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Vegan Guerilla

 Foto: Björn Lexius
Foto: Björn Lexius

Sarah Kaufmann ist 26 Jahre, lebt und studiert in Hamburg, reist gerne und liebt Abwechslung auf dem Teller. Das ist auch der Grund, warum sie selbst immer wieder neue Rezeptideen entwickelt und ausprobiert. Dafür hat sie einen tollen Food-Blog gestartet, die Gerichte sind hübsch bebildert und machen einfach Lust, diese nachzukochen: VEGAN GUERILLA. Vegan Guerilla gibt es seit Oktober 2010 und ist leckeres tierleidfreies Essen für jeden Tag. Inspiration für die Küche.
Im Dezember 2011 ist ihr Kochbuch „Vegan Guerilla – Die Revolution beginnt in der Küche“ bei Compassion Media (1) erschienen. Wir haben mit der „Kochrevoluzzerin“ gesprochen, die nicht nur eine Vorliebe für Punkrock und St. Pauli hat, sondern auch für Kürbis, Seitan und Cupcakes.

 

Sarah, was war für dich ein Schlüsselerlebnis, was zu deiner veganen Lebensweise geführt hat? Hast du dich zunächst erst vegetarisch ernährt?
Ja, ich hatte zunächst immer wieder kürzere und längere vegetarische Phasen in meinem Leben. Irgendwann wurde ich dann dauerhaft zur Vegetarierin und, als ich schon eine ganze vegetarisch gelebt hatte, letztlich vegan.
Ein richtiges Schlüsselerlebnis gab es jedoch nicht, das war eher ein schleichender Prozess. Ich habe auch vorher nie wirklich gerne Fleisch gegessen und als ich nach Hamburg zog, lernte ich recht schnell immer mehr Veganer*innen kennen. So schien mir der Versuch vegan zu leben irgendwann die logische Konsequenz von dem zu sein, was ich eigentlich wollte. Wobei ich mir zunächst nur vorgenommen hatte, meine Ernährung für eine Woche umzustellen, um das Ganze für mich mal auszuprobieren. Die Woche verlängerte ich zunächst auf einen Monat (in welchem ich mir eine ganze Menge Dokumentationen anschaute und einiges zum Thema Veganismus las) und stellte während dessen immer mehr fest, dass eine vegane Ernährung und Lebensweise etwas ist, mit dem ich mich schon hätte viel früher beschäftigen sollen. Dementsprechend bin ich dann auch vegan geblieben.

 

Hattest du anfänglich das Gefühl, auf etwas verzichten zu müssen, was hat dir die Ernährungsumstellung leicht gemacht?
In den ersten Tagen, vielleicht auch im ersten Monat, viel es mir teilweise doch noch recht schwer auf das ein oder andere Lebensmittel zu verzichten, wobei sich das in meinem Fall letztlich auf Käseprodukte und Produkte, die Milchpulver enthalten, beschränkt hat. Doch das erübrigte sich recht schnell: Zum Einen, da ich schon immer gerne in der Küche herumexperimentiert habe und so schnell Alternativen gefunden hatte, die mir mindestens genauso gut schmeckten, wie das was ich vorher gegessen habe. Zum Anderen hatte ich zu dem Zeitpunkt einige vegane Freund*innen in meinem Freundeskreis und auch mein damaliger Freund war schon seit Jahren (und ist immer noch) Veganer. Dementsprechend habe ich, auch schon vorher als Vegetarierin, einen ganz guten Einblick in die vegane Küche bekommen und wusste zumindest bei einigen Produkten schon, ob ich sie noch kaufen „kann“ bzw. will oder auch, wie sie lecker zuzubereiten sind. Das hat meine Ernährungsumstellung natürlich um einiges erleichtert.

 

