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Gender und Rechtsextremismus

Frauen in der extremen Rechten – Im Gespräch mit Heike Radvan

Frauen an vorderster Front

 

Frauen in der extrem rechten Szene sind längst nicht mehr nur Mitläuferinnen, nur „Braune Bräute“, sondern sie agieren bewusst und autonom. Und es sind nicht nur die Springerstiefel tragenden und gewaltbereiten jungen Frauen, die auf Demonstrationen zu sehen, dem extrem rechten Spektrum zuzuordnen sind, sondern auch die, die in Rüschenbluse und Faltenrock sich in „Mädel-Vereinen“ und anderen Bünden eingeordnet haben. Lange Zeit hielt sich das Rollenklischee, Frauen in der rechten Szene seien nur aufgrund ihrer Männer dabei. Diese Rollenklischees und Einstellungsmuster von der „netten“, „unpolitischen“ Frau verharmlosen extrem rechte Denkmuster und verdrängen die Vorstellung, Frauen in der extremen Rechte können gewalttätig sein. Dabei sind Frauen in der extremen Rechte überzeugt vom nationalsozialistischen Gedankengut. Sie stammen aus allen gesellschaftlichen Gruppen, sie agieren zwar oft im Hintergrund, aber das macht sie nicht weniger gefährlich, ganz im Gegenteil. Vom Heimchen am Herd bis zur Karrierefrau ist alles vertreten, Frauen drängen vermehrt in soziale Berufe, weil sie dort ihre rassischen, menschenverachtenden Ansichten weitergeben können. Sie organisieren Skinheadkonzerte, führen Kameradschaften oder diskutieren nationalen Feminismus. Die extreme Rechte ist modern, hat die Frauen entdeckt, und das macht sie auch attraktiv für Mädchen, die rebellisch sein wollen, unangepasst. Und nicht zuletzt macht es sich die Szene zunutze, dass Frauen als friedlich gelten, setzen auf eine „Charmeoffensive“ der Frau: Sie sind diejenigen, die einer Terrorgruppe wie dem Nationalsozialistischen Untergrund den Mantel von Normalität umhängen – wie Beate Zschäpe. In dem gerade erschienenes Buch „Gender und Rechtsextremismusprävention“ widmet Heike Radvan sich den genderpolitischen Aspekten der Präventionsarbeit. Diesem bisher oft unterbelichteten Thema wird neuerdings mit Blick auf die Rolle von Beate Zschäpe mehr Beachtung geschenkt, was sie im Interview deutlich macht. Dr. Heike Radvan, ist Erziehungswissenschaftlerin und provomierte im Jahr 2009 zum Thema „Pädagogisches Handeln und Antisemitismus“ an der Freien Universität Berlin. Seit 2002 arbeitet sie in der Amadeu Antonio Stiftung, u.a. zu den Themen „Antisemitismus in der DDR“ und „Gender und Rechtsextremismusprävention“. Sie koordinierte die Ausstellung „Das hat’s bei uns nicht gegeben. Antisemitismus in der DDR“, die 2007 eröffnet wurde und die Ausstellung „Germany after 1945: A society confronts antisemitism, racism and neo-nazism”, die 2012 eröffnet wurde. Von 2007 bis 2010 war sie im Projekt Lola für Lulu – Frauen für Demokratie im Landkreis Ludwigslust tätig, aus dem die Fachstelle „Gender und Rechtsextremismusprävention“ entstanden ist.

 

Heike, die Rolle der Frau in der extremen Rechten hat sich geändert. Längst treten Frauen nicht nur als harmlose Mitläuferinnen auf, sondern als Wortführerinnen und Funktionärinnen. Welche Ursachen sind für das veränderte Rollenbild verantwortlich?
Wenn wir geschichtlich genauer hinsehen, lässt sich erkennen, dass Frauen zu keiner Zeit nur „die Freundin von“, Mitläuferinnen, unpolitisch oder harmlos waren. Nicht zuletzt haben dies Untersuchungen über die Täterschaft von Frauen im Nationalsozialismus gezeigt, die ausgehend von den USA nach 1980 in Deutschland, entstehen. Diese Studien zeigen, dass Frauen ebenso ideologisch überzeugt, fanatisch, grausam, gewalttätig waren wie Männer und dass sie ebenso für die Verbrechen der Nationalsozialist/innen verantwortlich waren.
Auch nach 1945 waren Frauen verantwortlich in verschiedenen Gruppierungen der extremen Rechten. Sie hatten unterschiedliche Positionen inne, auch hier gab es ideologisch überzeugte, sozusagen Führerinnen, die ihre Ideologie besonders deutlich vermittelten. Frauen übernahmen aber ebenso die Mutterrolle für den „nationalen Nachwuchs“ und entsprachen damit dem traditionellen Bild der „Volksgemeinschaft“. Das ist bis heute so. Dennoch lässt sich sagen, dass im Verlauf der letzten zwei Jahrzehnte eine Ausdifferenzierung stattgefunden hat. Frauen nehmen heute sehr verschiedene Positionen in neonazistischen Szenen ein. Sie engagieren sich genauso selbstverständlich für rechtsextreme Parteien in der Kommunalpolitik wie sie als Betreiberinnen subkultureller Szenetreffpunkte auffallen. In ihrer Betätigung als „Anti-Antifa-Aktivistin“ setzen sie auf ihre weitgehende Unauffälligkeit als Vertreterinnen einer zunächst mit martialischen Männern in Verbindung gebrachten Szene; als Musikerin oder Autorin erfahren sie Zuspruch von weiten Teilen der Szene. Zudem versuchen rechte Frauen im sozialen Nahraum, in der Nachbarschaft, in der Kita, der Grundschule, ihre Ideologie einzubringen.

