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FEINE SAHNE FISCHFILET

FSF
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Am 3.11. feiern FSF ihre Releaseparty zum Album "Scheitern und verstehen". Turbulent ging es auch sonst in den vergangen Tagen zu. Die Verfassungsschutzbehörde aus Mecklenburg-Vorpommern hat die Band ins Visier genommen und schreibt in seinem Jahresbericht 2011, FSF sei „gewaltbefürwortend oder sogar gewaltbereit“. Fast zwei Seiten umfasst der Eintrag zu Feine Sahne Fischfilet. Die Behörde  hat herausgefunden, dass sich die Band als politischer Zusammenschluss verstehe und führt ein Zitat der Band auf:
“Antifaschismus ist für uns keine hohle Phrase. Es ist uns bewusst, dass die Neonazis, egal wie modern und bürgernah sie sich geben, barbarisch und menschenverachtend bleiben. Dem gilt es entgegenzuwirken!“
Zudem sei die Band anti-demokratisch eingestellt und nennt das Zitat "Stolz auf Deutschland? Stolz auf eine Nation? Stolz auf irgendein beschissenes Konstrukt? Wir kotzen gleich!"
Insofern fällt die Band unter den staatlichen Banner, extremistisch zu sein. Dabei strebe die Band nicht in erster Linie danach, die staatliche Struktur aufzulösen, sondern sich gegen die extreme Rechte einzusetzen. FSF sehen sich als antifaschistische Punkband und haben im Kampf gegen Rechts immer wieder Textinhalte zu dem Thema geschrieben, unterstützen diverse antifaschistische Kampagnen, zeigen den jungen Leuten eine echte Alternative zu den extrem rechten Strukturen in ländlichen Gegenden, in denen FSF auch fahren und auftreten.
Das Label Audiolith hat daraufhin eine Stellungnahme online gestellt:
"Als Musiklabel sind wir bestürzt darüber, dass ein staatlicher Geheimdienst einer Musikgruppe hinterher spioniert. Wir finden es sehr besorgniserregend, dass Künstler mit Terroristen gleichgesetzt werden. Es ist einfach schockierend, dass antifaschistisches, zivilgesellschaftliches Engagement in einer Hochburg von Neonazis von staatlichen Stellen kriminalisiert wird, anstatt es zu fördern. Das Vorgehen des Verfassungsschutzes gegen eine antifaschistische Band und die Tatsachen, die über diesen Dienst in den letzten Monaten ans Licht gekommen sind, machen uns Angst vor diesen Leuten. Man muss sie in ihre Schranken weisen. Wir stellen uns hinter unsere Band und unterstützen ihr Engagement gegen Nazis und Faschisten. Wir verurteilen die staatliche Überwachung und Bespitzelung von Künstlerinnen und Künstlern. Wir fordern alle Menschen auf, sich mit der Band und anderen Betroffenen von staatlicher Willkür zu solidarisieren."
(Quelle)

FSF finden die Vorwürfe lächerlich und sind der Meinung, man wolle sie bewusst kriminalisieren. Als Antwort dazu findet Sänger Monchi die passenden Worte. Im Song "Stumpfe Parolen" heißt es: "Ihr wollt uns einschüchtern, das schafft ihr nicht".
Eine positive Seite kann mensch dem Ganzen abgewinnen. Mit der Erwähnung im VS-Bericht und die damit verbundene mediale Aufmerksamkeit ist der Bekanntheitsgrad der Band gestiegen und der VS hat für die Band kostenlos Werbung gemacht.
Dass sich die Band am 3. November Demmin für ihre Releaseparty ausgesucht hat, ist auch damit zu erklären, dass im Umkreis Demmins vor allem der "Nationale Widerstand Landkreis Demmin" aktiv ist, der zu großen Teilen aus NPD-Kadern besteht. Das Konzert ist Teil eines antifaschsitischen Aktionstages. Hier finden auch Infostände und Vorlesungen statt.
Wir haben uns mit Sänger Monchi über die Turbulenzen im nachfolgenden Interview unterhalten.

