sind. Auch ich empfinde eine stetig wachsende Bewunderung für das M+, das angekündigte Ende der Printausgabe mit der #50 wirkt offenbar befreiend für Torsten und seine redaktionellen Mitarbeiter_innen, die einen kreativen Schub bekommen und tolle Arbeit machen. Sir Paulchen hält "den Mann hinter dem Image als Benny HiII des Ska, Judge Dread" in Erinnerung und porträtiert den Mann hinter der Rolle des „Richters“ wie er wirklich wahr. Dafür plaudert Oswald „Ossi" Münning (Groover Records und Moskito Promotion) aus dem Nähkästchen, der ihn in den 90er Jahren die Touren buchte. Und die persönlichen Einblicke und Eindrücke zeichnen einen Menschen mit vielen Widersprüchen, der mit jedem gerne quasselte, aber nicht wollte, dass das Publikum auf die Bühne steig, der gerne Süßes aß, aber Diabetiker war, ein „Womanizer" war, aber auch verheiratet. Die witzigen Anekdoten machen die Kurz-Bio zu einem unterhaltsamen Lesevergnügen. Dafür rollen die Nürnberger Rollergirls an mir vorbei. Babett erklärt den Sport und jedeR, der/die davon noch nie etwas gelesen/gehört hat, mag jetzt denken „Aha, schön, dass es das gibt!” Aber leider bleibt es in dieser Art der Berichterstattung nur bei einer Randerscheinung, da es eigentlich auch kein inspirierender Artikel ist. Locke ist bei einer Japan-Version der GEE STRINGS auf ATTITUDE RECORDS „gestolpert". Tetsuja stellt sich und sein Label vor und wundert sich, dass „Die blinde schwertschwingende Frau” und „Die Rache des Samurai" im Ost-Fernsehen lief. Torsten kümmert sich um mysteriöse Todesfälle und legt den Fall des Eben M. Byers offen. Schon lange tot ist auch das SLASH Magazine, das erste Punkfanzine in L.A.‚ das von Steve noch mal erweckt wird und sich heute darüber wundert, welche Macht und Auswirkungen geschriebene Worte haben können und was es für ein Gefühl ist, eine Szene aufzubauen und zu beeinflussen. Paradise versucht ebendieses Gefühl für die Nachwelt zu bewahren und bündelt seine bisherigen California-relevanten Berichte, Artikel und Interviews in ein expandierendes Buch. Ein California-Punk-Rock-Travelguide mit Extras. Für Paradise ist Kalifornien das gelobte Land für Plattensammler und Punkrock. Redondo Beach und Hermosa Beach hätten aber großflächig umfahren werden können, right? Immer noch auf der richtigen Spur ist Matze, der auf 24 Jahre Pork Pie und SKAnda|(e) zurückblickt. Matze hat eine klare Devise: Wenn ihm die Band, Musik gefällt und er mit den Leuten klar kommt, macht es Spaß. Paradise macht einen weiteren California-Punkrock-Abstecher und setzt die Reise am Beach Blvd mit THE CROWDS fort, die hier zwar stark "frikassiert" erzählt wird, aber als Kaufanreiz für das oben erwähnte und zum Ende des Jahres erscheinende Buch dient. Marc und Ecke berichten von ihrer Festival-Tour, Hupe scheint mit seiner Langhaar-Meerschweinchen-Matte rausgewachsen und sucht den Punk. Marc, Ecke und nun auch Sandra feiern GUIDA, eine italienische Glamrock-Band, deren Debüt „Racey Roller" ich mir via Bandcamp gesaugt habe. Angelika meinte nach Hören der ersten Takte und dem einsetzenden Gesang, das sei Lenny Kravitz. Sweet und retro geht es Iovely locker mit einer Budget Rock-History weiter. Rip Offs, Bobyteens, The Mummies, Teengenerate und natürlich SUPERCHARGER. Tststs, was es nicht alles für Schubladen gibt. Matti erklärt die Merkmale: Rudimentäres RAMONES-Riffing, kurze-knackige Songs, rauschige Produktion. Eine andere Definition lautet: Budget Rockscapes are a perfect way to beautify a Iandscape through adding texture and style.
Gesamteindruck: M+ 47 im Vintage-Look mit viel Glam(our) und Vintagefeeling inside. Die Retrospektive auf Punkrock-‚ Ska und 2 Tone basiert auf einer leidenschaftlich entfesselnden stilbildenden Subkultur und der subjektiven Überzeugung, Wichtiges aus der Vergangenheit ins Gedächtnis zu rufen. Insofern sind die Artikel um Judge Dread, Pork Pie, The Crowd, BUDGET ROCK auch eine wunderbare Hommage, die die Meisterwerke der Punkrockgeschichte unvergesslich machen. Mit verantwortlich dafür ist die jeweilige persönliche Vorliebe der Schreiberlinge, die gestrige Legenden und aktuelle Sympathien ausbreiten, die (wieder)entdeckt werden wollen und das Interesse wecken. So wird Geschichte lebendig! 

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