ROMP #35

ROMP #35
ROMP #35

ROMP #35
36 DIN A 4 Seiten; €2,50.-
ROMP Zine, Postfach 6633, 6000 Luzern 6, Schweiz
zine@romp.ch
Nachdem die Neuigkeiten, die eigentlich keine mehr sind, aus aller Welt das politische Tagesgeschehen Revue passieren lässt, folgt mit THE STRAPONES das erste Interview, welches aufgrund schwacher Fragestellung unfreiwillig komisch ist. Fragen zur Bandhistorie gehören in eine Einführung, Fragen zu Songs sollten konkretisiert und nicht verallgemeinert werden.

Auch die Fragen nach Bandzukunft und abschließende Worte sind standardisiert und zeugen von der Unfähigkeit, kreative, offensive, gut recherchierte Fragen zu Band und Personen zu stellen. Leider ein häufiges, feststellbares Merkmal für qualitativ mangelhafte Interviews in Zines. Der darauf folgende Artikel “Rauchzeichen-die Politik des blauen Dunstes” von Strudi ist eine enorme Herausforderung für das Leseverständnis, da die gewählte Font-Komponente zerrissen dargestellt ist und sich somit häufig keine sinnvolle Wortbedeutung ergibt. Zwei Zigarettenlängen später dann ein sehr verkürzter Szene_Report aus Serbien, der einen historischen Überblick “über die lokalen Szene und die aktuellen Bands” schildert. Weitaus interessanter und intensiver ist die thematische Auseinandersetzung mit der extremen Rechten in Ungarn. Das Land hat in den sozialen Verwerfungen nach der radikalen Marktöffnung 1989 den Glauben an die emanzipatorische Kraft der Zukunft verloren. Seine Menschen versuchen, verlorene Arbeitsplätze und fehlendes Know-how durch Nationalismus zu ersetzen, ein besseres Los von einer Vergangenheit zu ersehnen, die schon einmal in ein noch größeres Verhängnis führte. Hinter der vom Staat geförderten Maskerade des Patriotismus prägt ein alter, kompensatorischer Rassenhass immer offener das Gesicht des EU-Staates. Der konservative Ministerpräsident Viktor Orbán hat sich medienwirksam von antisemitischen Äußerungen distanziert, während Rassisten seinem Umfeld angehören und antisemitische Publizisten Verdienstorden erhalten. Die extrem rechte Jobbik-Partei erhielt bei den Parlamentswahlen 2009 12,18 % der Parlamentssitze. In diesem Zusammenhang möchte ich auf die ALHAMBRA-Zeitung verweisen, deren Redaktion  in ihrer Online-September/Oktober-Ausgabe einen Schwerpunkt zur extremen Rechten in Ungarn erarbeitet hat.
Ebenfalls interessant ist das von Didi geführte Interview mit Jan vom Proud to be Punk, der sein Unterfangen erklärt, antifaschistische Themen und lokale Projekte zu verknüpfen. UNHAIM sind gute Freunde vom ROMP-Herausgeber, die ihm die Bandgeschichte und den metallischen Einfluss ihres Sounds erklären. Dann folgt mit DOTTIE DANGER ein Bandinterview, die über die Punkszene in St. Petersburg und die Gefahren, Punk in Russland zu sein, berichten.
Gesamteindruck: Die überalterten “News” sollten komplett weggelassen werden. Dennoch würde mich zum Beispiel interessieren, welche politischen und musikalischen Projekte in der ROMP-Umgebung aktiv sind, und die im Heft vorgestellt/interviewt werden könnten. Das Kreuzworträtsel scheint eine feste Konstante im Heft zu sein, was nett gemeint ist, ich hingegen finde diese grundsätzlich grauenvoll. Der verantwortliche Herausgeber sollte zunächst einmal ein inhaltliches Konzept erstellen und sich bei Bandinterviews und der Fragestellung mehr Mühe geben, damit die Leser_innen weitaus mehr interessantere Aspekte erfährt als über die Band-, Song- und Soundentwicklung.

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