PLASTIC BOMB #75

PLASTIC BOMB #75
80 DIN A 4 Seiten; €3,50.- + CD
Plastic Bomb, Postfach 100205, 47002 Duisburg
www.plastic-bomb.de
Micha hält uns die Folgen vom Supergau, den Atomreaktorunfall in Fukushima, vor Augen und fordert, wir sollten uns wieder Ziele setzen. Diese setzt HC-Helge sogleich um und hat wieder Spaß am HC gefunden, definiert uns genau, was für ihn HC bedeutet und äußert Hassgefühle gegenüber all jenen HC-Metal-Combos und verweist darauf, dass das P.B. “kein staatliches Unternehmen” sei. Kulturelle Unternehmungen sind für Ronja indes Pflichtprogramm, fährt nach Berlin, erlebt die Folgen der Gentrifizierung hautnah und beobachtet, ob Duisburg zukünftig als Kulturhauptstadt sogenannte “In”-Viertel schafft.
“In” und hip sind derzeit auch wieder die Punkrock-Veteranen von RAZZIA, die auf dem Ruhrpott-Rodeo Festival in Originalbesetzung aufgetreten sind. Micha bittet zum Lokaltermin bei Kaffee und Gebäck. Für Micha erwacht die Vergangenheit zum Leben, er ist verunsichert, da die Welt “nicht mehr die gleiche ist wie vor 20 Jahren” und bezweifelt, dass RAZZIA heute noch Punk ist. Diese Zweifel sollten auch bei MODERN PETS angebracht sein, die “das Rad auch nicht neu erfunden” haben und einen Musikstil kopieren, weil sich Nostalgie besser verkaufen kann. Toxo schwärmt von der Band THE BLACK DIAMOND EXPRESS TRAIN TO HELL, die auf dem Düsseldorfer Bauwagenplatz aufspielen und über ihre Wurzeln, Ziele, Motivation und Erwartungen befragt werden. Einen Schritt intensiver geht HC-Helge zu Werke und quetscht Jack von T.S.O.L aus, der aus Spaß an der Sache Musik macht und sich die Bandmitglieder verhielten “wie die wilden Tiere”. Aus dem Reich der wilden Tiere berichtet auch Chris Scholz in seiner satirischen Kolumne und ersinnt Verschwörungstheorien und kommentiert menschliche Zeitbomben und Versager. Andi versagt auch mit seinem Fragebogen an Jake von THE CASUALTIES, während Mitschreiber Ullah in ganz andere Gefilde wildert und ins Auto von Knight Rider steigt, um bei David Hasselhoff zu “Looking for freedom” Brutalpogo zu tanzen.
Politisch geht es mit Artikeln und Interviews zum Thema “Gentrifizierung” zu. Henni schnappt sich Korophäe Andrej Holm, der die Folgen der Stadtentwicklung aufzeigt, Ressourcen, Förderprogramme aufführt und Möglichkeiten zur Verhinderung der Gentrification benennt. Vasco hat die Weltformel gefunden und schafft das Scheiß-System, speziell den Kapitalismus, in seiner Rubrik “Die wunderbare Welt der Propaganda” ab und verdeutlicht die These an der ursprünglichen Idee zu “Monopoly” und die sich daraus entwickelte “Erfolgsgeschichte”, die “die Gier stimuliert”. Micha stimuliert den Hormonhaushalt mit seiner “Best of 80s Hardcore”-Plattenvorstellung, die er mit Anekdoten, Fakten und Erlebnissen anreichert.
Gesamteindruck: Die P.B.-Crew bereichert die Fanzinekultur mit einem ausgewogenen Mix aus Artikeln und Interviews zu Punk-Classix und zeitgenössischer Populärmusik, politisch brisante, aktuelle Themen und wichtigen Standardrubriken, die die subversiv ungeschönte Seite des Punkrock offenbaren. That’s Life, that’s Punk, that’s Plastic Bomb!

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