 

Womit hat diese Ausdifferenzierung der Positionen/Rollen ursächlich zu tun?
Darauf gibt es keine „einfache“ Antwort. Grundsätzlich macht die Modernisierung nicht vor der rechtsextremen Szene halt. Vielmehr haben wir es mit jungen Frauen zu tun, die ihr rechtsextremes Weltbild koppeln an moderne, heutige Vorstellungen einer gleichberechtigten Rolle als Frau im gesellschaftlichen und privaten Leben. So gab es mit dem „Mädelring Thüringen“ junge Frauen, die sich als feministisch bezeichneten. Das entspricht nicht meiner und auch nicht einer wissenschaftlich begründeten Vorstellung von Feminismus und Emanzipation. Aber diese Frauen haben sich mit den männlichen „Kameraden“ darüber auseinandergesetzt, dass sie auf Aufmärschen in der ersten Reihe stehen wollen und ebenso zuschlagen.     In ihrem Sinne wollten sie den gleichen Platz wie die Männer einnehmen. Das jedoch widerspricht grundsätzlich dem traditionellen Geschlechterbild der extremen Rechten, das Frauen und Männern unterschiedliche Positionen und Wertigkeiten zuweist. Hier sind aufgrund einer körperlichen Ausstattung Frauen für Familie und die Erziehung der Kinder zuständig, Männer nehmen die Rolle im Außen, die Rolle des politischen Soldaten ein.
Rechtsextreme Frauen, die gegen diese Vorstellungen auftreten, wie soeben beschrieben, werden in die Schranken gewiesen. Das heißt, mehrere Frauen aus dieser Gruppierung sind heute junge Mütter und zumindest vorübergehend nicht in dieser explizit kämpferischen Form innerhalb der Szene präsent. Man könnte auch sagen, sie wurden auf die traditionellen Rollen zurückverwiesen und gehen – diesen Weg. Ähnliches ist zu beobachten, wenn NPD-Kandidatinnen, die ein kommunalparlamentarisches Mandat errungen haben, von männlichen Abgeordneten „ersetzt“ werden, geschehen u.a. 2009 in Mecklenburg Vorpommern. Auch hier zeigt sich, dass innerhalb rechter Gruppierungen das Ordnungsmodell einer Volksgemeinschaft, die von traditionellen, naturalistischen Rollen- und Geschlechterbildern dominiert ist, durchgesetzt wird.

 

Warum wurde so lange übersehen wurde, dass Frauen signifikante Rollen in der extremen Rechten einnehmen?
Auch hierauf gibt es keine einfache Antwort, das hat viel mit weit verbreiteten Vorstellungen und Bildern darüber zu tun, wie Frauen und Männer seien. Es ist ein Mythos, Frauen seien das friedliebendere Geschlecht. Jedoch ist das Stereotyp von der Frau als „unpolitisch und friedliebend“ sehr lange und weit verbreitet gewesen, u.a. auch in der Wissenschaft. So gibt die Psychoanalytikerin Margarete Mitscherlich 1985 ihr Buch „Die friedfertige Frau“ heraus, in der Frauenbewegung der 1980er Jahre wird kontrovers darüber gestritten, ob Frauen tatsächlich Täterinnen im NS gewesen seien oder nicht lediglich Opfer der Verhältnisse. Das Stereotyp von der Friedfertigkeit prägt bis heute die Wahrnehmung vieler Menschen, ich würde vermuten, die meisten Kinder wachsen nach wie vor mit solcherart Bilder über angeblich biologisch begründete Unterschiede zwischen Geschlechtern auf.
Im Kontext dieser verzerrten Wahrnehmung werden rechtsextreme Frauen häufig nicht als solche erkannt und mit ihren Einstellungen weniger ernst genommen. Rechte Frauen sind jedoch ebenso häufig rassistisch, antisemitisch, homophob wie Männer. Dass über die Rolle von Frauen im NS, über ihre Täterschaft erst so spät, also erst seit den 1980ern geredet wird, hat auch mit dem Blick der Gesellschaft auf Frauen zu tun. Und mit dem Prozess gegen Beate Zschäpe sehen wir, dass innerhalb der Gesellschaft erst begonnen wird, mit dieser verzerrten Wahrnehmung, aufzuräumen.
Ein Beispiel: Im NSU-Prozess sagte der Angeklagte Carsten S. über ein Gespräch mit Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt aus, in dem diese Andeutungen über einen Sprengstoffanschlag in Nürnberg gemacht haben sollen. Als Beate Zschäpe zur Gesprächsrunde hinzugekommen sei, hätten Carsten S. zufolge Mundlos und Böhnhardt „Psst“ gesagt und damit das Gespräch unterbrochen. Soweit die Aussage des Angeklagten. Interessant ist nun, in welche Richtung die Mehrzahl der Medienberichterstattung interpretiert. Im Vordergrund steht hier die Darstellung, dass Beate Zschäpe von den Anschlägen und Morden nichts gewusst habe oder gezielt aus den Planungen herausgehalten worden sei. Das jedoch ist schlichte Interpretation: Es lässt sich ebenso vermuten, dass Zschäpe der „logistische Kopf“ der Gruppe gewesen ist und auf die Regeln der Konspiration geachtet hat(1).
Worauf ich hinaus will: Die Wahrnehmung der JournalistInnen bestimmt hier, wie die Geschichte gelesen und interpretiert wird. Das mag mit der Realität jedoch nur bedingt zu tun haben, wobei u.U. die Rolle und Verantwortung Zschäpes aus dem Blick gerät.

