PLASTIC BOMB #85

PLASTIC BOMB #85
PLASTIC BOMB #85

PLASTIC BOMB #85
80 DIN A 4 Seiten; € 3,50.- + CD
Plastic Bomb, Postfach 100205, 47002 Duisburg
www.plastic-bomb.de
Nachdem der unbekannte Held gefallen ist, hängt der Segen schief im Hause Will. Zumindest immer dann, wenn punk ungefragt und überall die Linse vor die Fresse hält und ein Souvenir schießt, wofür auch immer. "Alles, was es im Überfluss gibt, verliert an Wert". Und ich das Interesse. Herder kontert und schwört auf neueste Kommunikationsmittel, die er für notwendig erachtet, reflektiert die letzten fünf Jahre und resümiert über Kleinstadterfahrungen, während Helge weiter Gas gibt und seine negativen Emotionen in DEAD FUEHRER kompensiert. TOXOPLASMA haben 'ne neue, da muss Micha ran und fragt die Band nach dem neuen Produkt, was für Songs gut sind und blablabla. Micha, du Quotenhure! Denkt euch doch mal was anderes aus. Besser kann's Olaf von STAGE BOTTLES, was sicherlich auch daran liegt, dass er als Sozialarbeiter die soziologischen Aspekte aufgreift und lösungsorientiert argumentiert. Was erlauben DISCO//OSLO? Sorry, aber das Kaffeegetratsche liest sich wie ein erstes Date bei Schwiegermutter, wo die angespannte Stimmung mit ein paar Witzchen aufgelockert wird, die die Adressatin leider nicht kapiert. Basti fragt DISTEMPER, wenn selbige keine Band sondern ein Film wäre, wer ist denn spielen würde? Geht's noch? Zuviel gekifft, Basti? Im Umkehrschluss frage ich dann mal die P.B.-Redaktion, wenn sie kein Fanzine machen, sondern in einer Telenovela mitspielen würde, welche Rolle sie dort übernehmen würden? Kadda rettet die Situation mit einem intensiv geführten "Gespräch" mit SOOKEE, die in meinen Augen mehr Punk ist, als sie selber zugeben würde, weil sie Images und (Rollen-)Identitäten diskursiv und offensiv thematisiert, ihr Wissen um soziale Kategorien und ihre Verwobenheit in unsere Lebensrealität, sowohl in ihre Musik als auch in ihr Image einfließen zu lassen. Es geht auch um Unterdrückungs- und Abhängigkeitsverhältnisse. Das sind wesentliche Aspekte, die auch im UNDERDOG eine zentrale Rolle spielen, die eigene Rolle hinterfragen, Auswirkungen aufzeigen und ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen. Micha tut sich sichtlich schwer, BLACK FLAG zu demontieren, bleibt sachlich und wägt die Pros und Contras der Reunion ab. Vasco widmet sich in seiner "Welt der Propaganda" den Spendenaufrufen, in denen visuell an das Mitgefühl appelliert wird. Vasco hinterfragt, ob und wie das Geld ankommt, wem die Spenden helfen und gibt Tipps, welche Hilfsorganisationen wirklich gutmütig sind und welche Geschenke zu Weihnachten ökologisch Sinn machen. Angela Merkel sieht ziemlich blöde aus, allein mit ihrem Handy, dessen Inhalte jedeR kennt. Zumindest die NSA. Nicht nur für sie gibt es Tipps, wie du dich gegen Spionage und Schnüffelei schützen kannst. Am Besten ist immer noch, sich unter vier Augen zu sehen und ein Gespräch zu führen.
Gesamteindruck: Licht und Schatten wechseln sich ab. Was mir gefällt, ist die zunehmende Richtungslosigkeit. Denn so lange wir uns bewegen, ist es egal, wohin wir uns bewegen. Die Suche nach neuen, spannenden Themen ist noch zaghaft, aber ein erkennbarer Ansatz, Punk und Politik kreativ mit zu gestalten und einer Szene anbieten, sie zu erreichen und sich dabei selbst weiter entwickeln.

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