"Das, was wir machen, ist keine Kunst! Das, was wir machen, ist nicht für die Galerie, nicht für die Glasvitrine. Das, was wir machen, soll eine Art Werkzeug sein, um unserer Wut gegenüber Rassisten, Sexisten, Homophobie und Staat eine Stimme zu geben! Wir wollen für unsere Träume, unsere Utopien weiter kämpfen... Auftritte von uns sollen Spaß machen - und eine Art Krafttankstelle für den weiteren Kampf für unsere Träume sein! Für linke Freiräume: ALERTA ANTIFASCISTA!"

Monchi, das neue Album heißt "Scheitern und verstehen". Insofern können sämtliche Textinhalte auch im Zusammenhang mit dem zentralen Thema Scheitern in Verbindung gebracht werden. Was überwiegt denn gerade bei dir: das Gefühl von Zweifel oder des Erfolges?
Also gerade überwiegt das Gefühl des Erfolges, denn ich bin auf dem Weg zu einer Probe unserer Band, und das ist in erster Linie immer schon mal was Außergewöhnliches, dass wir es alle schaffen vor Ort zu sein. Zudem stecken wir grad doll in den Vorbereitungen unserer Releaseparty/ Afa Aktionstages in Demmin und somit haben wir gerade ne ganze Menge Aufgaben zu erledigen. Macht uns aber Spaß, und wir wussten ja in etwa, auf was wir uns einlassen, wenn wir in die Provinz gehen.

Wie definierst du denn Erfolg?
Eine fast philosophische Frage, die sich sicherlich nicht mit ein paar Sätzen beantworten lässt. Wenn wir uns mal kennenlernen sollten, können wir darüber gerne schwadronieren. Bandmäßig würde ich es jedoch bspw. Als Erfolg empfinden, dass wir nun schon seit über 5 Jahren gemeinsam unterwegs sind und es uns immer noch gibt, und wir nun auf einmal in irgendwelchen Fanzines Interviews geben und dazu befragt werden, was wir als ,,Erfolg“ verstehen.

Ist Scheitern für dich stets ein Begleiter gewesen, siehst du in ihm auch einen Neuanfang?
Scheitern ist absolut ok. Scheitern gehört dazu und scheitern kann unseres Erachtens nach oftmals eine ganze Menge Positives mit sich bringen. Kleines Beispiel: Unser zweites Album brachten wir auf einem kleineren Label raus, welches größtenteils eine Person schmiss, welche wir eine Zeit lang als Freund begriffen. Dann wurden wir krass enttäuscht und auf ner erbärmlichen Art und Weise abgezogen. Näher werde ich hier nicht drauf eingehen, jedoch würde ich die ganze Story schon als ein Akt des ,,Scheiterns“ begreifen. Das Positive an dieser ganzen Labelgeschichte ist jedoch ihr Weg, den sie gegangen ist, denn nun sind wir bei ,,Audiolith“, saufen Champagner aus Frischhaltedosen, schießen uns 24/7 ab und werden endlich als ,,Kommerzpunker“ beschimpft. Ohne dieses Scheitern hätte das Ganze also nie so seinen Weg. Was willste mehr?

Komplett im Arsch! Persönliche Niederlagen gab es sicherlich viele. Welche davon sind besonders haften geblieben?
Eine dürfte auf jeden Fall die in der oberen Frage angesprochene Labelgeschichte sein. Daran denkt man noch öfters, weil wir die Person halt als Homie begriffen haben.
Eine andere Niederlage war auf jeden Fall unsere erste Releaseparty, die wir in einem Dorf in Vorpommern machen wollten und 2 Tage vorher abgesagt wurde, da Polizei und Faschos Druck auf ihre jeweilige Art Druck auf den Bürgermeister ausübten und dieser einknick.
Ansonsten gibt es bei uns innerhalb der Band immer wieder Situationen, die andere Menschen sicherlich als Niederlage begreifen würden, jedoch ist es bei uns oftmals so, dass wir mit bestimmten Situationen einfach anders umgehen und kurze Zeit später über die Dinge schon wieder lachen. Es passiert halt einfach oftmals Scheiße. Seien es Naziangriffe auf Uns und unsere Freunde, die Erwähnung im Verfassungsschutzbericht oder unser Fahrer wird in Nürnberg festgenommen, da alle erdenklichen chemischen Substanzen bei einer Autokontrolle in seinen Körper gefunden wurden und du dann stundenlang dort festsitzt. Es passieren immer wieder abgefuckte Geschichten. Aber den Kopf in Sand stecken ist bei uns grad noch nicht angesagt. Und so gehen wir lustig, fröhlich weiter nach vorne, mit allen Niederlagen die dazu gehören und auch noch kommen werden.