 

Wie hat sich die extreme Rechte durch das Engagement von Frauen verändert?
Wir haben es heute mit „nationalen Familien“ zu tun und mit Frauen, die sich in den verschiedensten gesellschaftlichen Bereichen strategisch einbringen. Damit geht einher, dass rechtsextreme Gruppierungen häufiger als friedlich, bürgerlich wahrgenommen werden. Das ist Teil der „Normalisierungsstrategie“ der extremen Rechten: Neonazis wollen an die Mitte der Gesellschaft anknüpfen und hier Stimmen und neue Anhänger/innen gewinnen. Dazu besetzen sie auch scheinbar ungewöhnliche Themen, wie z.B. sexueller Missbrauch, Ökologie etc.
Neonazistische Gruppierungen gehen durchaus strategisch damit um, dass Frauen mit ihren rechten Ideologien und Einstellungen weniger als solche erkannt werden. Die NPD hat junge Frauen, – in ihrer Formulierung „nationale Mädel“ – aufgerufen, in soziale Berufe zu gehen. Diese Frauen sollen Einfluss gewinnen auf Kinder und Jugendliche. Lehrende an Fachhochschulen beobachten diese Entwicklung, aber auch Erzieherinnen und Erzieher in Kitas: Es gibt durchaus Mütter, die sich in rechten Szenen engagieren und dies strategisch auch im Elternbeirat der Kita machen. Auch hier gehen sie oft strategisch vor, zunächst versuchen sie Vertrauen aufzubauen zu den Pädagog/innen und anderen Eltern, möglicherweise durch eine Initiative, z.B. den Spielplatz wieder aufzubauen. In einem zweiten Schritt wird dann versucht, auszutesten, wie weit man gehen kann und wie weit die Ideologie eingebracht werden kann. Neonazi-Mütter führen dann Diskussionen darüber, ob Bilder an der Wand mit migrantischen Kindern notwendig seien, „solche Kinder haben wir hier doch eh nicht“. Oder es werden Kinderbücher und Spiele mitgebracht, die sich bei näherer Betrachtung als rassistisch und antisemitisch zeigen. Hier ist es notwendig, dass demokratische Eltern und Pädagog/innen erkennen, mit wem sie es zu tun haben, sich positionieren und deutlich machen, dass rassistische Überzeugungen in der Kita nicht geduldet werden. Hier braucht es oft einer Beratung, viele Pädagog/innen aber auch Eltern sind überfordert, wie sie sich verhalten können und wollen.

 

Welchen Einfluss haben Frauen in der extremen Rechte auf die Außendarstellung?
Verschiedenste. Sie übernehmen nicht selten und durchaus strategisch die Ansprache ins Außen. Meldet eine junge Frau eine Demonstration an, fällt das – nach wie vor und das ist ein Problem – weniger häufig bei der Polizei auf. Auch in den Sozialen Netzwerken sprechen gerade Frauen viele User/innen aktiv an und sind nicht auf den ersten Blick als Neonazis erkennbar. Und das tun Frauen nicht nur – aber eben auch – bei vermeintlich unverdächtigen Themen wie Kindererziehung, gesunde Ernährung etc.
In Kommunalparlamenten versuchen weibliche NPD-Abgeordnete den Schulterschluss mit demokratischen Parteien. Dies als Strategie zu durchschauen, fällt vielen Abgeordneten schwer: Wenn eine Frau lächelnd, diplomatisch und durchaus bürgerlich daherkommt, scheint es schwieriger zu sein, den Konsens demokratischer Parteien durchzuhalten, mit der NPD nicht zu kooperieren, keine Anträge zu unterstützen.
Die rechte Szene gibt sich mit Frauen also ein friedliches, bürgerliches Image nach Außen, mit Frauen wird hier durchaus auch strategisch umgegangen. Dass dies häufig sehr wirksam ist und mit einer verzerrten Wahrnehmung politisch Verantwortlicher zusammenhängt, zeigt sich auch, wenn man die Fehler der Polizei und des VS bei dem Versuch, den NSU aufzudecken, ansieht. So wird Beate Zschäpe in der Zeit, in der sie sich im sogenannten Untergrund befindet, von einem Polizisten nach einem Verhör aufgrund eines Diebstahldeliktes, zu dem sie als Zeugin einbestellt und befragt wird, wieder nach Hause geschickt. Und das, obwohl sie sich mehrmals in Widersprüche verstrickt, u.a. mit ihren Decknamen und Aussagen. Die These: Wäre ein Mann, ein migrantischer Mann, befragt worden, wäre er bei diesen Umständen sicher nicht ohne Weiteres aus dem Polizeirevier entlassen worden. Es hat also mit der Wahrnehmung dieses Polizisten zu tun, der offensichtlich davon ausging, dass Frauen per se friedliebender und unpolitisch seien – und somit am Problem vorbeisieht.
Die extreme Rechte greift auch auf Themen wie Tierrechte, Veganismus zurück, veranstaltet gut organisierte Feste (Maifest, Julfest, Sonnenwendfest), die von vielen erst mal als Ökoveranstaltung gehalten werden und daran teilnehmen.

