PLASTIC BOMB #76

PLASTIC BOMB #76
80 DIN A 4 Seiten; €3,50.- + CD
Plastic Bomb, Postfach 100205, 47002 Duisburg
www.plastic-bomb.de
HC-Helge sehnt die Buchveröffentlichung zu “Network of friends” entgegen, stellt als Appetizer schon mal ein paar schicke Fotos zur Verfügung, die “mit Bedacht ausgewählt” wurden, hat Helge zu Bands und Personen von SKEEZICKS, H.O.A., JINGO DE LUNCH, LÄRM etc. ein intensives freundschaftliches Verhältnis. Intensiviert werden die Einblicke zum Buch mit einem Interview, in dem Helge -betitelt als “Aktivposten des europäischen HC der 80er Jahre”- seinen Punk/HC-Werdegang beschreibt, die Idee zum Buch preisgibt und mit der Zielrichtung, alte Bekannte von europäischen Bands zu interviewen, einen enormen Aufwand betrieben hat, die Aktivitäten/die Strukturen des DIY-Sektors einzufangen.
Auch Micha und friends haben einen hohen Aufwand betrieben, die P.B.-Karre aus dem Dreck zu ziehen. Der Besuch auf dem diesjährigen FORCE ATTACK glich einer 16-Stunden-Regen-Party, auf der Mensch, Tier und Auto mit einer zentimeterdicken Schlamm-Schicht überzogen wurde.
Jello Biafra vermisst weder George W. Bush, noch hat er Interesse, “Tausende von unschuldigen Menschen zu töten”. In dem 5-seitigen Interview plaudert Jello über den Papst, Homophobie in Amerika, die liberalen Waffengesetze und das deutsche TV-Programm. Micha und Ronja reflektieren das Angebot auf dem Ruhrpott Rodeo, beide geben Benni von SS-KALIERT zudem die Gelegenheit, über die Entwicklung der Band und die neue Platte zu berichten (“wir bleiben in der Küche bis sie samt Inhalt abfackelt”), während Häktor das Hardcoremusikkabarett CARLOS MOGUTSEU vorstellt, die Angst vor den Scientology haben, sich als langsamste Band Bayerns definieren und glauben, dass CD-Brennen impotent macht. Richtig steil wird es indes bei Micha, der sich nach Andalusien aufmacht und in einem Hinterzimmer einer regionalen Kneipe das Pokalendspiel mit der Beteiligung seiner blauen Knappen feiert. Giftig und bissig wettert Chris Scholz über hungrige Negerkinder und dient Deutschland mit einer Zusammenfassung politischer und gesellschaftlichen Ereignisse, die die Gutmenschen auf die Barrikaden bringt. Hinter diesen ist vielleicht Platz für “Anders wohnen”. In der politischen Rubrik werden Großprojekte, Syndikate und WG’s vorgestellt, die über die Inhalte, Abläufe und Ideen berichten und Lust vermitteln, eine andere Wohnform auszuprobieren, die sich vom konservativen Vermieter-Makler-Mieter-Verhältnis absetzt. Vasco greift in seiner Rubrik “Die wunderbare Welt der Propaganda” die Kritik an dem Turbokapitalismus auf, beleuchtet das “Erfolgsmodell Deutschland” und fasst zusammen, dass dieses “die hemmungslose Bereicherung der Reichen” zur Folge hat, “durch die Macht des Stärkeren” erzwungen, alles andere sei Propaganda.
Gesamteindruck: Im Wesentlichen deckelt sich die Printausgabe vom PLASTIC BOMB mit der Idee vom “Network of friends”. Das Zine ist und bleibt der Aktivposten in der Szene für die Szene, erinnert an die Zeit, als das Bier kälter, die Drogen härter waren und liefert mit dem Mix aus Persönlichem, Politischen und Sachthemen einen wertvollen Beitrag für die Bildung und besteht aus “Frei denkende Individualisten”, bei denen immer noch das Feuer brennt.

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