NRFB - Trüffelbürste

NRFB “Trüffelbürste”
NRFB “Trüffelbürste”

NRFB
“Trüffelbürste” LP/CD
(majorlabel.de/staatsakt.de/Rough Trade)
Teufel eins. Wie ist der Kampf zwischen Gut und Böse eigentlich entstanden? In der dualistischen Vorstellung reitet der Teufel auf den Grundprinzipien der Unwahrscheinlichkeiten und moralischen Instanzen, nährt sich an dem Glauben, dass es zwei übergeordnete Wesen geben muss, die nicht bloß durch einen Gegensatz von Qualitäten, sondern auch durch die ganze Form ihrer Tätigkeit voneinander getrennt sind und weder eine Ableitung auseinander zulassen, noch eine gemeinsame Grundlage besitzen. Während einige in ewige Sünde verfallen und mit sich im ständigen Streit liegen, die Angst sie in Schacht hält, kümmern sich andere um moderne philosophische Versuche, ein einziges letztes Prinzip für die Lösung der Welträtsel zu finden und sich monistisch abzurunden. Jens, Mense, Thomas, Lisa, Becci, Armin wissen, dass Stehenbleiben etwas Unbefriedigendes hat und erschaffen eine neue Dimension, eine zauberhafte Welt, in der so lange mit Wörtern jongliert wird, bis sie einen neuen Sinn bekommen und das Denken und die Ausdehnung stimulieren, dass nicht eins auf das andere oder beide auf ein drittes zurückgeführt werden könnten. Sätze, die dich auf eine falsche Fährte lockt und Buchstaben durcheinander würfelt, bis eine neue Sprache entsteht. NRFB macht es den Hörer_innen nicht leicht. Eine Fantasiereise, ein erweitertes Hörspiel, Art Music oder eine schizophrene Sequenz aus der Psychotherapie. Zugegeben, es fällt auch mir schwer, sich einzulassen auf das Modellieren von Wörtern und Inhalten, die ein faszinierendes Schauspiel in der Tradition einer dadaistischen Performance bietet. Der musikalische NRFB-Scrabbel-Bausatz gipfelt in Metaphern und Allegorien, die den vollen Staubsaugerbeutel mit dem Leben gleichsetzt, die Schimmelsymbiose und der Hochzeitstag ein gemeinsames Leiden hervorruft. Eingebettet gleicht diese NRFB-Buchstabenwelt einer Theaterproduktion die melodramatische Kompositionen, Geräusche oder Klangteppiche erzeugt. “Genie kann im Schönen und Vollkommenen verbleiben oder darüber hinausgehen ins Absurde” sinnierte schon Goethe. Die “Trüffelbürste” ist ein Stück Hochkultur.

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