Stage Bottles

Kaum eine andere Jugend- und Subkultur hat ein dermaßen negatives Image in Teilen der Gesellschaft, der Medien, die den Skinhead als „gewaltbereit, latent oder offen faschistoid, rassistisch, problembehaftet“ fremddefiniert. Tatsächlich ist gerade die Skinheadkultur vielschichtig ausgeprägt. Skinheads in verschiedenen Exemplaren wie Red Skins sind politisch linke Skinheads,  OI-Skins hingegen unpolitisch  und Fascho-Skins sogenannte Boneheads stehen politisch ganz weit rechts. Daneben gibt es zahlreiche weitere Stile, die in der Skinkultur verortet sind.  Im Special beschäftigen wir uns mit dem Zusammenhang zwischen Skinhead-Sein und extrem rechten Denk- und Handlungsmustern, die in der unpolitischen Grauzone Nährboden und Anklang finden. Gepaart mit den Attributen „erlebnisorientiert, rebellisch, provokant“ ist die Skinkultur für Jugendliche interessant, die einen Ausdrucksstil suchen, der geprägt ist von Zusammenhalt, einfachen Weltbildern und deutlichen Zuordnungen, Konzerte besuchen, Musik hören und Party feiern.
Olaf von  den STAGE BOTTLES erklärt zum Einen seine Begeisterung für den Skinhead-Kult, beschreibt in biographischen Zügen seinen Skinhead-Werdegang, den way of life, die Anfeindungen mit Skins und Punx, aber auch die gemeinsame Geschichte zwischen den verfeindeten Gruppierungen und schildert Faktoren, die für das schlechte öffentliche Image verantwortlich sind.
STAGE BOTTLES hatten ihren ersten Gig am 12.12. 1993 und einige Besetzungswechsel, „die allerdings den Grundcharakter sowohl musikalisch als auch in Bezug auf die Lebenseinstellung nicht wesentlich verändert haben.“

 

„Außerdem hatten wir nun eine reale Aufgabe: Die Rettung der Skinhead-Kultur, insbesondere in Verbindung mit der Ska- und Reggae-Musik.“

 

Olaf, was hat dich am Skinhead-Kult begeistert?
Das kommt in den späteren Fragen noch deutlicher raus. Aber hier ein paar Schlagworte, die teilweise sehr  klischeehaft klingen:
Gemeinschaft; Musik; Stärke; Spaß; Kampf; Rebellion; Stolz; Wehrhaftigkeit; Sinn; Fußball;  Musik selbst machen; akzeptiert zu sein und dazu zu gehören; gut aussehen; auf den Rest der Menschheit scheißen zu können, wenn man will, aber in der Jugend auch irgendwie Orientierung.

 

Was ist vom Spirit von 69, „eigener Hände Arbeit“ und „Solidarität unter Arbeitern“, übrig geblieben? Wie hat sich deine Wertevorstellung verändert?
Würde das noch Thema in der Skinhead-Szene sein, dann müsste es wie Ende der 60ger in England auch wieder politischer thematisiert werden. Damals gab es noch wirkliche Strukturen, wo man von „Arbeitervierteln“ sprechen konnte, die auch von den Gewerkschaften und ihren sozialen Angeboten geprägt waren.
„Solidarität“ äußerte sich damals auch in sogenannten „Social-Clubs“, viele Skinheads waren wahrscheinlich wirklich noch in einer Gewerkschaft und hielten sich auch in diesen Clubs in ihrem Stadtteil auf. Das Gefühl war auf alle Fälle ein anderes und war in realen Lebensumständen begründet.
Wo finden wir heute so was noch?
Es gibt bestimmt noch den Skinhead, der stolz auf das Beherrschen seines Handwerks, und dessen was er damit schafft, ist, und dies gut in Einklang mit seinem Skinhead-Dasein bringen kann.
Aber dass es irgendwie die Szene prägt, ist quatsch. Und dass, obwohl wir heutzutage wesentlich aufgeklärter sind, was wirtschaftliche und politische Vorgänge angeht. Wir erfahren durch Finanzkrisen teilweise selbst, was es heißt, in die Mühlen, des, ja, Kapitalismus zu geraten.
Trotz all dieser Tatsachen kämpfen viele Skinheads vehement gegen politische Äußerungen und politische Haltungen verbunden mit dem Skinhead-Sein. Ganz und gar nicht im Interesse der Arbeiterklasse.
Es mag sein, dass ich das anders sehe, weil ich links bin. Aber ich denke gerade mit dem Skinhead-Sein und den Ursprüngen dieser Subkultur kann ich meine Einstellung gut in Einklang bringen.
Auch wenn ich kein klassischer Arbeiter bin, darf auch ich Solidarität mit Lohnabhängigen empfinden und mich ihnen näher fühlen als irgendwelchen Spekulanten oder ähnlichem Gesocks.