 

Ist das Konzept – Frauen anzusprechen – in der extremen Rechte vor allem erfolgreich, weil die Mischung aus Naivität und menschenverachtenden Gedanken in der Gesellschaft weit verbreitet ist?
Frauen sind in ihren Einstellungen nicht weniger rassistisch, antisemitisch als Männer. Sie fühlen sich ebenso von rechtsextremer Propaganda angesprochen. Viele Frauen schrecken nach wie vor eher zurück vor martialischen Gesten, Gewaltförmigkeit, das hat mit Sozialisation zu tun. Aber von Themen wie Tierrecht, gesunder Ernährung etc. lassen sich Frauen ebenso wie Männer leicht ansprechen.

 

Rechts-Terroristin Beate Zschäpe wird von Nachbar_innen als „nett“, „umgänglich“ und „unpolitisch“ beschrieben. Welche Auswirkungen haben Verdrängung und Verharmlosung im Umgang mit Frauen in der extremen Rechte?
Zschäpe war der „soziale Kitt“. Die männlichen Täter blieben auch deswegen so lange unerkannt und konnten Morde begehen, weil die Sicherheits- und Ermittlungsbehörden die Rolle von Frauen in der rechtsextremen Szene übersehen oder unterschätzen. Zschäpe und weitere Frauen im Umfeld haben den NSU maßgeblich unterstützt. Zschäpe erhielt unter anderem durch Kontakte in die Nachbarschaft die „bürgerliche Fassade“  aufrecht.
Wird die Rolle rechtsextremer Frauen nicht erkannt, bleiben ihre Taten ebenso unerkannt und das hat schwerwiegende Folgen, wie das Beispiel NSU zeigt.

 

Wird der Frau in der extremen Rechten eine Gewalttat nicht zugetraut, weil immer noch Rollenklischees vorherrschen? Was ist notwendig, um mit diesem Klischee aufzuräumen und eine „Charmeoffensive“ präventiv zu bekämpfen?
Ja, ich denke, die verzerrte Wahrnehmung, Rollenbilder und –klischees im Kopf, verstellen den Blick. Da hilft m.E. Bildung aber auch Selbstreflexion der eigenen Lebensgeschichte. Es ist sinnvoll zu fragen, mit welchen Vorstellungen über Frauen und Männer ich aufgewachsen bin und wie sie meine Vorstellungen heute prägen. Erst solcherart Auseinandersetzung macht ein genaueres, von Stereotypen befreites Hinschauen möglich. Letztlich sind Frauen untereinander bzw. Männer untereinander sehr viel verschiedener als Männer im Vergleich zu Frauen. Es gilt, genauer hinzusehen und vielleicht auch mal geschichtlich zu fragen: Seit wann spielen Geschlechterdifferenzen gesellschaftlich eigentlich solch eine Rolle? Mit einem Blick in die Geschichte zeigt sich, dass es zu anderen Zeiten selbstverständlich mehrere als zwei Geschlechter gab, das Übergänge leichter möglich waren und andere Differenzen als körperliche Ausstattung im Vordergrund standen. Wobei auch letztere immer sozial geprägt ist: In Gesellschaften, in denen Frauen traditionell handwerkliche Berufe ausüben und für körperlich schwere Arbeiten zuständig sind, gestaltet sich die körperliche Unterscheidbarkeit ebenfalls anders. So gibt es Regionen in Mexico, indenen auch in der Gegenwart ein anderes Miteinander verschiedener Geschlechter gelebt wird. Geschlecht stellen wir also alle Miteinander her, es ist in großem Masse eine Konstruktion und eine Bedeutung, die wir zuschreiben. – Nimmt man dies in den Blick, so differenziert sich Vieles aus und es stellen sich ganz neue Fragen, auch wenn es zunächst ungewöhnlich scheint.

