THE VAGEENAS

 

Weniger als Mitarbeiter des Monats, denn vollmundig als „Punkrocksingle des Monats“, hat die wahrscheinlich längste Punkrockschote 1994 die Ladenhüter veranlasst, die Regale leer zu räumen. THE VAGEENAS haben sich die einfachen Mittel zunutze gemacht und versorgen die Ratten und Köter mit 3-Akkorde-Punkrock, während die Zottelpunx davon träumen, Sidney Vicious würde „back in town“ kommen. Nun, der Selbstzerstörungstrieb obliegt der strengen Kontrolle autoritärer Rotznasen, die einfach nicht erwachsen werden. Babette (rotten voice), René (Gitarre), Sys (Schlagzeug) und Neuzugang Pierre (Bass) haben ein Herz für die pubertierende XYZ-Generation, die mit Handys und H&M-Shirts eine kontrarevolutionäre Anti-Revolution sarten, ohne es selbst zu wissen. Denn die mediale Beeinflussung ist all gegenwärtig. Die Bewusstseinsdroge ist Großraumdisko, Springer-Presse, PRO7, MEDIA MARKT, Papst Benedikt der 666. Und du hast die Wahl: Brot&Spiele oder „Teenage music“. Am Ende ist alles gleich. Denn Spaß und augenzwinkernde Texte über „Teenage news“, „Kids“, „You make me sick“, „You can't kill me“ verdeutlichen, dass der Nihilismus wie der Teufel im Detail steckt und nix Großes erahnen lässt. Und bevor das Loch im Kopf wie ein bösartiger Tumor auf die Größe eines Fußballs anwächst, sorgen die Teenage notes der THE VAGEENAS für eine wundersame Vollgenesung.

UNDERDOG: Wer von Euch ist denn EA80-LiebhaberIn? Der Song "Kids" vom aktuellen Tonträger ist ja vom Bass-Lauf, der Gitarrenstruktur sehr deutlich an "Von Jenen; 2. Album" besagter Combo aus Mönchengladbach angelehnt?
Rene: Hm, da müssen sich wohl EA80 was von uns abgeguckt haben. Der Song liegt hier bei mir schon seit ca. 24 Jahren rum…… aber unser Mischer im Studio, der übrigens auch EA80 aufnimmt und auch Live mischt hat nur den Kopf geschüttelt und gelacht, als wir angefangen haben… Ein gewisser Junge fands auch nicht so schlecht… Ich bin sehr grosser EA80 Fan, das aber wohl als einziger in der Band.

UNDERDOG: "Teenage music" lautet euer Album. Naive Musik für Pubertierende oder einfach Dilettanten olé? Oder ist gerade auch die Dekade Teenager das schwierigste Kapitel im Leben, was es zu meistern gilt und deshalb sind eure Teenage Notes überlebensfähig? Leisten THE VAGEENAS da Orientierungshilfe? Oder sind die Teenage-Geschichten eine Art Selbst-Therapie aufgrund traumatischer Erlebnisse welcher Art?
Babette:
"Teenage Music" ist einfach coole Musik für alle Leute mit coolem Musikgeschmack!! Orientierungshilfe liefert die BRAVO, und traumatische Erlebnisse auf arbeiten - ach, das macht auch die BRAVO!

Rene:
Ich glaube nicht, dass das Teenageralter das schwierigste ist. Man hat einfach andere Probleme: Schule, Eltern, …. Die Probleme werden andere, aber nicht immer weniger einfach.


UNDERDOG: Ihr singt "We are the kids of the new generation". Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass ihr mit dem Album eigentlich eine Hommage an die gute alte PunkRock-Zeit zelebriert. Fühlt ihr euch dadurch selbst wieder jung oder wollt ihr einfach nie erwachsen werden?

Babette: Wir zelebrieren keine Hommage an irgendeine Zeit. Es sollte grundsätzlich so sein, dass jede Zeit, die Du gerade erlebst, die schönste Zeit Deines Lebens ist. Das ist bestimmt nicht immer einfach, gerade wenn man vielleicht nette Erinnerungen an die Vergangenheit hat und das "Jetzt" in diesem Moment als nicht so berauschend empfindet. Man sollte sich dann immer bewusst machen, dass keiner weiss, was in der Zukunft geschehen wird. Und dass das Leben vor einem liegt und man es selbst in den Händen hält, etwas Schönes daraus zu machen. Es wäre ja furchtbar, würde man nur in der Vergangenheit leben und sich nur an dem erfreuen, was man bereits erlebt hat. Ob "jung" oder "alt", erwachsen oder Säugling - ich fühle mich wie Ich, unabhängig von der "guten alten PunkRockZeit".
Rene: Das sehe ich genauso. Ich kann Leute nicht leiden, die immer in der Vergangenheit leben und rumjammern wie alt man geworden ist, und dass heutzutage nichts mehr los ist. Das war damals auch so, aber dann macht man selbst was. Die meisten Leute sind einfach nur zu faul, und dann ist „rumjammern“ IMMER der einfachste Weg!