 

Sind Ehre, Treue und Stolz denn nach der Zeit des Nationalsozialismus überhaupt legitime Gefühle und politisch korrekte Leitmotive?
Ich denke, dass auch jeder aufrichtige Revolutionär und Freiheitskämpfer, ja, z.B. sogar bürgerliche Antifaschist_Innen im spanischen Bürgerkrieg Treue und Stolz empfunden haben.
Es kommt immer darauf an, ob man stolz auf etwas ist, was man leistet oder geleistet hat.
Von seinen Eltern in eine gewisse Rasse und in eine gewisse Nation hineingevögelt worden zu sein, ist noch kein Grund, stolz zu sein. Und zu den wirklich respektablen Leistungen in Politik und Kultur ihrer Nationen haben Nazis in der Regel sowieso keinen Bezug, was ihnen schon einmal das einzige Recht nimmt, auf irgendetwas ihres Vaterlandes stolz zu sein.
Ehre? Ehre, wem Ehre gebührt, sage ich da nur.
Ehre in diesem Zusammenhang sollte geprägt sein von klaren moralischen Maßstäben. Ein Nazi oder eine expandierende, imperialistische Nation können Ehre nicht aus ihrem Verhalten erfahren. Sie können ohne Opfer, die dafür, was sie sind, nichts können, ihre Politik nicht betreiben. Diese selbsterfundene Art der Ehre ist eine Farce.
Natürlich muss man immer aufpassen, wie man mit Nationalität und Aktionen eines Landes umgeht und wie man es bewertet. Darin liegt auch eine Verantwortung im Mainstream, der nationale Symbolik auch gerne mal überzieht und so aufwertet und so für manche Personen in die Nähe des Nationalsozialismus rückt und diesen dadurch nicht mehr so fremd macht, sondern eher Nähe zu ihm schafft.
Bezüglich Skinheads kann ich nur sagen, dass es weit mehr Menschen gibt, die keine Skinheads sind oder waren, denen zurecht Ehre zuteil wird, und die zurecht stolz auf wirklich großartige Leistungen sein können. Im Gegensatz zu vielen Skinheads.
Viele Skinheads können über ihren Tellerrand nicht mehr hinausschauen. Sie verwechseln wirkliche Ehre und wirklich begründeten Stolz mit der Definition, die in ihrem kleinen Skinhead-Cosmos vorherrscht. Eigentlich ist da tatsächlich die Grenze zum Lächerlichen schon überschritten, wenn man nur in so kleinen Dimensionen denkt.
Grundsätzlich kann man aber in Zusammenhang mit einem schlüssigen alternativen Lebensstil auch Ehre und Stolz empfinden. Nämlich dann, wenn man einen alternativen Lebensentwurf hat, der eine wirklich solidarische Gemeinschaft und Aktivitäten beinhaltet, die nicht sinnfrei sind. Und man kann auch im positiven Sinn Kraft aus diesen Empfindungen ziehen. Dann kann es auch mal zur Ehre gereichen, wenn man für seine Subkultur erfolgreich gekämpft hat.

 Ich kann auch oberflächlichen Stolz und Ehre innerhalb der Skinhead- oder Hooligan-Gruppe nachvollziehen, bzw. habe ihn schon empfunden und manchmal kommt dieses Gefühl immer noch durch. Man ist eine kämpfende Gemeinschaft, und das gibt Kraft. Man sollte dies aber nicht über alles stellen. Das würde nur zeigen, dass man mit der Komplexität der Welt nicht zurecht kommt und versucht, es sich einfach zu machen, sich selbst respektieren zu können.

 

Es gab gerade in den 80er Jahren bereits eine extreme Punk/Skinhead-Anfeindung, da besonders die Skinheadszene von Neonazis ideologisiert und instrumentalisiert wurde. Wie sah das Rollenspiel auf dem Straßenbild aus?
Ich muss zugeben, dass ich erst Ende der 80ger begann,  richtig in die ganze Sache verwickelt zu sein. Damals waren wir in Frankfurt eine Gruppe von ca. 30 Skins, die klar Position bezogen, und den Punks nach und nach immer näher kamen, da diese begannen uns zu vertrauen, und wir uns regelmäßig Schlagabtausche mit den Nazis lieferten, die uns glaubwürdig machten.
Ich weiß aber, dass die erste Generation Skinheads in Frankfurt – also insbesondere das Onkelz-Umfeld -  so wie die Onkelz selbst Ende der 70ger Punks waren. Dann nahmen sie die typische Entwicklung wie in England, nur ein paar Jahre später. Viele von den ehemals rechten Glatzen behaupten heute, dass sie mehr provozieren wollten und niemals politisch organisiert waren. Viele sind heute mit mir befreundet und stehen tatsächlich klar gegen Nazis und haben im Zuge der Wiedervereinigung und des verstärkten Auftretens von „komplett kulturlosen“ Glatzen die Lust verloren, auf rechte Konzerte und Partys zu gehen.
Diese Generation hat komischerweise wirklich dem Skinhead-Kult gefröhnt. Man kannte auch die ganzen Streetpunk-Bands wie Angelic Upstrats, Cockney Rejects, etc. und hat sie sehr gemocht. Die Standards haben sich für den Großteil dieser Generation auch mit der wachsenden Zahl persönlicher Erfahrungen und Entwicklungen in der Szene verändert. Diese Personen sind in Frankfurt auch mit Mitte Vierzig noch präsent, aber sie engagieren sich überhaupt nicht in einer unpolitisch-politischen Gruppe, sondern verkehren in besetzten Häusern, beim Fußball, in korrekten Kneipen und auf Punk-Konzerten. Viele Alt-Punks und Alt-Skins in Frankfurt haben sich erst gekannt, dann bekämpft und nun schätzen sie es wieder, wenn sie sich bei irgendwelchen Gelegenheiten treffen. Irgendwie hat man ja auch eine gemeinsame Geschichte, die alles in allem gut ausgegangen ist.
Natürlich muss das nicht überall so sein, aber es ist ein in Deutschland weit verbreitetes Phänomen. Nicht nur in Frankfurt.
Auch ich habe mit einigen meiner früheren Feinde Kontakt, weil diese sich glaubwürdig geändert haben.

