NOISY NEIGHBOURS #35

NOISY NEIGHBOURS #35
72 DIN A 4 Seiten; € 1,50.-
Carsten Collenbusch, Am Schlossplatz 23, 53125 Bonn
www.noisy-neighbours.com
Keule hat Angst, dass die Welt untergeht, versteht nicht, wohin die “Vaterlandsliebe” noch hinführt und regt sich über rechte “Dumpfbacken” auf. Aufgeregt ist auch Kollege Andrasch, der LOVE A kontaktiert und im Telefongespräch mit Jörkk nett plaudert über Gestaltungsräume, Absurditäten im Alltag und aggressiv Gefallendes. Ironisch hingegen zeigt sich Marcus von EL BOSSO&THE PING PONGS, die mit “Mädchenmusik” einen Seitenhieb auf die Armada von Songwritern starten und das gemeinsame Zusammenspielen als Frage des Verpflichtung erörtern, Tradition und Beständigkeit nicht immer als Scheiße ansieht. Familienfreundlicher sind die Aussagen von Jan Schewe, der mit seinem Label Affairs of the heart Nischenmusik veröffentlicht, etwas schüchtern rüberkommt und auch mal bockig reagiert. Das tue ich auch, weil das Excuse my fire-Inti eine Frechheit ist: 7 Fragen, überflüssige Antworten.
Michael macht “Radiozeug”, erklärt diese Software und die Plattform, die automatisch Playlisten durch die Auswertung von im Radio gespielter Musik als Podcast, youtube-Video, soundcloud. Niels Frevert (Ex-Nationalgalerie)würde auch gerne in die Charts, was ihm mit der Spex-Credebilitiy vielleicht gelingen wird, aber guter Geschmack alleine reicht nicht aus. Who the fuck are Juni Kapelle? Jazzgitarre, Psalter und Blutsauger-Romantik? Ich verzichte. BONSAI KITTEN dürfen ganz kurz die Krallen ausfahren und machen Eigenwerbung. NN-Eigenwerbung sind sicherlich die vielen, ausführlichen Reviews zu Literatur, Comix, Gayfilme und Musik. Super, da steckt viel Herzblut und wirkliches Interesse an der Sache hinter.
Gesamteindruck: Mit eklatanten Interview-Schwächen und wenigen Highlights betreiben Keule und Andrasch ein Sammelbecken für oberflächliche Populärmusik, die selten überrascht und als Kunstform dargestellt wird. Die überragenden Momente hat das aktuelle NN in der Präsentation von Gayfilmen, die Mediathek, und die intensiv erarbeiteten Literatur- und Musik-Rezensionen. Film und populäre Musik als Wechselbeziehung funktioniert nur und bleibt interessant, wenn in diesem Zusammenhang möglichst intensive, ungewöhnliche oder spektakuläre Artikel und Interviews erarbeitet werden. Davon ist die Redaktion und das NN weit entfernt und mensch den Eindruck gewinnen könnte, nicht nur Popmusik stagniere langsam, ohne sich zu entwickeln.

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