UNDERDOG: Hm, eure Texte wiederholen sich ja, da immer wieder Bausteine wie "I wanna kill you", I don't like you", "You gonna make me sick" eingebaut sind. Passen die destruktiven Bausteine zu dem 77er Punk-Klischee oder fällt euch nix Besseres ein? Auf der Straße gibt es doch viel Neues zu entdecken, oder?
Babette: Meine Englischkenntnisse sind sehr mager, daher diese immer wiederkehrenden "Bausteine". Unabhängig davon finde ich diese Texte aber gar nicht destruktiv, eher im Gegenteil: es ist doch etwas durchaus Positives, ist man sich dessen bewusst, ob man Irgendjemanden/Irgendetwas mag oder nicht. Und nach dem "Warum" zu fragen (in "you make me sick") ist auch auf keinen Fall verkehrt. Und letztendlich dann ehrlich zu sich selbst und seinem Gegenüber zu sein - was ist daran destruktiv?
Rene: Genau, „Kill somebody for fun“ beschreibt ja auch durchaus etwas positives. Man macht sich einen schönen Tag und hat Spass. Das ist doch dann nicht destruktiv, oder? Wenn man im Übrigen auf der Strasse nach Neuem sucht, worüber man texten könnte, dann wird das meiner Meinung nach den destruktiven Teil eher verstärken. Aber ich schreibe die Texte ja eh nicht… ausser „no brain“…

UNDERDOG: In "Don't waste" heißt es: "(...)you live today, it's 2006(...)you wanna go back to '77(...)living in the past that's fucking bad(...)". Trotzdem demonstriert ihr textlich und ja augenscheinlich auch optisch die ganzen '77er PunkRock-Inhalte. Was ist euch heute wichtig, diese Schiene komplett abzudecken, ohne in Widersprüche zu geraten?

Babette: Ich persönliche demonstriere weder optisch noch textlich irgendwelche Punk-Inhalte. Ich schreibe über Dinge/Geschehnisse, die mir einfallen, über die ich mir Gedanken mache, oder auch einfach nur aus Spass, da steckt dann so gar nix hinter, generell auf jeden Fall ohne Anspruch darauf, ob/dass es in eine Schiene passen müsste. Und optisch laufe ich so rum, wie es mir gefällt. Und wenn dieses "Outfit" dann dem allgemeinen 77-PunkRockStyle entspricht, ist das schön. Wenn nicht - egal. Wobei ich mich gerade nicht errinnern kann, dass die Mädels 1977 ständig rosa getragen haben...!? Und von daher gibt es auch keinerlei Widersprüche, in die ich geraten könnte. Es sei denn mit mir selbst, wenn ich plötzlich denken würde, ich müsste diese oder jene "Schiene abdecken". Doch das wird nie passieren.
Rene: Mir gehen diese Punkklischees relativ am Arsch vorbei. Mir ist es egal, was jemand über mich und meinen Musikgeschmack oder meine Optik denkt. Was die Optik angeht mag das teilweise in die 77er Schiene passen, weil mir viel von damals gefällt. Es ist mir aber nicht wichtig das abzudecken, weil es irgendwie zu der Band passen soll. Ich verkleide mich nicht für die Bühne. Ich kann es auch überhaupt nicht ab, wenn immer wieder irgendwas von Pflichtplatten etc. erzählt wird, oder Bands die man gut finden muss. Ich persönlich finde beispielsweise die Ramones grottenlangweilig, aber es gibt so viele Leute, die das nie zugeben würden, auch wenn sie das so sehen würden, da man gewisse Bands und Dinge gut finden muss. Wäre es so, dass wir uns bemühen, die komplette 77er Punkschiene abzudecken, würden wir sicherlich nicht Elemente, wie den ganz offensichtlich geklauten EA80 Lauf mit rein nehmen.