 

Waren deine Anfangsjahre als Skin geprägt von Vorurteilen und Anfeindungen? Welche Erfahrungen haben dich gestärkt, welche Beobachtungen haben dich wütend gemacht?
Ich bin durch Schulkameraden Skinhead geworden. Irgendwie konnte ich ohne Ahnung zu haben durch ihr Auftreten und Aussehen bereits ein gewisses Feeling nachvollziehen. Es faszinierte mich. Nun war die Gruppe Skinheads an meiner Schule zu Beginn typisch für diese Zeit: Onkelz, Skrewdriver, Angelic Upstarts, Endstufe, Business und ab und zu mal ein Kameradschaftsabend, weil gesoffen werden konnte. Ich fand die „politische“ Ausrichtung nie gut, habe das auch immer gesagt. Wir waren damals aber 16, 17 Jahre alt. Ein Kumpel von mir las dann ein Interview mit Roddy Moreno (Anmerkung: Sänger von THE OPPRESSED, eine antifaschistische OI-Band aus Wales) und war fasziniert, dass etwas wie S.H.A.R.P. in England und in den USA, insbesondere in New York, gab.
Es gab kaum Diskussionen innerhalb unserer Gruppe. Man hörte zunächst weiter Skrewdriver, bei z.B.  „White Power“ – ich erinnere mich genau – haben wir die entsprechenden Textzeilen z.B. auf Autofahrten selbst zensiert, indem wir laut alle „Piep“ brüllten. Absurd. Später haben wir auch das dann gelassen, da wir uns mit einem wachsenden Bewusstsein immer bewusster wurden, was für weitreichende Konsequenzen dieser Nazi-Dreck haben kann. Und auch für uns als überzeugte Skinheads hatte.
Die Kultur, die uns faszinierte, wurde durch diese „Boneheads“, wie wir sie bald nur noch nannten, in den Dreck gezogen. Der Schwenk war recht schnell da, und die, denen es zunächst aus unserer Gruppe nicht passte, machten erst einmal mürrisch mit, dann waren auch sie voll dabei. Zu anderen auswärtigen Gruppen und auch zu rechten Gruppen in Frankfurt wurde der Kontakt gekappt.

 

„Außerdem hatten wir nun eine reale Aufgabe: Die Rettung der Skinhead-Kultur, insbesondere in Verbindung mit der Ska- und Reggae-Musik„

 

Wenn man inhaltlich etwas mit seinem Lebensstil verbindet, dann wird man selbst authentischer und stärker. Wir mussten uns klar gegen Nazis positionieren, da nicht nur sie von uns aus erklärte Feinde wurden, sondern auch weil sie uns natürlich als Verräter und wirkliche Gefahr ansahen. Mit der Zeit kam es zur Zusammenarbeit mit anderen richtigen Skinheads, zunächst vor allem aus Berlin. Es waren zu Beginn Ska-Konzerte und Scooter-Runs, wo wir uns trafen. Oi!-Konzerte kamen erst später, als sich aus dieser Entwicklung heraus mehr alternative Veranstalter bereit erklärten, überhaupt ein Oi!-Konzert zu veranstalten. Es entstanden Bands aus der Dynamik dieser Zeit mit entsprechender politischer Ausrichtung. Alte Bands sahen plötzlich wieder eine Basis aufzutreten, ohne dass Nazis auf ihrem Konzert das Kommando übernahmen.
Anfeindungen gab es auch von Gangs ausländischer Jugendlicher in Frankfurt und auch in Berlin. Wir waren aber nicht zu „stolz“, diesen Gangs Flugblätter zu geben und mit ihnen zu sprechen.
In Frankfurt funktionierte dies hervorragend, war aber auch zunächst schwierig. Die Frankfurter Gangs hatten in den 80gern viele Auseinandersetzungen mit der ebenfalls in den 80gern starken Bonehead-Szene in „Glatzfurt“. Da musste ein äußerliches Feindbild erst einmal überwunden werden. Wir waren dann aber schnell die „guten Nazis“ oder die „Sharp-Nazis“.
Oft haben wir, wenn wir als Nazis beschimpft wurden, auch so reagiert: „Warum beschimpfst Du uns? Beleidigen wir Dich?“. Dieser Umkehrschluss ließ den „Beschimpfer“ paralysiert zurück, denn wer sich als „Nazi“ beschimpft fühlt, kann ja wohl keiner sein. Auch das Wort „Redskins“ war ein Schlüssel, um Streit frühzeitig zu verhindern. Da gingen bei diesem Passwort die bereits abgespreizten, zum Angriff bereiten Arme der Gangmitglieder zurück an den Körper und man entspannte sich. Einmal hörte ich auch ein „Oh, schade…“.
Mit der Zeit wuchsen immer mehr Skinheads heran, es gab eine gute Verbindung mit der Punkszene, und die Folge waren die goldenen 90ger Jahre, wo die Nazis oft „vor den Kopp“  bekamen und wir großartige Veranstaltungen hatten, wo man unbelastet durch irgendwelche Idioten mit einem tollen Gemeinschaftsgefühl ganz viel Spaß haben konnte.
Das erste mal, wo ich das auf einer richtig großen Veranstaltung gespürt habe, waren sicherlich die Ska-Festivals in Üppach-Pallenberg bei Aachen. Dort haben Boneheads, die sich damals noch ganz naiv mit Aufnähern dorthin getraut haben, schön was auf die Fresse bekommen. Da waren wir als SHARP_Skinheads dann auch bei den Arschlöchern richtig angekommen.
Ein anderes Erlebnis war 1989 ein Anti-Fa-Konzert in Berlin im Tempodrom mit Angelic Upstarts, den Blaggers und Jingo de Lunch. Wir trafen uns vor dem Konzert mit ca. 200 Skinheads und gingen dann dort hin. Fast nur Frankfurter und vor allem Berliner.
Toll war auch ein von der Stadt Frankfurt organisiertes „Rock gegen Rechts“ in einem Park mit Bad Manners und Straßenjungs. Wir haben aus ganz Deutschland dorthin mobilisiert. Damalige Faschos, die sich später änderten, erzählten mir, dass sie dachten, ihren Augen nicht zu trauen, als sie dort 300 Skinheads sahen, die mit ihnen nichts zu tun hatten.
Auch eine Demo in Lübeck 1991, wo 250 Skinheads für anti-rassistische Skinheads demonstrierten, war ein tolles, stärkendes Erlebnis.
Solche positiven Erlebnisse hat man heute nicht mehr, da eben alles immer mehr Wischi-Waschi wird.