Sind ländliche Räume besonders im Fokus der extremen Rechten, weil hier Werte wie Tradition, Nachbarschaftshilfe, Gemeinschaftssinn vorherrschen und sich hier kaum ein ausgeprägtes Gegengewicht durch zivilgesellschaftliche Akteure finden lässt?
Ja spannendes Thema. Auch hierauf gibt es leider keine einfache Antwort. Es finden sich durchaus ländliche Räume ebenso wie Stadtbezirke in urbanen Zentren, in denen Vielfalt traditionell positiv gelebt wird. So findet man im Umland von Berlin durchaus kleinere Städte, in denen in den 1920er Jahren viele Künstler/innen, jüdische Familien, Intellektuelle, Lesben und Schwule ihre Wochenenden und Sommerfrische verbrachten. Viele Alteingesessene haben sich geöffnet und selbstverständlich mit den Berliner/innen den Ort geteilt und die Zeit verbracht. Hier wurde, wie wir heute sagen würden, Diversity selbstverständlich gelebt. Es gab dann in diesen Orten durchaus Anhänger und aktive Nationalsozialist/innen. Aber die Gegenbewegung war stärker und das zeigt sich hier bis heute, die NPD erhält durchaus Stimmen aber die demokratische Zivilgesellschaft ist stärker und selbstverständlicher durch mündige Bürger/innen vertreten.
Ebenso lässt sich dies aus anderer Perspektive beschreiben. Wir haben in bestimmten Stadtbezirken aber auch in Dörfern der Uckermark oder in Vorpommern Orte, in denen die NSDAP sehr früh sehr schnelle Zustimmung finden konnte und dann bis 1945 sehr dominant war. Interessant ist, dass diese Dörfer oft diejenigen sind, die bei den Zustimmungen zur NPD in der Gegenwart hohe Ausschläge „erreichen“. – Was das zeigt? Dass demokratische aber eben auch menschenfeindliche Haltungen kulturell in Familien, in kleinen sozialen Kontexten weitergegeben werden. Und dass sich diese Weitergabe, – das passiert z.B. in Gesprächen oder unhinterfragten Ritualen am Abendbrottisch in der Familie, in der Kita oder in der Pause im Betrieb – nicht so ohne Weiteres unterbrechen, hinterfragen lässt. Es bedarf einer kritischen Diskussionskultur, einer Wahrnehmung von Ungleichwertigkeitsideologien und Menschen, die den Mut haben, dagegen etwas zu sagen und zu tun. Und es braucht Zeit, um Veränderungen voranzubringen.

 

Heike, du warst von 2007 bis 2010 am Projekt „Lola für Lulu“(2)beteiligt, das sich zunächst an Frauen und Mädchen richtet. Was habt ihr im Projekt ermöglicht?
Das Projekt habe ich gemeinsam mit der Kollegin Anne-Rose Wergin entwickelt, die es vor Ort dann umgesetzt hat. Gefördert wird das Projekt durch die Dreilinden GgmbH. Das Projekt widmet sich der Frage, wie sich Mädchen- und Frauenförderung mit der Weiterentwicklung demokratischer Kultur im ländlichen Raum der Neuen Bundesländer verbinden lässt. Das ist ein Thema, welches in der Arbeit gegen Rechtsextremismus bislang kaum Beachtung erfahren hat. Oft bedarf es einiger Erklärungen, warum dieser Ansatz gewählt wurde und warum er sinnvoll erscheint. Es ist ein Stück Neuland, welches wir mit dem Projekt in der Rechtsextremismusprävention betreten. Insofern kann hier von einem Modellprojekt gesprochen werden. Wir versuchen, diese beiden Themen, Frauenförderung und Rechtsextremismusprävention, zusammenzudenken und möchten Projekte entwickeln, die auf einen konkreten Bedarf vor Ort reagieren. Mit dem Hintergrund der Frauenförderung geht es uns um Bereiche, in denen Frauen strukturell benachteiligt sind. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass in den vergangenen Jahren hinsichtlich Gleichstellung vieles entwickelt und tatsächlich verändert wurde. Dennoch sind Frauen und Mädchen in vielen Bereichen nach wie vor benachteiligt. Hier setzt „Lola für Lulu“ an. Wir verstehen eine zunehmende Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern als ein Mehr an Demokratie im Allgemeinen. Wir haben Konzepte entwickelt, die beispielsweise auf eine geringere Repräsentanz von Frauen in der Kommunalpolitik reagieren oder auf eine geschlechtsspezifische Lebenslage von Flüchtlingsfrauen, die noch einmal anders benachteiligt sind als Männer.
Zudem arbeiten wir mit dem Projekt in einer ländlichen Region Mecklenburg-Vorpommerns, die dünn besiedelt und von Abwanderung geprägt ist. Im Kontext der DDR-Geschichte und des politischen Umbruchs nach 1989 beobachten wir eine im Vergleich zur ehemaligen Bundesrepublik schwache Zivilgesellschaft. Diese Situation finden wir in vielen Regionen der Neuen Bundesländer, das ist nicht spezifisch für Mecklenburg- Vorpommern. Oft gibt es nur wenige Menschen, die sich in einer Stadtgesellschaft für demokratische Kultur engagieren und auftretenden Neonazis entgegentreten. Das begünstigt eine Kultur des Wegsehens und der Angst. Menschen, die (potentiell) von rechter Gewalt betroffen sind, haben nicht selten das Gefühl, alleingelassen zu sein, keine Unterstützung in der Nachbarschaft oder seitens politisch Verantwortlicher zu finden. Hier setzt das Projekt langfristig auf einen kulturellen Wandel: Es geht uns darum, diejenigen Menschen zu unterstützen, die sich für ein demokratisches Miteinander einsetzen, die eine kulturelle Vielfalt in Dörfer und Städte bringen und denjenigen Personen beistehen, die ausgegrenzt und diskriminiert werden. Dieses Ziel ist kein einfaches, wir werden es nur gemeinsam mit vielen Partner_innen vor Ort erreichen können.

