TRUST #161

TRUST #161
68 DIN A 4 Seiten; €2,50.-
Trust Verlag, Dolf Hermannstädter, Postfach 110762, 28087 Bremen
www.trust-zine.de
Dolf vertraut auf die wissenschaftliche Erkenntnis, dass Ausdauer und Kraft auch im hohen Alter wachsen und intensiv trainiert werden können und will darüber reden, ob der Staat “nur” seine Staatsdiener überwachen sollte, nicht aber die Bürger_innen. Jan Röhlk nimmt sich “die coole Sau” Henry Rollins vor und kritisiert seine rigiden Moralvorstellungen, die nicht reflektiert werden und sein “Erziehungsmodell” als Maßstab nimmt, Menschen zu bewerten, Jan attestiert dem “selbstinszenierten Gewinner im Kampf ums Dasein” eine unterkomplexe Mentalität, verliert sich in seiner Kolumne in Lebenskonzepte und Erkenntnisse über Wirtschafts-Profiteure. Jan Tölva reflektiert seine Punker-Karriere auf dem Lande und durch die örtlichen Begebenheiten eingeschränkte Zugänge zu linken Strukturen, vegane Lebensweisen, Konzerte und fragt sich, ob es einen Mittelweg gibt zwischen “der Nähe des Dorfes und die Freiheit der Stadt”.
Benjamin Schlüter und Jan Tölva sind begeistert von der Bühnenpräsenz und der Interpretation des Hip Hop von Andy Bothwell aka Astronautalis, der dringend jemand braucht und ihn mal zu einer Pause überredet und in den Fragen ständig damit konfrontiert wird, keinen Punkbackground zu haben und des Weiteren erklärt, warum er stolz ist, Amerikaner zu sein. Für Erica (RVIVR) war und ist Punk immer schon politisch und Kollegin Bex fühlte sich trotz sexistischer Sprüche zu der “Punkszene” hingezogen, auch, weil sie später herausfand, dass Punk und Politik Berührungspunkte haben. Coveropa Jens Rachut legt seine Gießkanne beiseite und verlässt widerwillig das Gewächshaus, um ein Interview zu geben. Dabei geht es um Vögel, Lyrik, Interpretationen und Schauspielerei. Dann folgt was über Fluxus, sorry, Jan, da klinke ich mich aus. Fluxus mag zwar eine radikale Kunstbewegung sein, aber mit der Philosophie und den Merkmalen, Fluxus ist Spaß und Bewußtseinserweiterung, Fug und Unfug kann ich absolut nichts anfangen. Dann Florian Opitz im Interview. Kritik am Neo-Liberalismus, Sympathien für den Alm-Aussteiger, Ironie und Zeit als wichtige Dimension.
Gesamteindruck: TRUST goes Art und Avantgarde. Theoriebildung, artikulierte Widersprüche einer Kunst in der Moderne, künstlerische Ausdrucksformen…Die Einsicht in basale gesellschaftliche Zusammenhänge und die eigene Verortung darin sind für Jan Röhlk notwendige Bestandteil eines zu bildenden Bewusstseins einer Kunst von sich selbst. Bei den analytischen Erkenntnissen aus Film und Kunst fehlt eine Konsum-, Kapitalismus-, Gesellschaftskritik. Diese hätten sich bspw. in Kunstformen wie “Street Art” wiedergefunden, die sich  als erfrischende Spontanietät, Rebellion und Unkompliziertheit auszeichnet. Nun, Street Art und Fluxus haben aber inzwischen gemein, dass sie “etabliert” sind, ein Kunstbetrieb. Hierbei geht weniger um die Überwindung von Verhältnissen, sondern allenfalls um deren Reformierung. Lohnt sich also eine Auseinandersetzung und welchen Stellenwert für HC hat die Erkenntnis und das Verständnis von Kunst und ihrem Verhältnis zur Gesellschaft und zur Utopie heute? Ich will das gar nicht wissen.

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