Du reist gerne. Im bolivianischen Dorf Villa Tunari hast du dich längere Zeit aufgehalten. Was hat dich hier besonders geprägt?
In Villa Tunari (Bolivien) war ich für ein paar Monate während einer knapp einjährigen Südamerikareise nach dem Abitur. In dieser Zeit habe ich bei der „Comunidad Inti Wara Yassi“ (CIWY) als Freiwillige gearbeitet, genau genommen im Parque Machía. CIWY ist eine bolivianische NGO/NPO, welche Anfang der 1990er gegründet wurde und von Spenden und Mithilfe von Freiwilligen mittlerweile drei Parks in unterschiedlichen Regionen Boliviens aufgebaut hat. Diese dienen als Auffang- und Auswilderungsstationen für misshandelte und domestizierte Wildtiere. Wobei letzteres, also die vollständige Auswilderung, leider in vielen Fällen problematisch oder unmöglich ist (z.B. aufgrund von schwerwiegenden Verletzungen).
Die Arbeit vor Ort war – angefangen beim Klima bis hin zu Insekten und Parasiten – oftmals wirklich anstrengend und hat mich an so einige meiner persönlichen Grenzen gebracht. Nichtsdestotrotz hat der Kontakt zu den Tieren (unterschiedliche Affenarten, Nasenbären, Waschbären, verschiedene Vogelarten, Pumas) bzw. zu sehen, wie sie sich langsam erholt haben (von der Ankunft über die Quarantänestation, eventueller Resozialisierung und Rückkehr in das natürliche Habitat etc.) mir einfach so unglaublich viel zurück gegeben, dass ich dafür auch gerne Dauerregen, ein paar hundert Mückenstiche und die ein oder andere Verletzung in Kauf genommen habe.
Allerdings würde ich sagen, dass mich nicht nur die Zeit in diesem bolivianischen Dorf, sondern die gesamte Reise durch Südamerika mein Leben sehr nachhaltig geprägt und dauerhaftes Interesse für Lateinamerika geweckt hat. Denn heute, ein paar Jahre später, habe ich meinen Bachelor in Amerikanistik und Lateinamerika-Studien in der Tasche, war während meines Studiums noch für ein paar Monate in Mittelamerika und habe im letzten Jahr meinen Master in Lateinamerika-Studien begonnen. Das ist natürlich ein fantastischer Grund für mich, bald mal wieder das Weite zu suchen: der kommende Herbst und Winter sind gecancelt und es geht mal wieder zurück nach Südamerika (und, im Rahmen dessen, dann sicherlich auch mal wieder nach Bolivien).

 

Was ist für dich Veganismus? Ein Boykott oder wo liegt die Logik dahinter? Spielt Ethik für dich eine bedeutende Rolle?
Eigentlich beides. Zunächst einmal, ja, Ethik spielt dabei für mich eine bedeutende Rolle…und damit verbunden schlichtweg ein Ekel davor etwas zu konsumieren, dass mit Qual oder Tod eines anderen Lebewesens einhergeht. Obendrauf kommen bei einer omnivoren Ernährung ja noch die Zerstörung diverser Ökosysteme (Leerfischen der Meere, Abholzung von Regenwald für Weide und Futteranbau) und völlig absurde Ausmaße an Ressourcenverschwendung. Alles Dinge, mit denen ich persönlich möglichst wenig am Hut haben möchte.
Und was den Boykott angeht: der sollte sich meines Erachtens nach nicht nur auf unvegane Produkte beschränken, sondern generell in Bezug auf einige Firmen (wie Nestlé oder Coca Cola) stattfinden. Das mag das Leben zwar vielleicht erst mal verkomplizieren, da natürlich eine ganze Reihe Marken dranhängen. Mir persönlich geht es jedoch einfach am besten, mit möglichst wenig Blut an den Händen und einer frisch zubereiteten Mahlzeit, bei der man jede Zutat kennt und selbst verarbeitet hat.

 

Warum sind Antispeziesismus und Tierrechte notwendig?
Weil Tierschutz nicht ausreicht. Tierschützer fordern zum Beispiel lebensverlängernde Maßnahmen, oder solche, die den Tieren vorübergehend ein vermeintlich „schöneres“ Leben bieten, bevor sie dann letztlich doch auf irgendeinem Teller landen, um „guten Gewissens“ verspeist zu werden. Von der Verkürzung von Transportzeiten zu Schlachthöfen oder neuen Fleischsiegeln ist dann gerne die Rede und im Rahmen dessen wird fleißig mit Floskeln um sich geworfen und so etwas sinnwidriges wie „tierfreundlich erzeugtes Fleisch“ proklamiert. Dabei ist es völlig absurd überhaupt anzunehmen, dass so etwas überhaupt existieren kann. Von daher ist es zum Einen wichtig und notwendig, das Mensch-Tier-Verhältnis als sozial konstruiertes aufzuzeigen, zum Anderen aber darüber hinaus auch das zu tun, worin die sogenannten Tierschützer leider versagen: Tiere wirklich zu schützen.

 

Welche Medien, Quellen etc. hast du anfänglich be-, genutzt, um dich weiter über Veganismus zu informieren?
Ich war zum Glück schon immer kochbegabt, sowie darüber hinaus internetaffin und habe ein Faible für Dokumentationen, was mir, in Kombination mit den Veganer*innen in meinem Freundeskreis, schnell ausreichende Informationen und Antworten auf meine Fragen bot. Allerdings gibt es da keine bestimmte Quelle, von welcher ich behaupten könnte, immer genau da nachgeschaut zu haben.

