NOISY NEIGHBOURS #40

NOISY NEIGHBOURS #40
68 DIN A 4 Seiten; €1,50.-
N.N., Carsten Collenbusch, Am Schloßplatz 23, 53125 Bonn
www.noisy-neighbours.com
Keule entschuldigt sich für die späte N.N.-Veröffentlichung und auch für Andrasch Neunert ist es schwer zu fassen, wie "gut junge MusikerInnen heute sind und lädt Jungspund Jesper Munk zum Interview ein, der eine Stimme ums Mikro wickelt, für den Soul der "perfekte Anschluss für wohlständigen Blues" ist. DISTEMPER propagieren eine positive Sichtweise und den Glauben daran, dass eine positive Lebenseinstellung dazu führt, im Kampf gegen Gut und Böse zu siegen". Sahba Yadegar ist gerade sehr beschäftigt, macht sich ein Bild davon, was sich die Leute so vorstellen, macht Musik und illustriert und erzeugt eine Stimmung. Richtig Stimmung kommt bei mir auf, als Andrasch in der "Anatomie einer Peinlichkeit" im Gespräch mit Thoralf Koß dessen Versagen im Umgang mit den "Gefahren von Rechts im öffentlichen Raum" offenlegt. Andrasch konfrontiert Thoralf mit ganz konkreten Fragen zur Ausladung der Band FEINE SAHNE FISCHFILET für das Stadtfest Riesa, die Thoralf mit zu verantworten hatte und damit durchaus den Anschein erweckte, der NPD und die extreme Rechte "in die Hände zu spielen", die ihrerseits gegen die Band politische Stimmung betrieben hatte. Thoralf wirkt in seiner Argumentationslinie schwammig und offenbart z. B. nicht mit der Band direkt gesprochen, sondern sich mit den Texten der Band beschäftigt zu haben, die ihn zusammen mit der Einstufung des VS, FSF sei "linksextremistisch", zur Entscheidung veranlasst haben. Aufschlussreich ist dann in diesem Zusammenhang die Sichtweise des Vorsitzenden der sächsischen GRÜNEN, der kompetent und differenziert die politische Lage vor Ort skizziert und dabei ein ambivalentes Verhalten von Behörden, Schulen, Politiker im Umgang mit Rechts feststellt. Rechte Bands und Aufmärsche finden unbehelligt und die Stadt vermeidet eine öffentliche Mitteilung, sodass eine konkrete antifaschsitische und politische Intervention nicht stattfinden kann, während die Losung ausgegeben wird "sich wegzuducken". Anstelle das bürgerliche Engagement und das couragierte Verhalten gegen Rechts zu stärken und in einem Fall von extrem rechter Stimmungsmache sich mit den Betroffenen zu solidarisieren, entwickelt sich "Sachsen für die Naziterroristen als ruhiges Hinterland".
Gesamteindruck: Das Magazin für Musik, Film, Literatur" muss nicht nur erst mit dieser Ausgabe den Zusatz "Politik" tragen., Respekt vor Andrasch's offensive Fragestellungen, die er aber auch an anderer Stellte (Musik-Interview) unter Beweis stellt. Gleiches gilt für seine kompetente Rezensionen im Bereich "Filme". Woran glaube ich? Was sind die eigentlichen Bedürfnisse des Menschen? Die N.N.-Redaktion verfügt neben einem kühnen Sachverstand auch über eine ungetrübte Empörtheit und ist in der Themenauswahl gut organisiert. Das macht das N.N. zu einem außergewöhnlichen Magazin, das sich souverän an die theoretischen und methodischen Ansätzen mit einer disziplinenübergreifenden Herangehensweise an populärmusikalische Phänomene annähert.

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