UNDERDOG: Ich selbst bin ja auch Punk, der überwiegend alte britische Punkrock-Scheiben hört. Habt ihr euch durch den Doku-Film "The great Rock'n'Roll-Swindle" verarscht gefühlt oder köstlich amüsiert?

Babette: Als ich gerade meinen ersten VW-Käfer hatte (das müsste 1981 gewesen sein) lief dieser Film jeden Samstag im Kino "Kassenberg" in Mülheim, und danach spielte immer Bluttat. Das war einfach nur total klasse, und "früher" wie auch heute habe ich mir noch nie Gedanken drüber gemacht, ob ich mich durch den Film verarscht gefühlt haben könnte. Warum auch? Ist doch eine ehrliche Dokumentation. Mit coolen Aufnahmen und viel Interessantem. Der Film ist einfach total klasse und es macht echt viel Spass, in sich an zu sehen!
Rene:
Ich war damals etwa 3, als der Film ins Kino kam. Damals habe ich mich nicht verarscht gefühlt. Heute ist es ein lustiger Film. Weiter nichts.


UNDERDOG: Würde Sid heute noch leben, wäre er ein abgefuckter Früh-Rentner oder ein reicher Geschäftsmann. Ab wann ist Punk im Alter noch glaubwürdig?
Rene: Ein abgefucktes arrogantes Arschloch, dass genauso wie dieser andere Idiot in Dschungelcamps rumhüpfen würde. Das hat aber mit Sicherheit nichts mit dem Alter zu tun, da man nicht automatisch nicht mehr Punk oder nicht mehr glaubwürdig ist, nur weil einige Jahre vergangen sind. Ich glaube nicht, dass Punk eine Jugendbewegung war / ist. Im Gegenteil. Ich finde nicht, dass es Punk ist, wenn man sich in seiner „Jugend“ die Haare färbt und auf Konzerten säuft und mit 25 sagt, so: „Jetzt bin ich zu alt dafür, jetzt wird’s peinlich, jetzt baue ich erstmal ein Haus, bekomme 2 Kinder und heirate.“ Ich muss aber immer wieder dieses in der sogenannten „Punkszene“ weitverbreitete, mir unerklärliche Phänomen feststellen, dass viele Bands erstmal nach ihrem Alter bewertet werden. Das geht nicht in meinen Kopf rein. Diese Typen predigen die grösste Toleranz jedem Gegenüber: Ausländer, Schwule, Frauen, Arbeitslose und auch Tiere…. Alle sind supergleich, aber wenn sich jemand mit 50 auf eine Bühne stellt und sich den Arsch abspielt, dann ist das nicht okay, wegen dieser Scheisszahl! Was ist das? So eine Kacke gehört in die BRAVO und auf VIVA, da zählt nur das Alter und die Optik, alles über 20 ist alt und ohne Silikon hässlich. Ich bewundere Leute wie Charlie Harper oder TV Smith, die sich davon nichts annehmen und ihr Ding mit Sicherheit nicht wegen der Kohle heute noch machen. Dass es einen Haufen Bands von damals gibt, die es genau aus diesem Grund machen und die sich schnellstens auflösen sollten, darüber muss man nicht diskutieren.
Babette
: Ich kapiere es absolut nicht, warum der Begriff "Punk" ständig mit dem Begriff "Alter" in Verbindung gebracht wird. Entweder ist man "Punk" (um es mal ganz platt aus zu drücken) oder eben nicht. Ein Chinese ist ja auch immer ein Chinese - egal, ob er 7 Jahre alt ist oder 77. Und wird es immer bleiben. Warum sollte er plötzlich ein Engländer werden? Punk ist einfach immer dann glaubwürdig, wenn der Mensch "echt" ist. Unabhängig vom Alter. Warum sollte ein 50-jähriger "Punk" weniger glaubwürdig sein als ein 20-jähriger "Punk"??
Was Sid angeht, ich denke, er wäre heute Hundefriseur.

UNDERDOG: Das heutzutage alte Säcke und Bands ihren Arsch auf die Bühne bekommen und immer wieder ihre alten Songs abspielen, mag vielleicht -historisch betrachtet- Geschichtsstunde für manchen PunkRocker sein. Dennoch bleibt der bittere Nachgeschmack, dass Bands wie 999, SHAM 96 und Konsorten eigentlich nur noch wegen ihrem Punk-Bonus auf der Bühne stehen und ansonsten wenig Aktives beitragen. Captain OI recycelt jede britische Punkplatte. Ich dachte, Punk sei more than music. Und Du?