 

Wann hat sich dein Verhältnis zu Konsum und Eigenproduktion in der Herstellung veganer Produkte geändert? Waren geschmackliche oder preisliche Aspekte dafür ausschlaggebend? Wie hat sich dein Konsumverhalten generell verändert?
Der Schritt vegan zu werden ging natürlich zunächst einmal mit dem vermehrten Lesen von Inhaltsstoffangaben (und dem Nachschlagen ebendieser) auf Produkten einher. In dieser Zeit habe ich mich nicht selten darüber gewundert, was sich eigentlich alles in unseren Lebensmitteln versteckt. Die meisten Zusatzstoffe davon möchte ich nicht unbedingt in meinem Körper haben. Dementsprechend hat sich auch mein Konsum stark geändert: Viele (Fertig-)Produkte, die ich als Vegetarierin, und auch als ich vegan wurde, noch gerne gegessen habe, würde ich heute schon alleine aufgrund ihrer sonstigen Inhaltsstoffe (mal ganz abgesehen von der Frage, ob sie vegan sind oder nicht) nicht mehr essen wollen. Die Konsequenz daraus ist, möglichst viel von dem was ich zu mir nehme aus frischen Produkten selbst herzustellen…und besser schmecken tut es auch.
Dazu kommt, dass ich z.B. Kaffee, Schokolade und Bananen ausschließlich in Fairtradequalität kaufe, anderes Obst und Gemüse nach Möglichkeit in Bioqualität oder regional angebaut. Allerdings stößt mein, als Studentin doch recht übersichtliches, Monatsbudget da auch gerne mal an seine Grenzen, aber dann müssen eben Prioritäten gesetzt werden (in meinem Fall wäre das: trotzdem fairen Kaffee kaufen, dafür kostengünstigeres Essen zubereiten).

 

Du hast dann angefangen, auszuprobieren und Produkte selbst herzustellen. Du hast im Buchtrailer erwähnt, dass du von Freund_innen nach Rezepten gefragt worden bist. Hast du viel gekocht und Rezepte archiviert?
Ich habe gerne und häufig gekocht. Allerdings war das Archivieren immer der Punkt, an dem es gescheitert ist. Häufig habe ich mir zwar auf irgendeinen Schmierzettel Notizen gemacht, die dann im Idealfall irgendwo zwischen Küche und Pinnwand oder zwischen den Seiten irgendeines Kochbuchs gelandet sind. De facto hat das eher schlecht funktioniert, weil bei so einem Zettelchaos auch gerne mal der ein oder andere Zettel (und somit auch die Idee) verloren geht, die Dinger ständig verschmiert waren und meine Notizen darüber hinaus meist so kryptisch, dass ich sie zwar nach einer Woche noch entziffern und deuten konnte, oftmals jedoch nach einigen Wochen schon nicht mehr. Das war, neben Freund*innen, die z.B. gerne Kekse nachbacken wollten, die ich mal wieder mit zur Arbeit gebracht hatte, für mich dann eigentlich auch der ausschlaggebende Faktor mit dem Bloggen zu beginnen und so meine Ideen nicht nur für meine Freunde, sondern auch für mich selbst festzuhalten. Einfach, um auch nach Monaten auch selbst nochmal die Gelegenheit zu haben, nachzuvollziehen was alles so auf dem eigenen Teller landet, wenn man mal selbst keine Idee hat, was es heute zu Essen geben soll. Letzteres passiert zum Glück recht selten, kommt aber natürlich auch bei mir vor.

 

Dann kam die Idee mit dem Buch. Vegan Guerilla. Wofür oder wogegen willst du denn einen Kleinkrieg anzetteln, was ist das Ziel?
Der Name und Untertitel entstanden ja eigentlich schon etwa anderthalb Jahre früher, bevor der Blog online ging. Björn, welcher auch für mich fotografiert, und ich überlegten lange hin und her, wie der Blog heißen könnte und kamen, nach unzähligen bescheuerten „vegan“+“xy“-Kombinationen, dann irgendwann bei der Guerilla-Idee an, was natürlich auch wieder mit meiner Vorliebe für Lateinamerika zu tun hatte. Da Guerilla-Bewegungen jedoch in der Regel bewaffnet auftreten und meine einzige „Waffe“ (mal abgesehen von Kochmessern, welche ich jedoch natürlich nur zu friedlichen Zwecken nutze) mein Essen ist, ist der „Kleinkrieg“ wohl eher auf diskursiver Ebene anzuordnen – nämlich in der Etablierung eines Diskurses über eine leckere und dabei vor allem gewaltfreie sowie ökologisch sinnvolle Ernährung.