 

Und wie können Frauen und Mädchen durch dieses Projekt besser geschult werden, ihre eigenen Möglichkeiten und Ressourcen besser wahrzunehmen?
Unsere Projekte sind nicht am Schreibtisch entstanden bzw. eins zu eins im Sinne eines Antragstextes. Vielmehr hat „Lola für Lulu“ von Beginn danach gefragt, was vor Ort gebraucht wird und welche Unterstützung die Menschen hier benötigen. Als uns bspw. deutlich wurde, dass Frauen in kommunalen Gremien unterrepräsentiert sind, haben wir das Projekt „Damenwahl“ entwickelt. In einem anderen Fall wurde an uns herangetragen, dass qualifizierte Flüchtlingsfrauen in ihrem Ausbildungsberuf nicht arbeiten können, da sie zunächst an einem Sprachkurs teilnehmen müssen, dessen hohe Gebühren viele jedoch nicht zahlen konnten. „Lola für Lulu“ konnte hier gemeinsam mit dem Anbieter der Sprachkurse und mittels privater Spenden individuelle Lösungen finden. Diese Beispiele sollen verdeutlichen, dass es uns von Anfang an nicht darum ging, mit vorgefertigten Projekten in den Landkreis zu kommen. Vielmehr haben wir mit einer Vielzahl von Mädchen und Frauen aber auch mit Verantwortungsträgern in der Region gesprochen und analysiert, was die Bedarfe gerade von Mädchen und Frauen sind.
In vielen kleinen Schritten sprechen wir Frauen an. Oft gelingt dies nur über ihre berufliche Tätigkeit, beispielsweise als Kita-Erzieherin. Viel schwieriger ist es, Frauen über ein Ehrenamt oder als Privatperson anzusprechen. Mädchen erreichen wir zum Beispiel über das Peer Leader Training.
Eine große Hilfe als Ansprechpartnerin anerkannt zu werden, war uns der projekteigene Förderfonds. So konnten wir bspw. ein Jugendfestival fördern, Mädchenfußball oder ein Theaterprojekt von Migrantinnen. Diese geförderten Projekte haben wir beraten und begleitet und dabei den Focus von „Lola für Lulu“ an vielen Stellen einbringen können.

 