Rene
: Genau, ich auch! Was Captain Oi! da seit Jahren macht, ist einerseits okay für junge Leute, die die alten Platten nicht haben, aber ganz klar eine Geldmacherei. Gut, keiner wird gezwungen sich diese Platten zu kaufen, ebenso wird niemand gezwungen zu Konzerten von Bands zu gehen, denen man ansieht, dass es ihnen nicht wirklich Spass macht ( Hallo Peter! ). Aber wie gesagt, dass hat in meinen Augen nichts mit dem Alter zu tun, sondern einfach damit, aus welchem Beweggrund die Leute sich heute noch auf die Bühne stellen und was sie noch rüber bringen. Wenn man sich nach 12 Jahren Pause auf eine Bühne stellt und dann 3 Jahre nur mit den selben alten Songs von 77 durch die Lande zieht, dann ist das bedenklich!
Babette: Ich finde das völlig ok, wenn Bands sich auf die Bühne stellen und ihre alten Songs spielen. Es wird ja niemand dazu gezwungen, hin zu gehen. Und zudem gibt es ja auch etliche wirklich immer noch coole Bands, die ihre Lieder nicht nur "runterspielen", sondern mit viel Spass und Freude dabei sind, z.B. UK Subs, Boys, Kids, und da macht es dann auch wirklich Spass, sich die Bands an zu sehen, da springt eiunfach dieser besagte "Funke" über.

UNDERDOG: Punk hat sich in den 80er Jahren aufgespaltet. Punkmusik wurde härter, die HC-Einflüsse aus Amiland sorgten für einen kreativen Schub zur Umsetzung einer D.I.Y.-Ideologie. Die 77er-Schule hingegen hielt förmlich an die simple Selbstzerstörungsformel fest: I don't care, Stumpf ist Trumpf. Wie lauten deine Zutaten für den richtigen 77-PunkRock-Style?
Rene
: Was ist denn bitte ein „richtiger 77-PunkRock-Style“ und was ist der falsche „77-PunkRock-Style“ Also richtig ist der RAPED Style und falsch der RAMONES Style. … Aber im Ernst. Ich halte nichts von Zutaten für irgendeinen Style, da diese meist eh Regeln sind, und da gibt es ja zuhauf´ ungeschriebene von… Vielleicht kann die Bravo da ja im „Green Day Special“ weiterhelfen…. Sorry.

Babette:
Ich denke, es gibt keinen "richtigen" oder "falschen" PunkRockStyle. Das ist es ja auch eben. Schau selbst, was Du möchtest, was Dir wichtig ist, was Dir gefällt. Schreib`Dir diese albernen Buchstaben "D.I.Y." nicht nur gross auf Deine Jacke, sondern denk` mal drüber nach, was es überhaupt bedeutet. Für Dich selbst. Und schon hast Du Deinen Style gefunden - sei`s nun 77-er-Style oder 97-er-Style (wie auch immer der aussehen könnte...!?), völlig egal, Hauptsache, Dir geht es gut damit/mit Dir und Du fühlst Dich wohl!


UNDERDOG: Eigentlich klingen alle eurer Songs auf dem neuen Album frisch und pogotauglich wie eine Frischzellen-Kur. Woher nehmt ihr nach über 12 Jahren Bandgeschichte die Spielfreude? Wer oder was motiviert euch, immer wieder die gleiche Platte aufzunehmen?

Babette:
Wir haben einfach ohne Ende Spass an dem, was wir da machen, da kommt die Energie, die Spielfreude, der Spass an alldem von ganz alleine!! Und das ist es ja auch, warum es wirklich sooooo klasse ist, das es die VAGEENAS gibt !! Und warum sollte man eine andere Platte aufnehmen, wenn einem das, was man hat, supergut gefällt...?!!

Rene:
Erstmal danke, aber dass sich jede Platte von uns gleich anhört, das meinst du nicht so…. kann ja auch nicht, da sich die Besetzungen ja schon einige Male geändert haben. Ich bin jetzt seit fast 7 Jahren in der Band. Davor gab es andere Leute, die die Songs geschrieben haben. Wenn die Spielfreude mal nicht mehr da sein sollte, dann sollte man die Band verlassen, oder sie auflösen. Denn dann geht es mit der Band auch nicht mehr vorwärts. Ich glaube, dass man im Laufe der Jahre einfach immer wieder neue Einflüsse bekommt, die einfach automatisch ins Songwriting mit einfliessen, unbewusst, auch wenn man immer noch im Hinterkopf hat, dass der Song ein VAGEENAS Song wird… Und wenn die Resonanz auf Konzerten so bleibt, wie sie im Moment ist, dann kann es keine bessere Motivation geben, die einen dazu drängt immer weiterzumachen!