 

Punk und Skin united? Ist das für dich eine realisierbare Vision, Utopie oder ein angestrebtes Ziel, was du persönlich oder mit der Band erreichen willst? Gibt es für dich Beispiele, wo Punk und Skinhead ohne Gewissenskonflikte eine symbiotische Beziehung haben?
Eigentlich empfinde ich „Punk“ und „Skin“ als sehr nah beieinander. Ich kenne einige auch alte
Engländer, für die das immer so war.
Ich kenne viele Punks, mit denen ich mehr gemeinsam habe, als mit vielen Skins.
Früher fand ich es toll, wenn wir vor allem eine große Gruppe Skins waren, die sich präsentierte. Irgendwann fand ich es aber viel toller, wenn man sich als eine ähnlich homogene Gruppe mit scheinbar unterschiedlichen, aber von einem ähnlichen Lebensentwurf beseelten Gruppierungen wie Punks und Hooligans zeigte.
Hier hängt es eben nicht davon ab, welcher Gruppe sich die jeweilige Person zugehörig fühlt, sondern wie jeder einzelne tickt.
Klar gibt es auch zurecht gefühlte Unterschiede zwischen Skins und Punks. Ich war persönlich nie auf einem pubertären Selbstzerstörungstrip. Ich bin vielleicht auch etwas spießiger und habe lieber bei Schlägereien, auch beim Fußball etwas riskiert. Unsere Aktionen gegen Nazis waren vielleicht etwas planvoller als bei vielen Punks, die körperlich total ruiniert Nazis nur angepöbelt haben und dabei leider kein gutes Bild abgaben. Das gibt es natürlich heute immer noch, genauso wie es auch viel diszipliniertere Punks gibt und schon immer gab.
Gesicherte Lebensumstände waren mir immer recht wichtig. „No Future“ ist für mich auch eine unpolitische Entschuldigung, keine Verantwortung übernehmen zu müssen. Ich habe aber auch viele Aussteiger-Projekte (z.B. Häuserbesetzungen) gerade von Punks in den ganzen Jahren kennen gelernt, die mich neidisch gemacht haben, vielleicht weil ich aufgrund meiner Erziehung zu diesem Gefühl von Freiheit nicht in der Lage bin.
Das Auftreten von Skinheads ist doch oft körperbetont, was dem gängigen akzeptierten  Männerbild im Mainstream etwas nahe kommt und für emanzipierte Frauen oder Anti-Militaristen negative Bilder entstehen lassen kann. Man selbst sieht dieses Auftreten aber gar nicht gegenüber jedem, zumindest nicht bewusst, als Mittel zur Abgrenzung.
Die Rolle der Skinhead-Frauen ist auch eine seltsame. Viele Skinhead-Frauen waren von sich aus Fans der „starken“ Skinheads. Daher herrschte lange Zeit selbst in der „politisch-korrekten“ Skinheadszene ein etwas seltsames Frauenbild vor. Anders als in der Punk-Szene.
Der „Working-Class“ Ethos der Skinheads, gepaart mit dem Kleidungsstil, entspricht natürlich auch vordergründig nicht dem Bild eines Punk-Lebensentwurfs. Und umgekehrt so nicht der Punk als Lebensentwurf für einen Skinhead.
An diesen oben aufgeführten Teilen der Charakteristika eines Skinheads kann man durchaus erkennen, warum die Skinheadkultur einer Gefährdung unterliegt, mit konservativen Werten in Verbindung gebracht zu werden. Viele Skinheads bekommen die Toleranz gegenüber anderen Lebensentwürfen dann nicht mehr hin und verharren in einer starren Identität, wo die oben genannten Attribute aufgeblasen in auch für die direkte Umwelt negativen Erscheinungen zutage treten. Im schlimmsten Fall denkt einer, der sich irgendwie als Skinhead bezeichnet, dann ein Nazi sein zu müssen. Einem Punk kann das nicht so schnell passieren, denke ich.
Ich habe aber wirklich auch oft Momente erlebt, wo es zu geradezu zu einer symbiotischen Verbindung zwischen Punks und Skins kam: Aktionen gegen Nazis, Konzerte mit szeneübergreifenden Bands, gemeinsame Projekte und die Unterstützung derselben.
Auch die Verhinderung der Räumung von besetzten Häusern. Und auch bei einem Fußballverein wie dem FC. St. Pauli kann man diese Erfahrung machen.
Beide Gruppen denken aber, sich auf harmlose Art und Weise ab und zu einmal voneinander abgrenzen zu müssen. Das ist ganz natürlich, immerhin hat man ja eine Identität aufgebaut, in der man sich selbst ab und an bestärken muss, da man dafür ja auch viele Risiken eingeht.