 

Revolution beginnt in der Küche. Sollte sie nicht eigentlich bei dir anfangen? Oder glaubst du ernsthaft daran, dass du gesamtgesellschaftlich etwas ändern kannst?
Ich glaube ehrlich gesagt an gar nichts, was mit uns als gesamte Gesellschaft zu tun hat. Dazu fehlt mir eine ganze Menge Optimismus und jegliches Vertrauen in größere Gruppen Menschen. Dementsprechend: ja, du hast natürlich recht, jede*r sollte bei sich selbst anfangen. Nichtsdestotrotz fand ich bei der Titelsuche für meinen Blog „die Revolution beginnt in der Küche“ sehr passend als Untertitel, da so der Kochbezug mit im Titel/Logo steckt. Davon abgesehen sagt ja auch niemand, dass es sich dabei nicht auch um DEINE Küche handelt.

 

In dem Verhältnis zwischen Mensch und Tier gibt es sehr widersprüchliche Eigenarten. Einerseits lieben wir Tiere wie Hund und Katze, andererseits essen wir Tiere. Ist das zweierlei Messen ein gesellschaftliches normatives oder tradiertes Problem?
Ich glaube kaum, dass sich eine gesamtgesellschaftlicher Problematik dieses Ausmaßes mit nur einem einzelnen Faktor, geschweige denn im Rahmen dieses Interviews, tatsächlich klären lässt. Ich gehe davon aus, dass das Problem sowohl tradierter Art ist (2), als auch durch normative Faktoren (was gilt als „natürliche“ oder „normale“ Ernährung?) beeinflusst.
Um Längen ausführlicher und besser als ich in einem Satz geht Melanie Joy in ihrem Buch „Why We Love Dogs, Eat Pigs And Wear Cows“ (die deutsche Übersetzung des Buchs erschien im Mai bei Compassion Media) auf diese Frage ein (3).


Deine Rezepte sind auch toll fotografiert worden. Wie und warum ist die Arbeit mit Björn Lexius zustande gekommen?
Björn und ich haben uns vor einigen Jahren kennengelernt als ich nach Hamburg kam. Dann waren wir längere Zeit zusammen und haben auch zusammen gewohnt. Wir fotografieren beide gerne, er jedoch mittlerweile professionell und als selbstständiger Fotograf (wenn auch ansonsten im Bereich der People- und Hochszeitsfotografie). Deshalb stand niemals wirklich zur Diskussion, wer die Fotos für das Buch (und übrigens auch von Anfang an für den Blog) macht. Mittlerweile sind und leben wir zwar getrennt, unterstützen uns aber auch weiterhin gegenseitig bei unseren Projekten und wenn es zeitlich hinhaut, kommt er auch immer noch gerne zum „Essen gegen Essensfoto tauschen“ vorbei.

 

Wurde in der Darstellung von Lebensmitteln mit Hilfsmitteln gearbeitet?
Nein. Auf den Bildern ist genau das, was auch in der Zutatenliste steht.
Die Gerichte wurden alle von mir gekocht, von Björn fotografiert und im Anschluss gemeinsam verspeist. Wir hatten weder eine*n Foodstylist*in, noch ein Team, geschweige denn irgendwelche Dinge im oder auf unserem Essen, die da nicht rein gehören.

 

Sarah, du hast bereits über 10.000 “Like me” – Klicks auf facebook. Siehst du dich mit deiner Arbeit bestätigt?
Generell habe ich mit dem Blog von Anfang an mehr Feedback bekommen als ich jemals geplant  habe oder erwartet hätte.
Auf Facebook aber auch in Form von unendlich vielen Emails mit Fragen zu Veganismus oder zu bestimmten Rezepten, abgefahrenen Ideen, Kooperationsanfragen, Einladungen zu Events, wasweißichnichtalles. Auch nach mittlerweile etwa zweieinhalb Jahren überrascht mich das alles immer noch ziemlich und klar, es gibt mir auch eine ganze Menge Bestätigung, dass das was ich in meiner Küche fabriziere so viel Anklang findet.