Welches dieser Projekte war Ihrer Meinung nach besonders wirkungsvoll?
Wir haben als eines der ersten eigenen Projekte das Peer Leader Training mit Mädchen und Jungen gestartet. Hier sensibilisieren wir Mädchen aber auch Jungen zu den Themen Rassismus, Sexismus, Antisemitismus und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit. Wir unterstützen sie dabei, sich an ihrer Schule gegen jegliche Form von Ausgrenzung einzusetzen und dazu auch Diskussionen in Gang zu bringen. Durch unsere pädagogische Arbeit mit Mädchen und Jungen zieht sich ein gender-sensibler „roter Faden“. In Mecklenburg Vorpommern sind Konzepte der parteilichen Mädchenarbeit oder der kritischen Jungenarbeit noch nicht sichtbar angekommen. Deswegen arbeiten wir oft nach dem Prinzip „train the trainer“. Pädagog_innen werden von uns zu diesen Konzepten geschult. Erfahrungen, die wir mit den Jugendlichen machen, können wir weitergeben und dem Klassiker „Jugendarbeit ist Jungenarbeit“, etwas entgegen setzen. Wenn Mädchen und Jungen verstehen lernen, dass Gleichwertigkeit ein wichtiger Bestandteil unserer Demokratie ist, werden sie rechtsextremer Ansprache widerstehen können und sich dagegen positionieren. Dass Jugendliche das Thema Gender durchaus interessiert und angeht, wurde im Peer Leader Training deutlich: Nicht nur Mädchen, gerade auch Jungen haben sehr engagiert darüber geredet und nachgedacht, welche Sozialisationsbedingungen sie als einschränkend erleben. Sie hat interessiert, wie vermeintlich geschlechtsspezifisches – also „weibliches“ oder „männliches“ Verhalten – entsteht, ob es biologisch oder eher durch die Umwelt geprägt sei. Hier zum Nachdenken anzuregen und Beispiele aus dem Alltag zu diskutieren, kann helfen, biologistische Festschreibungen zu hinterfragen. Bezieht man diese Fragestellungen dann auf die rechtsextreme Szene, so wirkt dies auch insofern nachhaltig, als sich Überschneidungen mit dort präsenten Bildern vom „starken Mann“ und der „Frau als Hüterin von Heim und Herd“ thematisieren lassen.
Ein weiteres Projekt nennt sich „AUGEN-BLICK mal! – Trainingsprogramm für pädagogische Berufsgruppen“(3). An uns sind in der Vergangenheit wiederholt Pädagog_innen aus dem Landkreis Ludwigslust herangetreten, die häufig mit rechtsextremistischen, antidemokratischen und diskriminierenden Einstellungsmustern von Kindern aber auch Eltern konfrontiert worden sind, sich aber im Umgang damit hilf- und ratlos sehen. Konkret handelt es sich hier um Lehrkräfte an allgemeinbildenden Schulen, Erzieher_innen in Heimen und Kindertageseinrichtungen, Sozial- sowie Gemeindepädagog_innen. Indem wir auf diese Anfragen mit einem breit angelegten Trainingsprogramm reagierten, konnten wir eine Sensibilisierung bei den Teilnehmenden für rechtsextreme Ausdrucks- und Erscheinungsformen erzielen und Handlungsoptionen aufzeigen. In einem ersten Schritt sollten sich die teilnehmenden Multiplikator_innen mit den Ursachen, Erscheinungsformen und Wirkungen des Rechtsextremismus auseinandersetzen. In einem zweiten Schritt haben wir gemeinsam mit ihnen Handlungsoptionen entwickelt, die sie passgenau in ihrer eigenen beruflichen Tätigkeit anwenden können. Dabei fanden insbesondere auch genderspezifische Ansätze der pädagogischen Rechtsextremismusprävention Beachtung. In einem dritten Schritt fand ein Erfahrungsaustausch statt, die Multiplikator_innen lernten weitere Ansprechpartner_innen in der Präventionsarbeit gegen Rechtsextremismus kennen, um nachhaltige Strukturen und langfristige Kooperationen zu fördern. Das Training jedoch war häufig nicht nach den drei Terminen beendet, einige der geschulten Kolleg_innen traten an uns mit einem konkreten Praxisproblem und dem Wunsch nach langfristiger Begleitung im Sinne kollektiver Beratung heran.

 

Wie können geschlechterreflektierende Perspektiven gestärkt und gefördert werden?
In den Bereichen, in denen wir pädagogisch mit Jugendlichen arbeiten, haben wir uns entschieden, nicht ausschließlich mit Mädchen und jungen Frauen zu arbeiten sondern ebenso Jungen und Männer anzusprechen. Dabei geht es uns darum, traditionelle Geschlechterrollen kritisch in den Blick zu nehmen und reflektierte, neue Sichtweisen zu eröffnen. Dieser Fokus ist uns gerade aus Perspektive der Rechtsextremismusprävention wichtig. Traditionelle Geschlechterrollen, Vorstellungen vom „richtigen Mann“ und das Bild der „deutschen Mutter“ prägten den Nationalsozialismus. Sie spielen, wenn auch verändert und ausdifferenziert, in vielen Bereichen der rechtsextremen Szene auch heute eine Rolle. Wenn Mädchen oder Jungen in die rechte Szene einsteigen, so orientieren sie sich oft an diesen Bildern. Bisher beschäftigen sich jedoch nur wenige Praxisprojekte mit diesen Fragen oder arbeiten geschlechterreflektiert. Hier wollen wir mit „Lola für Ludwigslust“ neue Ansätze für die Kinder- und Jugendarbeit entwickeln.
Nach wie vor sind klassische Vorstellungen darüber, wie sich ein „richtiger Junge“ und ein „richtiges Mädchen“ zu verhalten haben, wie eine „richtige Frau“ und ein „richtiger Mann“ seien, weit verbreitet. Das zeigt sich häufig in der Erziehung von Kindern, denen qua Geschlecht bestimmte Verhaltensweisen von ihren Eltern, von Pädagog_innen zugeschrieben werden. Diese tradierten Rollenbilder sind verankert in der gesellschaftlichen Mitte, sie schließen inhaltlich an vielen Punkten an Geschlechterbilder an, die in der extremen Rechten vertreten werden. Das Problem solcher Vorstellungen lässt sich also nicht nur an den „rechten Rand“ projizieren. Pädagog_innen sollte es darum gehen, Kinder mit ihren individuellen Orientierungen wahrzunehmen, in deren Entfaltung zu unterstützen und nicht in Vorgaben darüber zu pressen, wie ein „richtiges Mädchen“ oder ein „richtiger Junge“ auszusehen oder sich zu verhalten habe. Bei genauer Beobachtung lässt sich erkennen, dass das Verhalten von Jungen in einer Jungengruppe ähnlich differenziert und verschieden ist wie das unter Mädchen. Wir finden also ebenso leise und zurückhaltende Jungen wie meinungs- anführende und laute Mädchen. Nicht selten sind es Erwachsene, die mit ihrem eigenen Blick Bilder herstellen, denen Mädchen und Jungen entsprechen sollen. Dies jedoch professionell zu reflektieren und die eigene Haltung  zu überprüfen, ist eine große Herausforderung für viele Pädagog_innen. Hier möchten wir unterstützen.
Ein geschlechterreflektierter Zugang, der Mädchen und Jungen individuelle Entwicklungen zugesteht und eröffnen kann, lässt sich insofern auch als Prävention von Rechtsextremismus verstehen. Wir plädieren vor diesem Hintergrund dafür, Diversity -Ansätze und Konzepte der Demokratie-Pädagogik als Querschnitt in der pädagogischen Ausbildung zu etablieren.
Ganz allgemein betrachtet, lässt sich sagen, dass in der Rechtsextremismusprävention Bedarfe aus dem Blick geraten, wenn eine geschlechtsspezifische Perspektive vernachlässigt wird. Das betrifft beispielsweise Projekte, die sich an potentielle Aussteiger_innen aus der rechten Szene richten. Hier wird konzeptionell und in der Praxis bislang kaum geschlechtsspezifisch analysiert: Frauen haben einen anderen Beratungs- und Betreuungsbedarf, wenn sie mit mehreren Kindern oder beispielsweise im Kontext sexualisierter Gewalterfahrungen aussteigen wollen. Dennoch gibt es bislang keine spezifischen Angebote, die sich an Frauen richten.