UNDERDOG: In einem 4 Jahre alten Inti auf eurer Homepage sagt ihr, dass es euch nicht wichtig ist, bekannt(er) zu werden. Dennoch seid ihr ja keine talentierte Newcomer-Band mehr. Fühlt ihr nur euch Gegenüber verpflichtet, Musik zu produzieren, wann und für wen ihr wollt? Ich respektiere ja Bands, die ehrlich zugeben, sie machen Musik aus Leidenschaft, nicht um Geld zu verdienen, bekannter zu werden etc. Wo fängt bei dir der Verrat an? Wenn sich Punx für ihre neuen Ideale entschuldigen müssen?

Babette:
Ich freue mich total, wenn wir z.B. in Freiburg spielen, 500km von der Heimat entfernt, und die Leute dort kennen uns, mögen uns und singen sogar (richtig!) unsere Texte mit! Das ist echt etwas total Schönes dass ich wirklich nicht missen möchte! Von daher ist es natürlich schon klasse, dass die VAGEENAS etwas "berühmter" geworden sind. Aber es ist kein Muss. Wir haben nicht da gesessen und überlegt: "Welche Strategie ist sinnvoll, auf dass wir bekannter werden?". Wir haben alles so gemacht, wie es uns gefällt, und dann ist es einfach nur umso schöner, dass es anscheinend auch einige Leute gibt, denen genau das gefällt, was wir machen - was will man mehr?!!
Was die "Ehrlichkeit" bzw. den "Verrat" von Punk angeht, da glaube ich, dass es damals wie heute viele Bands gibt, die sich und den Leuten gegenüber ehrlich sind, und auf der anderen Seite ebenso viele Bands, die sich und ihren "Fans" untreu werden und dann vielleicht doch ihre Daseinsberechtigung darin sehen, den Versuch zu starten, reich und berühmt zu werden. Doch auch das ist völlig ok, denn es sollte doch Jedem selbst überlassen sein, wie er sein Leben gestaltet und welche Prioritäten er setzt. Und grundsätzlich gehören dann ja auch immer noch Zwei dazu, dass dieser "Plan" auch aufgeht, denn kein Mensch wird dazu genötigt, irgendeine Band abzufeiern und zu unterstützen.
Rene: Ehrlich gesagt, weiss ich nicht, genau, welches Interview Du meinst und wer das gesagt haben soll. Wenn wir nicht bekannter werden wollten, dann würden wir uns einmal die Woche im Proberaum treffen und ein bisschen rumjammen und ein paar Bier trinken. Wir stecken neben dem, was Plastic Bomb an Promos verschickt hat selbst noch einen ganzen Haufen Geld und Arbeit in Promo etc. ob über Internet, selbst Promos verschicken usw. Klar wollen wir bekannter werden, wir wollen noch mehr Leute auf unseren Konzerten und wir wollen auch richtig reich werden… deshalb haben wir uns für diesen Sound entschieden! Entschuldigen sollte man sich für gar nichts, hinter dem man steht. Wenn eine Band entscheidet zu einem Major zu wechseln, dann wird sie wohl mehr als 2 mal drüber nachgedacht haben. Schade manchmal, wenn man grosser Fan einer solchen Band ist und der Sound sich plötzlich total verändert. Aber wenn sich eine Band dann dafür entschuldigt, dann ist das arm! ANTI-FLAG sind beispielsweise eine Band, die jetzt bei einem Major sind, aber sich komplett treu geblieben sind. Die Texte sind politisch wie immer, der Sound ist derselbe, vielleicht hat die Band alles richtig gemacht und hat einen guten Deal bei Sony. Glück gehabt. Verrat fängt dann an, wenn eine Band wie ANTI-FLAG uns auf einmal erzählt, dass sie eigentlich schon immer Patrioten waren und alles nur wegen dem coolen Punkimage gemacht haben…

UNDERDOG: Hm, lustig finde ich eure Reise-Unternehmungen, die Du, Rene, auf deiner Page beschreibst. So wart ihr unlängst auch in Wildeshausen, auf den Spuren von "Sarah & Marc in love". Was würdest du denn Marc und Sarah unbedingt mitteilen, würdet ihr sie treffen (könnt' ich arrangieren, da ich die Schwester von Sarah sehr gut kenne)! Wat kommt denn als Nächstes: Kochen mit Dieter Bohlen in Tötensen? Torwart-Training mit Katze Kahn?