 

Medial werden vegane Aspekte vermehrt aufgegriffen. Da werden im Sat.1 vegane Fleischprodukte getestet (Test: Vegane Wurst), auf RTL wird mit versteckter Kamera ein Tofu-Test in einem Imbiss gemacht, selbst im BR werden Fleischersatzprodukte auf die Probe gestellt (Faszination Wissen); ProSieben präsentiert zum “Tolerance Day” einen ganzen Beitrag zu einem Antitierbenutzungshof (Vegan leben) usw. Stellt sich die Frage, ist Veganismus zum Trend geworden? Und: ist das überhaupt schlimm?
Ich habe seit Jahren keinen Fernseher, von daher geht alles was RTL, Sat1 und co. produzieren zum Glück an mir vorbei, es sei denn, die Sendungen werden danach wie wild auf Facebook geteilt…und selbst in dem Fall schaue ich sie mir meist nicht an.
Und was den „Trend“ angeht: wenn die Nachfrage stimmt bzw. steigt, gibt es mehr vegane Produkte in Supermärkten etc., was ja erst mal eine recht einfache Rechnung ist, und eben auch eine Entwicklung die in den letzten Jahren zu beobachten war. Das finde ich generell erst mal sehr positiv. Was sich daran sicherlich bemängeln lässt ist, dass auch zu beobachten ist, dass mit so etwas wie diesem Trend hin zum Veganismus natürlich auch immer mehr Menschen dazu kommen, die sich „nur“ vegan ernähren, jedoch ansonsten nicht vegan leben, da sie es z.B. aus gesundheitlichen Gründen tun. Oder Menschen, die vegan leben und alles in den Himmel loben, was irgendwie vegan ist und dann auf Teufel komm raus konsumieren, weil’s eben so unglaublich superdupertoll und vegan ist. Insgeheim möchte ich da schon öfter mal meine Ethikkeule (und noch ein paar Andere) aus dem Schrank holen. Das lasse ich allerdings sein, weil ich letztlich doch ganz froh bin, wenn Menschen überhaupt beginnen ihre Essens- oder Lebensgewohnheiten zu hinterfragen und ich einfach nicht erwarten kann, das jede*r da draußen meine Einstellung oder Gründe vegan zu leben teilt.

 

Mittlerweile gibt es ja sogar bei ALDI eine Auswahl an Tofu, Bratlingen, Aufschnitt, ROSSMANN hat eine eigene Marke (ener), Alpro Soja-Produkte gib es im Supermarkt…woher beziehst du deine veganen Lebensmittel? Kaufst du mit guten Gewissen ein oder da, wo auch vegane Lebensmittel billig sind? Ich denke, Hamburg hat eine große Auswahl…
Hamburg hat eine große Auswahl, ja. Meine Nachbarschaft jedoch leider nicht, weshalb ich meist noch schnell auf dem Heimweg von der Uni oder Arbeit irgendwo einkaufe, wo ich gerade vorbeikomme.
Die Frage nach dem wo ist meist auch abhängig davon, was ich a) kochen möchte und b) mein Kontostand sagt. Meist lande ich dann bei Edeka, Alnatura, Netto, der Biocompany, Nahkauf (fürchterlich), dem Reformhaus Engelhardt oder Budni.

 

Abschließend, Sarah, möchte ich gerne wissen, was dein absolutes Lieblingsrezept ist…
Klingt jetzt vielleicht absolut bescheuert, aber etwas, was ich wirklich nie verschmähe (neben Kaffee und Schokolade) ist eine einfache Guacamole-Version (Avocados, Limettensaft, Salz, Chili und Knoblauch) mit ein paar Tortillas. Gehört zu den simpelsten Dingen auf der Welt, dafür aber auch zu den besten.

 

Anmerkungen:
(1) compassion media ist ein Verlag aus Münster mit den Schwerpunkten Veganismus und Tierrechte/Tierbefreiung: http://www.compassionmedia.org/
(2) Karnismus und damit einhergehend die Entindividualisierung und Objektifizierung von Lebewesen. Karnismus (aus dem Englischen: carnism) ist ein unsichtbares System aus Überzeugungen oder Ideologie, das die Menschen darauf konditioniert, bestimmte Tiere zu essen (Bsp.: Schwein ja, Hund nein)
(3) In ihrem Buch ‘Why we love dogs, eat pigs and wear cows’ untersucht Melanie Joy, wie wir dazu kommen, manche Tiere als Freund*innen zu betrachten, andere dagegen als Nahrung – ohne dass wir diese Unterscheidung plausibel begründen könnten. Joy erläutert die komplexen sozialen und psychologischen Mechanismen, durch die bestimmte Lebewesen in unseren Augen zu Lebensmitteln werden
(Quelle: http://www.compassionmedia.org/why-we-love-dogs-eat-pigs-and-wear-cows-in-deutscher-sprache/)

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