LOTTA #54

Lotta #54
Lotta #54

LOTTA #54
68 DIN A 4 Seiten; €3,50.-
Lotta, Am Förderturm 27, 46049 Oberhausen
lotta-magazin.de
Das LOTTA-Kollektiv thematisiert die rassistische Hetze gegen Sinti und Roma in Duisburg. Im Zuge der sogenannten “Armustwanderung” warnte der ehemalige Innenminister Friedrich vor “Missbrauch der Sozialsysteme” und suggerierte eine “Das-Boot-ist-voll-”Mentalität mit dem politischen Willen, diese EU-BürgerInnen schnellstmöglich wieder rauszuschmeißen. In diese Kerbe schnitzten auch NPD und PRO NRW ihre rassistische Propaganda und organisierten Demos und Kundgebungen gegen “Asylmissbrauch” und “kriminellen Ausländern”. Medien wie BILD attestieren das Haus “In den Preschen” als Problem- und Ekelhaus. So werden rassistische Stereotypen und Stigmatisierungen geschürt, Sinti und Roma geraten als Synonym für “Armutsflüchtlinge” ins Fadenkreuz diskriminierender Darstellung, die von grundsätzlicher Kritik an soziale wie politische Fehlentwicklungen europaweit hinzuweisen und die antiziganistischen Praktiken zu thematisieren. Alexander Häusler skizziert das Feindbild “Zigeuner” und reflektiert den Genozid an Sinti und Roma in der NS-Zeit und die aktuellen Menschenrechtsverletzungen und Ressentiments vor dem Hintergrund einer in weiten Teilen der bürgerlichen Mitte verwurzelten Ablehnung, Abneigung gegenüber Sinti und Roma. Die wird auch von Polizei und Behörden getragen, die besorgte AnwohnerInnen zur Hilfe Eilen und ein sogenanntes “Radial Profiling” betreiben als Prinzip rassistischer Polizeigewalt. Die extreme Rechte profitiert von der rassistischen Stimmung in der Stadt Duisburg, die Zahl der an den Kundgebungen teilnehmenden Personen vor dem Haus “In den Preschen” stieg kontinuierlich an. In anderen Unterkünften kam es bereits zu Angriffen und Brandanschlägen. Die lokale Antifas organisierte tägliche Nachtwachen mit bis zu 30 Personen, knüpfte Kontakte zu HausbewohnerInnen, die es außergewöhnlich fanden, Solidarität zu erfahren, organisiert Spendenprojekte, muss aber erkennen, dass “wenn rassistische Mobilisierungen von der Mitte der Gesellschaft ausgehen und extrem rechte Gruppen” daraus Profit schlagen, stoßen antifaschistische Gegen-Konezepte an ihre Grenzen. Umsowichtiger sind Bündnisse, Diskussionsveranstaltungen und eine öffentlichkeitswirksame und verbesserte Außendarstellung der Sinti und Roma, um Vorbehalte, Ressentiments und Diskriminierungen (zumindest) in der bürgerlichen Mitte zu begrenzen, abzubauen und der extremen Rechten Anknüpfungspunkte zu nehmen, diese letztendlich zu isolieren und anzugreifen.
Gesamteindruck: Solange Politik, Medien und Teile der bürgerlichen Mitte  “Asylmissbrauch”, “Sozialschmarotzertum”  propagieren und Sinti und Roma “Prostitution, Kriminalität, Verwahrlosung, Lärm- und MüllverursacherInnen” zuschreiben, hat es die extreme Rechte leicht, ihre politische Ernte einzufangen, die geistige Brandstifter-Stimmung anzufachen und erschwert antifaschistische erfolgreiche Konzepte, den Antiromanismus, Diskriminierungen, Stigmatisierungen und Gewalt einzudämmen. Wesentlichen Merkmale und Aspekte müssen in die Öffentlichkeit getragen werden. Dazu gehört die Solidarität mit den HausbewohnerInnen, diese zu unterstützen und die Gründe ihrer Flucht, die sozialen Verhältnisse, die Sinti und Roma zwingen, in unwürdigen Wohnverhältnisse zu leben, in den Fokus des Interesses und in einen Diskurs zu stellen. Dazu sollten antifaschistische und bürgerliche, politische, gewerkschaftliche Bündnisse und Kooperationen gebildet werden. Eine direkte Beteiligung von HausbewohnerInnen der Unterbringungen an diesen und eine verstärkte Öffentlichkeitsarbeit ist ebenso ratsam.

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