Rene:
Oh, ich hätte Fragen ohne Ende, ich war grosser Fan der Serie „Sarah & Marc in Love“ Marc ist die coolste Rock´n´Roll Sau, die es gibt… Bitte arrangier das!!! Ohne Scheiss, wir waren auf dem Weg nach Hamburg, als wir spontan in Wildeshausen abgefahren sind. Und als wir weiter nach Hamburg gefahren sind, haben wir tatsächlich überlegt noch in Tötensen vorbeizufahren! Kein Witz. Die Serie wird aber wahrscheinlich weitergehen, hier bei uns wohnen ja auch noch ein paar Stars! Berti Vogts wohnt hier glaub ich um die Ecke, da kann ich mal mit dem Fahrrad vorbeifahren und ein paar spektakuläre Fotos machen…


UNDERDOG: In all eurer aktiven PunkRock-Zeit habt ihr ja Einiges zu erzählen. Welches besondere Ereignis hat dich besonders geprägt?

Babette: Es gibt eigentlich kein bestimmtes PunkRock-Ereignis, welches mich besonders geprägt hat. Es mag sich vielleicht blöd anhören, aber am meisten habe ich selbst mich geprägt insofern, als dass ich mir immer viele Gedanken um mich/meine Wünsche/meine Werte gemacht habe, und dass Ich selbst nun das Resultat all dessen bin. Mit dem Ergebnis, dass ich ein schönes und glückliches zufriedenes Leben führe. Es gibt natürlich immer Dinge, die auch von anderen Menschen mit abhängig sind/die man sich anders wünscht für sich, da hat man dann selbst nicht viel Einfluss drauf. Aber solange die Dinge und Geschehnisse, die man nur selbst alleine zu verantworten hat, mit sich selbst im Einklang stehen, freut man sich seines Lebens!
Rene: Ich würde es nicht an einem bestimmten Ereignis festmachen. Es waren so viele Dinge, die mich geprägt haben. Was ich auf jeden Fall sehr wichtig fand, dass ich mit 18 angefangen habe das Fanzine zu machen. Dadurch habe ich superviele nette Leute kennen gelernt. Habe echt total viel Zeit, Arbeit und Liebe in das Heft gesteckt und auch eine ganze Menge zurückbekommen. Dieses D.i.y. Ding ist auf jeden Fall eine wichtige Sache. Ich finde es total schade, dass man heutzutage äusserst selten auf Konzerten mal ein A5er Zine angeboten bekommt, früher war das wirklich häufiger. Ich kaufe wirklich jedes Heft, weil ich es einfach cool finde, dass es noch Leute gibt, die so was machen! Aber um auf die Frage zurückzukommen: Ich habe in dieser ganzen „Punkszene“ einen Haufen Leute kennengelernt, die total beschissen drauf sind, die ich einfach nur ekelhaft, abstossend und arm finde, so will und wollte ich niemals werden, aber auf der anderen Seite habe ich auch die coolsten und nettesten Leute kennengelernt, die mir soviel geben, und auch so viele Denkanstösse gegeben haben. Es gibt kein einzelnes Ereignis.

UNDERDOG: Die RAMONES, THE CLASH können keine Reunion mehr spielen. Welche Band sollte sich eurer Meinung nach unbedingt wieder zusammentun, damit Punkrockers from Hell als Lebensmotto einen Sinn ergibt???
Rene: Kriss Kross
Babette:
Jede Band, die Spass an dem hat, was sie macht!!


UNDERDOG: Nenne mindestens fünf goldene Regeln für den werdenden Nachwuchs-Punkrocker!
Babette:
Die VAGEENAS hören, VAGEENAS-Konzerte besuchen, VAGEENAS-Shirts tragen, die VAGEENAS abfeiern, und - die Briefs auch!!!

Rene: Ganz klar. Regeln sind im Punkrock sehr wichtig. Hier die wichtigsten 5: 1. Wenn Iro, dann IMMER hoch! 2. Wenn Gitarre, dann IMMER tief! 3. Wenn Bier, dann billig! 4. Wenn Hund, dann zu Hause lassen! 5. Wenn Musik kaufen, dann von den Vageenas Besten Dank fürs Interview! Hat Spass gemacht!
(Das Interview erschien im UNDERDOG #17; Herbst 2006)
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