Was hat dir geholfen, wieder Kraft zu finden und den Arsch wieder hochzuzkriegen?
Mein Selbstbewusstsein, mein positiver Bezug zum Leben und Freunde.

Derzeit aktuell steht ihr im Visier des VS, der euch auch scheitern lassen will. Antifaschistische Texte und Kampagnen sehen sich verstärkt durch die Extremismusklausel dem Vorwurf des Linksextremismus konfrontiert. Wundert dich diese Einstufung?
Die Extremismuskeule schlägt ja nun schon seit längerer Zeit um sich. Da werden antifaschistische Recherche/Pressearachive krimininalisiert, Bündnisse die dazu aufrufen Naziaufmärsche zu blockieren mit krassen §129 Verfahren überzogen und so kommen dann schlussendlich auch irgendwann antifaschistische Bands ins Visier dieser erbärmlichen Behörde.
Diese Einstufung wundert mich aufgrund dieser Tatsachen nicht. Leute die keinen staatstragenden Antifaschismus praktizieren versucht man halt in die böse ,,Extremistenecke“ zu stellen.

Der Vorwurf einer “explizit anti-staatlichen Haltung” könnte dabei auch auf die Zeilen "Deutschland ist Scheiße-Deutschland ist Dreck" angewendet werden. Stellt FSF ein negatives Gefahrenpotential dar?
Keine Ahnung was negatives Gefahrenpotential heißt. Ich bin gespannt auf die Erläuterung und was denn ein positives Gefahrenpotential ist?
Jetzt können alle Leute nen bisschen abmallen, theatralisch den Kopf schütteln und sagen ,,dann haut doch ab aus Deutschland,wenn es euch hier nicht gefällt.“
Aber mit einem Land, in dem der Verfassungsschutz Nazigruppen aufbaut, Terrorvereinigungen wie der NSU scheinbar maßgeblich vom VS  unterstützt wurde, ,,Das wird man ja wohl nochmal sagen dürfen“ wieder richtig ,,in“ ist, ein Sarrazin mit seinen rassistischen Thesen zum Bestsellerautor wird und täglich immer noch Menschen abgeschoben werden, können und wollen wir uns nicht identifizieren.
Wie Leute uns aufgrund solcher Aussagen denn nun betiteln, ob nun antistaatlich, extremistisch oder uns als ,,Bekloppte“ bezeichnen, muss dann jede/r selbst wissen. Wir können der Identifikation mit welcher Nation auch immer nicht wirklich was abgewinnen.

20 Jahre nach dem Pogrom in Rostock-Lichtenhagen sind rassistische Ressentiments  in Teilen der Gesellschaft verankert. Das NSU-Netzwerk ist ein Zeugnis der politisierten Neonazis nach dem Pogrom. Welche Möglichkeiten zu einer Gegenwehr können sinnvoll genutzt werden?
Dazu könnten wir wohl ein Extra Interview machen. Ich denke zwei Punkte sind wichtig. Man darf sich auf keinen staatstragenden Antifaschismus verlassen. Wir müssen noch viel mehr hinschauen und uns auch selbst hinterfragen, weshalb man das beispielsweise mit dem NSU nicht gecheckt hat. Recherche und Rechercheoutput sind etwas Elementares im Kampf gegen Neonazis. Aber dies alleine dürfte nicht reichen. Denn oftmals gibt es meines Erachtens nach auch recht viel Output über Nazis. Die Ignoranz ist das Problem. Erst wenn Leute abgeknallt werden und Menschen getötet wurden schreien alle auf und sind auf einmal so krass schockiert darüber, dass Nazis Menschen umbringen, obwohl sie eigentlich nur das in die Tat umgesetzt haben, wovon sie reden.