 

Welche Faktoren haben für ein schlechtes öffentliches Image der Skinhead-Subkultur gesorgt?
Einige Punkte habe ich oben ja schon aufgeführt: Oft eine konservative Grundhaltung. Dann kann man sich immer noch irgendwie zurecht als Skinhead bezeichnen, da es keinesfalls erwiesen ist, dass Skinheads sich im sozialistischen Sinne der Arbeiterklasse zugehörig fühlten.
Frauen haben lange nur eine untergeordnete Rolle gespielt. Da sich dann nur eine gewisse Art von Frauen der Skinheadszene zugehörig gefühlt haben, wurden sowohl Außenstehende als auch Skinheads nur mit einer bestimmten Art von Frau konfrontiert, nämlich mit denen, die sich dieser Rollenverteilung angepasst haben. Es gab da natürlich auch immer große Ausnahmen. Und diesen Ausnahmen wurde auch genug Raum gelassen, bzw. sie wurden voll akzeptiert.
Dann natürlich der Missbrauch der Subkultur „Skinhead“ durch die Nazis.
Dann gab es auch in der Nicht-Nazi-Szene immer genug Dummköpfe, denen zugehört wurde, und die nur Mist und Scheißdreck erzählt und gemacht haben. Heutzutage haben wir ja wieder genug davon, und die beginnen die Szene zu repräsentieren.
Auch das martialische Auftreten kann durchaus zu einem schlechten Eindruck führen. In gewisser Weise habe auch ich früher das kraftvolle auch Äußere Auftreten von uns Skinheads genossen. Stil gepaart mit Energie sozusagen – aus meiner Sicht. Für andere kann es beängstigend und aggressiv rüberkommen, als wenn man so herumläuft nur um „einen Dicken zu machen“. Wir haben natürlich immer das „Große Ganze“ gesehen und uns gar nicht nur so wahrgenommen. Aber bezüglich derer, denen wir diese Angst gegönnt haben, haben wir diese Wahrnehmung auch genossen. Wenn z.B. auf irgendeinem Konzert Stress mit Faschos oder anderen Hools ist, dann genieße ich es immer noch, wenn unser Haufen beeindruckend rüberkommt.
Ich glaube das waren die wesentlichen Punkte.

 

Olaf, das OI-Milieu ist durchsetzt von rechtsoffenen Tendenzen und Verknüpfungen in die extrem Rechte, die mittlerweile auch in linken Zentren und auf Festivals Einzug halten. Welche Maßnahmen habt ihr mit der Band angewandt, um dieser Entwicklung konsequent entgegenzutreten?
Wir informieren uns, und wir werden informiert. Wir entscheiden uns dann, dem betreffenden Fanzine ein Interview zu geben, oder nicht; mit den entsprechenden Bands ein Konzert zu spielen, oder nicht; in dem entsprechenden Laden aufzutreten, oder nicht; oder unter dem entsprechenden Motto zu spielen, oder nicht; zum entsprechenden Thema Fragen zu beantworten, oder nicht.
Aus den Diskussionen im Internet halten wir uns weitgehend raus. Da passiert zu viel Mist. Zu viele Missverständnisse und zu viele Leute schalten sich ein und am Ende blickt keiner mehr durch.
Wir versuchen, ohne von reinen Befindlichkeiten, von Egotrips getrieben zu sein, oder uns von anderen unter Druck setzen zu lassen, selbst unsere Entscheidung zu fällen. Wir kennen viele Leute. Das erschwert die Sache. Es ist oft wirklich schwer das Richtige zu machen, wenn man nicht nur der Doktrin der „Parteilinie“, sondern auch der Doktrin der Zugehörigkeit zur Subkultur allgemein  zu folgen versucht. Immerhin hat man über mehr als 20 Jahren in der Subkultur eine 2. Heimat gefunden. Die können wir nicht so einfach aufgeben. Auch dann nicht, wenn sich sehr Korrektes mit Komischem und Unsympathischem mischt.

