MOLOKO PLUS #46

 MOLOKO PLUS #46
MOLOKO PLUS #46

MOLOKO PLUS #46
84 Seiten (17x24cm); € 3.-
MOLOKO PLUS, Feldstr. 10, 46286 Dorsten
www.moloko-plus.de
Torsten ändert 4 Ausgaben vor Einstellung des Fanzines das Heftformat und freut sich darüber, dass viele Neu-AbonnentInnen gewonnen werden konnten, da sich das Konzept, ausschließlich für diese Klientel Extras beizulegen, bewährt hat. Nachdem in der vorangegangenen Ausgabe das Skintonic Fanzine dokumentiert und im Nachdruck beigelegt wurde, folgt nun das exklusive Special zum 3rd Generation Fanzine, ein Best of, zusammengestellt/layoutet von Editor Ralf Real Shock, der im 2. Teil des ausführlichen Gespräches auf 10 Seiten einen Rückblick auf sein Fanzine wirft und sehr viele Details widergibt, auch im Hinblick und im Zusammenhang darauf, wie sich Punk verändert hat (“ich finde es bemitleidenswert(…)es ist zu einem unübersehbaren Wander-Ziurkus ausgeufert”). Ralf resümiert das Fanzine-Ende mit dem Umstand, dass er zu keinem Zeitpunkt Kompromisse eingehen wollte. Kompromisslos ist auch sein Musikgeschmack,  der sich ausschließlich auf 77er Punkrock orientiert. Kein Wunder, war das 3rd Generation doch ein Support an eben dieses, aber auch vor allem an den Orange County Song geprägtes Genre. SMART ATTITUDE verfolgen einen anderen Weg, als Oi-Klischees wie Ficken/Saufen-Texte zu schreiben und geben sich smart, witzig, dilettantisch, aber nicht platt, Tom zieht Parallelen zu Hip Hop und Punk und erklärt seine Vorliebe für Vinyl und DIY. Dass Punx und Skins nicht zusammenpassen/gehören dokumentiert ein alter STOMP-Fanzineartikel aus dem Jahre 1983, der beweist, wie sehr sich NeoNazis an Parteistrukturen anbiedern und ihre Außendarstellung und Attitüde als Provokation umdeuten. Torsten hat ja schon länger ein Faible für Underdogs, größtenteils Schicksale aus dem sportlichen Bereich. In dieser Ausgabe widmet er einen Bericht über Werner Gladow, ein Westberliner “Gangster”, der mit einer Bande im Stile von Al Capone Karriere in den frühen Nachkriegsjahren machte und die Ost- wie Westbertliner Polizei in Bewegung hielt.  In beiden Berliner Stadthälften mehrten sich unaufgeklärte Raubüberfälle à la Chikago. Die Verbrecher wussten von der Spaltung der Polizei zu profitieren. Vor Beginn seiner Verbrecherlaufbahn hatte “Doktorchen” zusammen mit seinem gleichaltrigen und gleichgearteten Freund Werner Papke die Memoiren eines Al-Capone-Mannes “Ein Mensch wird Verbrecher” studiert und wollten “eine echte Gang aufziehen, von der einmal ganz Berlin sprechen soll.” Der andere Underdog-Artikel skizziert die Umstände und den Tathergang des Horst Wessel-Mörders, Albrecht Höhler. Horst Wessel wurde nach seinem Tod von der NSDAP zum Märtyrer hochstilisiert und zu Propagandazwecken bis ins kleinste Detail ausgeschlachtet. Ausgeschlachtet wird auch das Helen of Oi-Label, Sir Paulchen resümiert über das Oi-Label und benennt kritiklos dieses neben den extrem rechten Label DIM RECORDS und WALZWERK als die ersten, die OI-relevante Scheiben veröffentlichten/vertrieben. ULTIMA THULE? Ich bleib daheim!
Gesamteindruck: Bevor das Printmedium M+ eingestellt wird, läuft Torsten und die Reaktion zu Hochform auf. Trotz der konsequenten unpolitischen Ausrichtung und der kontrovers diskutierten Meinung, ob Punk und Skin united sind, sein dürfen, lässt er lieber einen alten Artikel “antworten” und re-united ungeachtet dessen alte und neue Punk-, Skinbands für den Inhalt einer Ausgabe. Das Konzept klingt dann auch wie in einem alten SHAM 96 oder ANGELIC UPSTARTS-Song, die im Konsens Spaß, Fußball, Arbeitslosigkeit, Kriminalität, Gewalt thematisierten. Das scheint der M+ Gefolgschaft zu gefallen und verhilft dem Fanzine zu Popularität. Torsten vermeidet es, zu polarisieren, dennoch limitiert sich das M+ selbst, vermeidet Torsten doch die Politik-Diskussion und die damit verbundenen Spannungen, die ein Fanzine -meiner Meinung nach- aufbauen und entwickeln sollte.

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