Ein Goldfisch in der Grube

Ein Goldfisch in der Grube
v. Lars Gebhardt
168 Seiten
ISBN 978-3-7322-8267-8
www.bod.de
Kurzbeschreibung: "Da waren wieder die Fragen. Diese Fragen, die unbarmherzig in Selbstzweifel übergingen. In der Regel blieben die Fragen in den hintersten Windungen meines Gehirns verborgen, wenn ich in dieses genügend Alkohol hatte fließen lassen. Jetzt waren sie aber wieder da und führten mir die gar jämmerliche Situation, in die ich mich in den letzten Wochen zielsicher bugsiert hatte, brutal vor Augen."
Wie soll man seinem Leben eine neue Richtung verleihen, wenn man die bisherige noch nicht einmal kennt. Und wie soll das gehen, wenn man vor allen Dingen gar nicht weiß, wohin einen das Leben zukünftig führen soll? Solche Fragen stellt sich der Erzähler dieses Romans und bekommt ganz unverhofft erste Antworten, als ihm durch Zufall ein Koffer voller Kokain in die Finger kommt. Dennoch streift er weiter ziellos durch das Nachtleben von Hamburg und Berlin, stets auf der Suche nach einem Sinn, der sich ihm allerdings nicht erschließen will. Dabei erlebt er so manches Abenteuer zwischen Drogenrausch, Kneipendunst, Punk Rock und unpersönlichem Sex...
Über den Autor: Lars Gebhardt wurde 1973 in Unna / Westfalen geboren. Er studierte Germanistik und Medienwissenschaften in Hamburg, wo er noch heute lebt und als Fotoredakteur arbeitet. Seit seiner Jugend schreibt er für diverse Untergrund-Magazine und war in den 90er Jahren Herausgeber und Chefredakteur des "Stay Wild" Fanzines. Mit "Ein Goldfisch in der Grube" erscheint nun sein Debüt-Roman.
Gesamteindruck: Koks, Alkohol, Sex und ein Verbrechen. Lars skizziert seine Romanfigur als Outsider - ständig pleite und auf Sinnsuche - mit existentiellen Sorgen und Nöten, die viele von uns kennen. Insofern solidarisiert mensch sich schnell mit der Romanfigur und übernimmt den Blickwinkel, aus dem das exzessive Leben und die Flucht aus der Tristesse fokussiert wird. Hamburg - Berlin - Cuxhaven - Hamburg. Die Odyssee ist gleichzeitig ein Spannungsbogen, der hinter einer Sex&Crime-Story aufgezogen wird, im Wesentlichen aber den selbstzerstörerischen Ansatz eines Charles Bukowski ähnelt, mit dem Faible für das Leben in den Randzonen der bürgerlichen Gesellschaft, ohne dessen geniale Schockwirkung zu erreichen. Die sich wiederholende Exzesse - Kneipenbesuch, Alkohol, Drogen, Sex - führen letztendlich zu keinem veränderten Verhalten der Romanfigur, dafür greift Lars auf ein RAMONES-Zitat zurück. First, second, third, fourth verse as the first. Alles wiederholt sich im Leben. Was jung hält ist die Phantasie, sind Träume, die Entlastung bringen und verhindern können, dass mensch seinen eigenen Anteil an einer Situation sieht und für die Zukunft etwas daraus lernt. Dafür ist ein offenes Ende immer gut und die Erkenntnis, die die Romanfigur zum Ende hin gewinnt, ist auch, was das Menschsein interessant macht. Dass jedeR von uns eine Menge Unfertigkeiten, Baustellen und Reizpunkte mit sich rumschleppt. Wenn wir perfekt wären, dann wären wir vollkommen und komplett langweilig. Und unser Leben wäre ohne Höhen und Tiefen. Erst unsere Schwächen machen uns menschlich, interessant und letztlich auch liebenswert. Und Lars hat vielleicht sein eigenes Leben durchleuchtet und teilt uns mit: Was habe ich in die Welt gegeben, das dazu beigetragen hat, dass ich in dieser Situation gelandet bin? Der Roman gibt darauf keine eindeutige Antwort, fordert aber das Resonanzprinzip, mehr Verantwortung für sich und dein Leben zu übernehmen.

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