 

Warum ist die Skinheadkultur in so viele politische Widersprüche verstrickt?
Weil man allerhand reininterpretieren kann:
Die einen sagen, das Working-Class-Bewusstsein ist der wesentliche Bestandteil. Das kann man nun sozialistisch interpretieren, aber auch konservativ.
Der Ursprung der Skinhead-Musik ist schwarze Musik, aber die Schwarzen haben teils selbst die „Pakis“ mit-„gebasht.
Es gibt linke, unpolitische, a-politische, rechte und Nazi-Skinheads (auch wenn die Boneheads eigentlich sicher keine sind).
Es gab schon immer Aussagen von „Mitgliedern“ aus der Skinhead-Kultur, die vollkommen konträr zueinander standen.
Es gibt den stillen, smarten, soultanzenden Skinhead und den aggressiven, lauten, prolligen Skinhead.
Es gibt den Skinhead, der sich mit allen korrekten Leuten abgibt, und es gibt den Skinhead, der nur seinesgleichen schätzt und sich sonst von der Außenwelt isoliert.
Es gibt den klar sexistischen Skinhead, dessen Auftreten und Aussehen zu dieser Einstellung zu passen scheint und der dann eine passende Skinhead-Frau abbekommt. Es gibt den Skinhead, der es schätzt eine Freundin zu haben, die er liebt.
Es gibt ganz verschiedene Arten von Skinhead-Pärchen.
Es gibt schwule Skinheads, die Nazis sind und ihr Schwul-Sein darin eingebettet sehen. Und es gibt schwule Skinheads, die sich klar Nazis positionieren, weil sie wissen, dass alles andere komplett bekloppt wäre.
Es gibt den Skinhead, der mit Ben Sherman, Hosenträger, frisch polierten Stiefeln, Backenbart,
Stapressed Levi’s oder gar Brooks rumläuft. Dann gibt es wieder den abgerissenen Skinhead im T-Shirt, ohne Zähne und mit dreckiger Kleidung.
Es gibt den Skinhead, für den unglaublich wichtig ist, als Skinhead auch Arbeit zu haben. Und es gibt den, der sagt „Arbeit ist scheiße!“.
Es gibt die Skinheads für die das Saufen zwingend zur Kultur gehört, andere trinken nur in Maßen oder gar nicht.
Es gibt sogar Skinheads, die ihre intellektuellen Fähigkeiten zurückdrängen, um nicht ihr Verhalten  und das damit einhergehende Freiheitsgefühl hinterfragen zu müssen. Die halten „Nachdenken“ fast für einen Frevel, andere setzen ihre Intelligenz auch in der Szene ein und halten das für normal.
Die sind einige Beispiele, festgemacht an Extremen.
Am Ende hat jeder die Wahl etwas daraus zu machen, das nicht in komplette Idiotie ausartet. Insofern ist auch jeder dafür verantwortlich, was man daraus macht. Zu oft hält der „Way of Life“ auch als Erklärung für Schwachsinn her. Und so darf man auch jeden Skinhead individuell beurteilen, und muss die Person nicht akzeptieren, nur weil es sich um einen „Skinhead“ handelt.

 

Welche Umstände waren letztendlich dafür verantwortlich, dass du dich politisch positioniert hast und dich Antifa-/S.H.A.R.P-Organisationen zugewandt hast?
Nun, meine Erziehung. Auch durch die Schule, insbesondere aber durch meine Mutter. Das Gefühl als junger Skinhead war am Anfang toll: In einer starken Gruppe für die gerechte Sache kämpfen. Das ist heute immer noch ein tolles Gefühl.
Ich wurde auch gleich zu Beginn meines Skinhead-Daseins damit konfrontiert, dass man mich für einen Fascho halten könnte. Folglich setzte man sich auch intensiver damit auseinander, was das eigentlich bedeutet. Als normaler Mensch kann man da nur die Konsequenz ziehen, sich davon klar abzugrenzen.
Ich habe mich Anfang der 90ger auch einmal 3 Jahre einer kleinen sozialistischen Gruppe angeschlossen. Dies war die deutsche Abspaltung der englischen „Socialist Workers Party“ (SWP). Die Mitglieder der Band „Redskins“ waren dort engagiert. So etwas ist dann auch Vorbild.

 

Olaf, viele Skinbands pflegen das “Rebellentum”. Dieses Label verbindet den Skin-Kult mit der gemeinsamen Begeisterung für OI-Musik und Spirituosen. Was bringst du mit der Begrifflichkeit “Rebellion” in Verbindung?
In unserer Gesellschaft die Schaffung von eigenen Freiräumen und Aktivitäten, die sich vom ignoranten, auf materielles fixierten Mainstream unterscheidet. Denkt man dann weiter, wird man politisch. Ein richtiger Rebell ist nur einer, der auch für eine Sache kämpft, also irgendwie ein Ziel hat. Und man geht dann auch bewusst das Risiko ein, mit der Staatsmacht in Konflikt zu geraten.
Das kann man z.B. von vielen unpolitischen Skinheads, die sich auch als Rebellen bezeichnen, nicht behaupten. Ich frage mich, was ihr Rebellentum bedeutet. Abgrenzung, unangenehm auffallen und scheinbar anders sein?
Das reicht nicht und verändert nichts.

