TRUST #159

TRUST #159
68 DIN A 4 Seiten; €2,50.-
Trust Verlag, Dolf Hermannstädter, Postfach 110762, 28087 Bremen
www.trust-zine.de
Dolf polarisiert mit Argumenten gegen “Tierfreunde” und ihrer (angeblichen) Doppelmoral. So kritisiert er eine Gruppe, die in Bremen gegen den sexuellen Missbrauch von Tieren durch Menschen zusammenkam und fabuliert einen Widerspruch herbei, denn wer sich “so ein Tier kauft, darf es nicht ficken, aber töten und essen?” Nein, Dolf, ich denke nicht, dass die Tierrechtler_innen Tiere töten, denn sie haben sich für eine vegane Lebensweise entschieden UND darüber hinaus für die Befreiung von Mensch und Tier einstehen. Denn es ist ein Kampf gegen das System, das auf Gewinnmaximierung unser tägliches Leben bestimmt und auf schwächere Menschen und andere Lebewesen keine Rücksicht nimmt. Es gibt also keinen Widerspruch, so wie Dolf ihn herbei argumentiert. Des Weiteren macht er aus seiner Abneigung gegenüber “Haustieren” keinen Hehl und versucht, die hohe Zahl von Tötungen von Tieren an Tieren damit zu kritisieren, dass Tiere wie die Hauskatze aus Spaß tötet. Das ist faktisch falsch. Der Mensch glaubt, dass Katzen bspw. mit ihrer “Beute” spielen, sie töten, aber nicht fressen. Mensch nimmt also an, dass Katzen ein Gefühlssystem hat, welches dem des Menschen gleicht. Das Töten ruft eine Vielzahl höchst konfliktbehafteter Gefühlsregungen hervor, zu deren die Achse von Angst und Schuld gehört. Tiere töten aus Instinkt, zum Überleben, zum Üben und Lernen, es steckt immer ein Sinn dahinter. Es ist aber der Mensch, der aus Spaß tötet. Beim Stierkampf, beim Hahnenkampf, beim Freizeitspaß “Jagen”, “Angeln” etc. Die zentrale Frage sind die Erklärungsmuster, warum der Mensch das Töten von Tieren als rechtmäßig erachtet. Wer tötet und noch dazu aus Lust/Spaß, zeigt, dass das Tabu des Tötens keine Macht mehr über ihn hat. Beispiel Jagd. Als kulturelle Traditionen wird die Jagd vehement verteidigt, und gilt vielen als unverzichtbares Kulturgut. Um das Jagen zu rechtfertigen werden vor allem Gewohnheitsrechte und Traditionen bemüht. Wer die Psychodynamik der Jagd und des Jagens hinterfragt, erkennt wie brüchig der Katalog der Selbstrechtfertigungen ist. Wer die Jagd sabotiert, wird kriminalisiert. Der Jäger darf aber weiter töten. Diese Umkehrung der Werte ist Teil der Normalitiät und demonstriert die Perversität, die auch bei Sex mit Tieren zum Tragen kommt. Denn hier ist es der Mensch, der das Tier unterdrückt, beherrscht, ausbeutet und missbraucht. Lust auf Kontrolle und Macht. Die Triebtheorie kennt keine Grenzen! Doch in der Notwendigkeit der Sache geht es darum, Mensch die Dominanzstellung  gegenüber anderen Lebewesen streitig zu machen und gängige Erklärungsmuster zum Jagd- und Tötungsverhalten infrage zu stellen. Mensch teilt die Welt in “Gut” und “Böse” ein, schafft ein Wertesystem. Eine der wichtigsten Fragestellung ist die Selbstpsychologie und hier insbesondere die Frage der Re-Inszenierung konfliktbehafteter Erfahrungen und vor allem der Wiederbelebung von Gewalt- und Mißbrauchserfahrungen. Und dafür sind Proteste gegen sexuellen Missbrauch von Mensch am Tier AUCH wichtig!
Jan Röhlk verheddert sich  an der Auflistung von Menschen für die Faszination an ihren Abgründen und der Reiz an zensierten Schriften, bringt es dabei fertig, in einem einzigen Satz 132 Wörter und Zeichen unterzubringen. Ich frage mich ernsthaft, Jan, auf was willst du eigentlich hinaus? Komm ich dich mal besuchen, zeigst du mir deine umfassende Bibliothek, aufgeteilt nach Sach- und Fachgebiete, und benennst zu einem Thema mindestens 4 Autor_innen und ihre Zitate, um sie nachweislich gleichzeitig aus dem Regal zu nehmen und mir vorzulegen, während du im gleichen Atemzug noch dazu die passende Literaturverweise und Anspieltipps von amerikanischen HC-Bands vorschlägst, von denen ich noch nie etwas zuvor gehört habe, aber das macht nix, weil, dass steht auch im nächsten TRUST! Uff, das waren jetzt auch viele Wörter und Zeichen, gelt, Jan?! Der Gedankenwirrwarr nimmt seinen Lauf und endet – wie gewohnt-  in einem Best of. Dieses Mal sind es die RAMONES und Alternative Tentacles. Eigentlich ergibt sich aus den weiteren Kolumnen ein streitbares Schwerpunkt-Thema. Sollte Musik, Kunst oder Literatur “schrankenlos” zugänglich sein?
Für OVERTHROWN aus Singapur ist “hardcore no longer from the heart” und bemängeln das mangelnde Wissen und Interesse an den “roots”. Diese haben merkwürdigerweise ihren Ursprung aus Amerika. Und wenn ich mir die Songs der Band anhöre, dann höre ich die Übernahme des NJHC-Schemas. Was mich aber stutzig macht, ist, dass Micka Reckordt der Band einen maßgeblichen Einfluss auf die HC-Szene Singapurs unterstellt, diese geklärt haben will, was “wahrer” HC eigentlich sei, der sich offenbar über den Style definiert, aber doch eigentlich von der Straße kommen sollte. So viel Widersprüche in einem Artikel habe ich lange nicht gelesen. Immerhin, selbst Micka beginnt zu schmunzeln, wenn OVERTHROWN von Wahrheiten spricht, die die Band in ihren politischen Texten formuliert und mehr Wissen hat, als Politiker verbreiten.
Die Coverstory liefert eine “Oldschool-Skateboard-Session”. Im Interview mit den Veranstalter_innen erklären Pascal und  Bettina Jan, was eigentlich ein Grind ist, und dass es nicht immer das gleiche Auto ist, was für den Streetcontest besorgt wird und die Sponsoren aus im Skatebereich aus dem Energy Drink- oder Mobilfunkbereich stammen.
In der Kürze liegt die Würze. PUSRAD fackeln nicht lange, scheinen es sehr, sehr eilig zu haben und arrangieren einen Quickie nach den anderen. Jan findet THIS MOMENT IN BLACK HISTORY als eine der besten geilsten Bands der letzten 10 Jahre und die band selbst “bereut nichts von dem, was sie veröffentlicht haben.” Das ROTS-Tagebuch kommt dann wie aus dem Nichts, ohne Ankündigung oder Erklärung geht es um gute, schlechte Auftritte, ein frisch geschlachtetes halbes junges Schwein und Zuberereitungsanleitungen und Geschichten “ihrer Leben”.

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