Seht ihr euch in der Verantwortung, Jugendlichen einen Orientierungspunkt zu geben?
Nein. Wenn Leute uns so sehen ist das ok, und wir sagen auch unsere Meinung, wenn wir gefragt werden. Das Coolste ist jedoch, wenn Leute ihre eigenen Erfahrungen, Fehler etc. machen.
Wir waren früher auch riesige Hoschis, und wenn uns dann immer irgendwelche Leute erzählt hätten wie die Welt läuft, dann hätten wir die als alles wahrgenommen, nur nicht als nen Orientierungspunkt. Wir hätten gedacht ,,Wat sind dat für Hoschis. Die sollen ihr Maul halten“.

Die Kernaussage, nicht nur eures aktuellen Albums, lautet meiner Meinung nach, niemals aufgeben, zusammenhalten und weiter kämpfen. Die Texte sind indes wenig komplex, gelten für euch aber als politisches Werkzeug. Wie soll damit gearbeitet werden?
Was heißt für dich ,,wenig komplex“? Fehlt es dir, dass wir in unseren Texten keine Adorno oder Bakunin Texte unterbringen?
Mit unseren Lieder muss nicht gearbeitet werden. Für einige bieten wir Erklärungen wie in ,,Riot in my Heart“ auf unserem neuen Album. Den Song widmen wir den AntifaschistInnen aus Russland und bei einigen darf man beherzt reininterpretieren.

Ihr seid aber auch eine Band, die gerne feiert. Der Song "Geschichten aus Jarmen" ist da ein Beispiel. Ein Ort, an dem ihr Kraft tanken und ungestört feiern könnt?
Eher ein Ort der Tristesse. Die Bushaltestelle und die Tanke sind der Jugendclub und wenn man feiern möchte gibt’s halt die schäbige Disse ein paar Kilometer weiter.
Wir haben dort ein Überraschungskonzert für meine Mutter gespielt. Es war mehr als süffig und so wurde es doch mehr als exzessiv. Es wurde getrunken, die Freiwillige Feuerwehr ist fast in die Feuertonne geballert und die ganze Band tanzte zu geiler Schlagermucke. Darüber haben wir das Lied geschrieben.

Was verbindest du mit dem Begriff Heimat?
Spielst du auf unsere Songzeile ,,Mit Heimat mein ich keine Nation. Mit Heimat mein ich keinen Staat! Mit Heimat meine ich Familie, Freunde, wo man Zukunft sieht, wo man sich wohl fühlt, wo man lebt und wo man liebt“ an?
Der Text ist so in etwa 3 Jahre alt, und wir finden ihn auch immer noch ganz cool und nicht so beschissen, dass wir ihn nicht mehr spielen würden. Ob man den nochmal so schreiben würde, wage ich jedoch zu bezweifeln.
Heimat geht ja oftmals mit einem ,,Wir“ Gefühl einher, welches dann wieder Ausschlussmechanismen produziert. Da wir das Wort nicht komplett düsig abfeiern, sondern unsere Erklärung mit anfügen, dürfte es recht verständlich sein, was wir meinen. Wen die Textzeile mega ankotzen sollte, kann gerne mit uns auf Konzerten drüber quatschen.

Das Cover-Artwork "In höchster Not" von J.B. Gribble  zeigt Seeleute in höchster Not bei starken Wellengang. Warum habt ihr dieses Bild für euer Album ausgewählt?
Weil der Mensch aus unserer Band, der das Album Artwork gemacht hat, uns das Bild und das Layout gezeigt hatte und wir es geil fanden. Das Bild hat Pathos. In bestimmten Situationen stehen wir auf Pathos. Passt also Bestens.

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