 

Welche Umgangsformen sind deiner Meinung nach sinnvoll im Umgang mit Frauen in der extremen Rechten?
Auch hier muss man genau unterscheiden, für welchen Bereich man spricht und aus welcher Perspektive. Ich zeichne jetzt das Beispiel Nachbarschaft, in der ich eine rechte Frau erkenne. Zu allererst wäre hier wichtig zu erkennen, ob ich es mit einer Kaderfrau zu tun habe, die momentan über ein weitgehend geschlossenes rechtes Weltbild verfügt und dies auch strategisch und propagandistisch versucht, an ihre Umwelt weiter zu geben. Wenn das so ist, kann ich wahrscheinlich, zumindest momentan, wenig erreichen. Aus Perspektive von Zivilgesellschaft wäre hier wichtig, aufzuklären, z.B. in der Nachbarschaft oder an den Orten, an denen die Frau tätig ist. Und genau hinzusehen, zu beobachten. Im direkten Gespräch kann ich durchaus versuchen, Ideologie zu hinterfragen, in Widersprüche zu verwickeln und letztlich in Richtung Ausstieg zu argumentieren. Das bedarf einigen Wissens und ich muss einschätzen können, ob es Sinn macht und ankommt oder auch, ob es für mich und andere gefährlich werden kann.
Letztlich wissen wir von Aussteiger/innen, dass es biografisch Momente gab, die sie in Richtung Ausstieg bewegt haben: Oft waren dies Menschen, die offen ihre konträre Meinung gesagt haben und die menschlich gesehen, da waren. Wenn dies möglich ist und da würde ich jeweils genau hinsehen, kann dies durchaus sinnvoll sein.
Wenn ich es mit einer Mitläuferin, ideologisch weniger gefestigten Person zu tun habe, macht es auf jeden Fall Sinn, zu argumentieren, zu hinterfragen und ggf. auf ein Aussteiger-Projekt wie z.B. EXIT(4)oder die ARUG Braunschweig(5) hinzuweisen.
Gesamtgesellschaftlich gedacht, ist es wichtig, auf die Existenz rechtsextremer Frauen dezidierter hinzuweisen, aufmerksam zu machen. Wie ein Umgang aussehen kann/sollte, – sei es in der Nachbarschaft, im Elternbeirat, in der Kommunalpolitik -, muss dann konkret entwickelt werden. Im Blick haben würde ich zu allererst immer auch die Menschen, die von Nazis bedroht und ausgeschlossen werden. Ihre Sicherheit zu garantieren, ist das Wichtigste. Nazis sind letztlich keine netten Nachbar_innen, das wird, so scheint mir, oft vergessen. Es sind Leute, die Gewalt akzeptieren und/oder selbst gewalttätig sind und davon ausgehen, dass Menschen unterschiedlich wert sind. Das ist inakzeptabel und hat mit Demokratie nichts zu tun.

 

Infos:
http://gender-und-rechtsextremismus.de
Kontakt: heike.radvan@amadeu-antonio-stiftung.de

Anmerkungen:
(1) Hierzu ausführlicher die Analyse ihres Kollegen Ulrich Overdieck unter: http://gender-und-rechtsextremismus.de/rechte-frauen-im-fokus-1/nsu-prozess-und-gender/pssst-beate-kommt/
(2) http://www.lola-fuer-lulu.de/
(3) Broschüre zum Download: http://www.amadeu-antonio-stiftung.de/w/files/pdfs/lola-handreichung-internet.pdf
(4) http://www.exit-deutschland.de/
(5) http://www.arug.de/

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