 

Dabei werden oftmals politische Ansichten als persönliche Meinung definiert, mit dem Recht auf Selbstbestimmung. Somit besteht die Gefahr, immun zu bleiben gegen jegliche Kritik von Außen. Diese konservative Haltung erzeugt eine mangelnde Reflexion der eigenen Wertevorstellung. KritikerInnen werden angegriffen, diffamiert, denunziert, die die “Szene” demontieren wollen. Wie hoch schätzt du das Konfliktpotential im OI-Milieu ein und welche Lösungsansätze im Hinblick auf die gesellschaftspolitischen und sozialhistorischen Aspekte müssen entwickelt werden?
Das Konfliktpotenzial ist momentan sehr hoch. Auch weil die Szene viel größer geworden ist und mit dem großen Angebot ganz verschiedene Leute angesprochen und da rein gezogen werden.
Oft handelt es sich nur um eine große Karnevalsveranstaltung. Und wie auf einer Karnevalveranstaltung – obwohl da ja sogar Politik oft eine Rolle spielt – werden kritische Haltung bzgl. der Sache selbst nicht gern gesehen. Das gilt als verkrampft und spaß-hemmend. Dann ist man Spielverderber. Hier wird eben nicht reflektiert, dass sich auch innerhalb der Szene wahres Leben abspielt und alles nicht nur ein großes Spiel ist, wo man alles ignorieren kann oder sogar davon ausgeht, wer hier mitmacht ist automatisch okay.
Der letzte Teil Deiner Frage ist eigentlich sehr komplex. Politische Entwicklungen und Entscheidungen in der Gesellschaft betreffen auch den Skinhead. Darum sollte man darauf reagieren. Es widerspricht dem Stolz eines Skinheads trotz Stärke bei allem zuzuschauen und alles mit sich machen zu lassen. Als Mensch – und als Skinhead – mach ich nicht bei allem Scheiß mit. Ich glaube immer noch an die Möglichkeit einer gerechten Gesellschaft. Wo man nicht in Grenzen denkt, sondern das Ganze sieht und darauf fixiert ist, dass alle gleiche Chancen haben und es sich lohnt soziale Verantwortung zu übernehmen, also auch dafür zu arbeiten. Jeder innerhalb seiner/ihrer Möglichkeiten. Die Ausrichtung muss ganz klar jedem Trend, dass sich andere bereichern wollen, auch auf Kosten anderer, entgegen gehen. Unsere „radikal-liberale“ Gesellschaft ist in erster Linie auf Profit ausgerichtet. Das große Wort „Freiheit“ steht hier für die Freiheit, dass jedem scheinbar die Möglichkeit gegeben ist, auch reich zu werden. In den USA ist das weit verbreitet. Wer es dann nicht schafft, ist selbst dran Schuld. Hier werden aber alle möglichen Aspekte und Facetten der menschlichen Existenz außen vor gelassen. Das kann nicht sein. Mein Job als Sozialarbeiter – ich arbeite mit Obdachlosen und armen Leuten – zeigt mir, dass ganz verschiedene Gründe dazu führen, dass man durch das soziale Netz fällt. Jemand, der sich kaputt gearbeitet hat und früher in Rente gehen muss bekommt nur eine kleine Rente und gilt in der Gesellschaft als indirekt geächtet. Man sieht der Person an, dass sie arm ist, vielleicht sogar aus Hoffnungslosigkeit säuft, und auch aus psychischen und materiellen Gründen am sozialen Leben nicht mehr teilnehmen kann. Dann  ist scheinbar von der Wahrnehmung her gleich klar, dass sich diese Person offenbar nicht mehr bemüht und selbst an der eigenen Situation Schuld ist. Ich glaube, dass diese darwinistische Sichtweise auch in der Skinhead-Szene verbreitet ist. Aber wie’s dann aussieht, wenn sie selbst alt werden, steht auf einem anderen Blatt.
Wenn ein anderes Bewusstsein geschaffen würde und nicht nur für sich selbst und den Moment gelebt werden würde, dann würde vieles anders aussehen.
Verzeih, dass ich mich jetzt nicht in gesellschaftspolitischen Konstruktionen verliere, aber das wäre zu viel.

 

„Fest steht, dass aber auch eine gerechte Gesellschaft eine gewisse von allen akzeptierte Organisation und ein gewisses individuelles Verantwortungsbewusstsein bei allen Beteiligten voraussetzt.“

 

Ach da fällt mir ein, dass sich ja sogar die linke Seite gegenseitig nicht ganz rot oder schwarz, bzw. grün ist: Wir weigern uns z.B. mit Bands zu spielen, die sich bezüglich des Nah-Ost-Konflikts äußern. Beide Seiten sind zu kritisieren. Wenn man dann den Konflikt dazu benutzt, um anti-semitische Tendenzen kund zu tun, indem man Israel, und reiche Juden und die Verschwörungstheorien als Sinnbild des imperialistischen Kapitalismus heranzieht, ist das für uns inakzeptabel.

 

