PROUD TO BE PUNK #15

PROUD TO BE PUNK #15
80 DIN A 5 Seiten; € ???
Jan Sobe, Stockartstr. 15 HH, 04227 Leipzig
jan.sobe@t-online.de
Jan resümiert über sein bisheriges kreatives Schaffen und vergleicht die Hefte als "ein Spiegelbild meines Lebens", sowie als "ein kleiner Tagebuchersatz". Gleichwohl Jan sicherlich viele vorherigen Ausgaben selbstkritisch begutachtet, sind es die gemachten Erfahrungswerte, die persönliche Fehler ausgleichen, dennoch gesteht sich Jan diese auch ein, um "die nötigen Schlüsse aus ihnen zu ziehen".
Jan hat immer noch mächtig Spaß am Punk, findet neben Fanzine und Studium noch Zeit für musikalische Aktivitäten und findet es als "ein unglaublich befreiendes Gefühl, Wut und Energie(...)Konzentration und Kreativität in die Musik zu legen". Jan steckt im Prüfungsstress und hat es dennoch geschafft, eine neue, prall gefüllte Ausgabe herauszubringen.
Mit verantwortlich dafür ist sicherlich der 20-seitige und in mehreren Teilen gesplittete Reisebericht "Unterwegs im Heiligen Land". Jan hat sich des öfteren mit dem Israel/Palästina-Konflikt auseinandergesetzt und viele offene Fragen gehabt, die er mit reichlich Wissensdurst stillen wollte und beteiligte sich an einer 14-tägigen Bildungsreise. Der Nah-Ost-Konflikt ist sehr komplex, vielschichtig und -wie Jan richtig erkennt- ein Thema, bei dem Religion, Politik, aber auch Fanatismus eng miteinander verknüpft ist. Jan glaubt nicht an Gott, ist aber mit einer Gruppe Christen unterwegs, was er selbst aber als Chance sah, mit ihnen über den Glauben zu diskutieren. Hier scheint es mir, als hätte Jan sehr viele Vorurteile abbauen können, gleichwohl er im späteren Reiseverlauf oft an die Grenzen der Toleranz stieß, wenn religiöse Rituale, Worte und Schriften penetrant abgehalten, gefeiert und geäußert werden.  Jan's Bericht zielt zum Einen darauf ab, die Geschichte der Juden und des Staates Israel in der Praxis zu erfahren und kennen zu lernen. Das gelingt offenbar sehr gut, was auch der Reiseleitung zu verdanken ist, die die Reisegruppe zu historischen Städte, Stätten und jüdischen Häusern führt.  Sobald Jan thematisch relevante Ereignisse erwähnt, ergänzt er diese mit einem Infoblock, die das Stichwort erläutern. Da kommt sicherlich der Lehrer Jan raus, ich finde diese Vorgehensweise jedoch angebracht und sogar notwendig, damit der Inhalt noch verständlicher wird. Der Inforamtionsgeahlt ist also ziemlich hoch. Gleichzeitig schildert Jan seine Eindrücke und lockert den Bericht auf, vermeidet es, den religiösen-politischen Konflikt zu sehr in den Mittelpunkt zu rücken. Zum Anderen bezweckt Jan mit seinem Reisebericht, bestehende Konflikte nachvollziehen zu können, was auch aufgrund persönlicher Zeitzeugen-Berichte geschieht (Ehemaliger Fatha-Kämpfer, Besuch beim Nahostkorrespondenten Ulrich Sahm...). Jan stellt abschließend fest, dass in der Frage um den Nahost-Konflikt primär die Menschen die Opfer sind und vermeidet es, sich für eine Seite zu positionieren, was weniger diplomatisch, denn mehr aus voller Überzeugung aufgrund der gemachten Erfahrungen resultiert.
Jan engagiert sich im Verein "Bon Courage" und stellt hierbei einige Projektarbeiten vor, die im Rahmen des Vereins realisiert wurden.  Zum Einen wurde Diana Kuring eingeladen, die über weibliche Genitalverstümmelung referierte, zum Anderen berichten Vereinsmitgleider und SympathisantInnen über ihre Aktionen für bessere Lebensumstände für Flüchtlinge (Hilfe für Asylsuchende). Es folgen die obligatorische News im "Sachsen_Report", antifaschistische Aktionen und auch zwei kurze Musik-Intis (THE MINC; REISEGRUPPE MORGENTHAU) sowie ausführliche Fanzine-Rezis.
Gesamteindruck: Jan verlagert seinen Schwerpunkt auf politische Artikel und findet, dass sich Bandinterviews in Fanzines nicht in Musikfachsimpelei verlieren sollten. Insofern stößt Jan -wie er selbst schreibt- immer wieder auf spannende Themen, die er informativ und lehrreich präsentiert, wenn möglich mit einem auflockernden Interview ergänzt. Die aktuelle Ausgabe ist geprägt von Jan's politisches Engagement und dem Ehrgeiz, ein breit gefächertes politisches-gesellschaftskritisches Themenfeld abzustecken, was Jan gut umzusetzen weiß, selbst dann, wenn er "nur" über einen Film, ein Buch resümiert und dabei stets bemüht ist, Anregungen und Denkanstöße zu geben.

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