Olaf, der “Kult” wird erwachsen, die Skinheads älter…welch “wichtige Dinge” hast du gewonnen/verloren?
Gerade höre ich „Anti-Nowhere-League“. Eine Band, die ich seit ca. 23 Jahren höre. Das ist kraftvoll und weckt Erinnerungen und damit auch wieder neue Kraft. Das kommt daher, dass ich generell vieles nicht erlebt hätte, was wirklich einmalig war, wenn ich kein Skinhead geworden wäre. Allgemein mit Leuten zu tun haben und mit ihnen Freiheit und eine gewisse Unabhängigkeit und Autonomie zu spüren, ist ein tolles Gemeinschaftsgefühl. Auf Konzerten von Bands wird dies zelebriert, man wird wieder bestärkt. Man weiß, dass man grundsätzlich das Richtige macht, in einem individuellen, kulturellen Rahmen.
Und ich verliere auch bisher nicht das Gefühl, dem Rest der Gesellschaft in vielen Situationen den Finger zeigen zu können: „Ich bin nicht so wie ihr“. Danke, Skinhead/Punk-Kultur.
Doch früher hatte ich solche Gefühle häufiger und oft auch intensiver. Die Situation gerade bezüglich des Gefühls, einer großartigen Subkultur anzugehören, fällt schwerer, weil mittlerweile gewisse „Mitglieder“ das, was ich früher toll fand, bekämpfen oder gar ins Gegenteil verkehren und dafür eine Plattform bekommen.
Klare und auch moralisch nachvollziehbare Standards scheinen nicht mehr so zu gelten wie früher.
Auf die Skinhead-Szene an sich kann ich nicht mehr stolz sein. Da verliere ich natürlich einen Teil meines Wohlgefüls bezüglich des Skinhead-Daseins. Es besteht kein Grund mehr, euphorisch zu sein.
Aber natürlich spielt auch das älter werden, also das verlieren der Jugend, eine Rolle dabei.
Man hinterfragt mehr und kann es dann nicht mehr einfach nur genießen.
Aber aufhören…Nein.

 

„Man kann auch ganz allein ein Skinhead sein. Man braucht keine anderen dazu, die so aussehen, wie man selbst. Es spielt sich Innen ab.“

 

Durch teilweise extreme Erfahrungen entwickelt man auch eine Stärke, die einem im Alltag täglich zugute kommt. Ich vergesse keinen Tag, wo ich „herkomme“, nämlich aus der Skinhead-Szene, auch wenn es sich irgendwie um einen künstlichen, konstruierten Ursprung handelt.

 

Was hörst du heute an Skinmusik??Was sind deine Alltime-Faves?
Ich bleibe eigentlich mittlerweile auf den alten Sachen, mit denen ich die meisten positiven Erlebnisse in Verbindung bringe, hängen. Eben Anti-Nowhere-League, Angelic Upstarts, Cockney Rejects, The Oppressed, Leatherface, Snuff, Madness, Bad Manners, Selecters, Cocksparrer, und viele, viele, viele andere Bands mehr, die auch teilweise einen nicht typischen Oi-Stil haben..
Rausgefallen sind in jüngster Zeit die 4-Skins (1). Erst mal diese Verbindung mit Indecent Exposure und dann das schlechte Konzert, das ich gesehen habe. Sicherlich habe ich das Konzert schon als negativ empfunden, weil ich wegen Indecent Exposure Bescheid wusste (2). Jetzt kann ich mir die Aufnahmen mit Gary Hodges (Sänger) nicht mehr schönreden. Die mit Roy Pierce höre ich immer noch gerne, die sind nur musikalisch nicht so gut.
Ich habe auch das Glück, bei vielen alten Bands selbst entweder als Musiker aktiv gewesen sein zu dürfen (Angelic Upstarts, Peter and the Testtube Babies, Blaggers, Newtown Neurotics, Los Fastidios, Klasse Kriminale, etc.). Da fühlt man sich noch mehr dazu gehörig. Außerdem haben wir mit Stage Bottles mittlerweile mit allen möglichen alten Bands zusammen gespielt und sind mit ihnen befreundet, wenn Sympathie da ist. Auch habe ich viele Konzerte organisiert. Man ist mittendrin und verbindet so auch mit der Musik viel mehr. Dann gefällt’s einem. Gerade Oi! und Punkrock haben viel mit Gefühl zu tun. Man kann dilettantisch  eingespielte Songs großartig finden.
Ich habe auch ein paar Bands persönlich kennen gelernt, die eher unsympathisch waren. Die Musik dann noch vorbehaltlos zu genießen ist schwer. Gerade aktuelle Band – ich nenne keine Namen – empfinde ich nicht mehr unbedingt als so sympathisch. Momentan sind übrigens die meisten Skinhead- Bands, mit denen wir befreundet sind, aus dem Ausland.
Ich tue mich mit dieser frage immer schwer, da es so viele wichtige Bands für mich gibt. Außerdem unterliege auch ich nicht immer einer Skinhead-Stimmung, so dass ich als Mensch manchmal ganz andere Musik heranziehe und höre.
OI!

 

Kontakt: http://www.stagebottles.de

 

Anmerkungen:
(1) Die Wiederkehr der Kultband 4-Skins entstand als Seitenprojekt der englischen Band Indecent Exposure, mit von der Partei war Gary Hodges, ein Bandmitglied aus frühen 1980er-Jahren der 4-Skins.Die 4-Skins verstehen sich trotz des rassistischen Textes von „Take no more“ als „not a polical band“.
(2) Die Band Indecent Exposure wird von AnhängerInnen des RAC als eine der ihren betrachtet. Dies begründet sich im Selbstverständnis der Band, das stramm anti-links ist und sich „110 Prozent patriotisch“ benennt (Interview im Fanzine „Support Your Scene“, Nr. 2, 2008) und darin, dass die Band in frühen Jahren auch zusammen mit der Neonazi-Kultband Skrewdriver auftrat. Heute weist Indecent Exposure darauf hin, nie der „harten politischen Szene“ angehört zu haben und auf ihren Konzerten keine Hitlergrüße mehr zu dulden. (vgl.: http://gloryrac.blogspot.com)

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