Veganismus. Ein postmoderner Anarchismus bei Jugendlichen?

Veganismus. Ein postmoderner Anarchismus bei Jugendlichen?
v. Bernd-Udo Rinas
307 Seiten: 18,00 € (Hardcover), 9,99 € (e-book)
ISBN: 978-3-940213-71-6
www.shop.jugendkulturen.de
Hat Veganismus etwas mit Anarchismus oder Anarchismus etwas mit Veganismus zu tun? Für mich selbst ist klar, dass ich auch vegan bin, weil ich versuche Herrschaftsverhältnisse zu hinterfragen. Wenn ich nicht will, dass irgendjemand über mich herrscht, dann kann ich auch nicht über andere (in diesem Fall Tiere) Herrschaft ausüben wollen. Aber einen theoretisch fundierten Zusammenhang zwischen Veganismus und Anarchismus herzustellen schien mir dann doch ein bisschen schwieriger, deshalb war ich ziemlich gespannt, wie Bernd-Udo in seinem Buch die beiden Themenbereiche zusammenbringt. Nach anfänglicher Euphorie wurde ich dann aber erstmal ein bisschen ausgebremst. Zunächst einmal handelt es sich bei dem Buch um eine Dissertation und damit um einen wissenschaftlichen Text und die sind eben manchmal nicht gerade die leichte Lektüre vor dem Schlafengehen. Inhaltlich geht es erstmal kreuz und quer über die Definition von Jugend und die Herausforderungen vor denen sie heute steht, dann zu diversen philosophischen und religiösen Auseinandersetzungen rund um das Thema „Tiere essen und der Umgang mit Tieren“. Das gibt zwar an sich einen spannenden Überblick, aber genau diesen Überblick verliert man auch schnell angesichts der großen Anzahl der besprochenen Ansätze. Da fragt mensch sich dann schon hin und wieder, wo gerade der Bezug zur Anfangsfrage und der rote Faden hingekommen ist.
Erst im zweiten Teil des Buches wurde mir dann klarer wo das ganz hinführen soll. Hier geht es dann um diverse anarchistische Ansätze, die nicht nur sehr spannend sind, sondern eben auch Parallelen zur Idee des Veganismus aufzeigen. Außerdem wird der Frage nachgegangen ob der Veganismus nicht eine Chance für den Anarchismus und seine alten Theorien sein könnte um auch in die heutige Gesellschaft (und damit eben in die Postmodere) praktisch übertragen werden zu können.
Verwunderlich finde ich, dass Rinas gelegentlich Wikipedia zitiert. Nichts gegen Wikipedia an sich, aber man weiß eben meist nicht genau wer hinter den Artikel steckt, woher das Wissen des/ der Autor_in kommt und mit welcher Intention der Artikel geschrieben ist. Z.b. sind die Autor_innen bei Wikipedia zu 92 % männlich, allein dadurch entsteht vermutlich eine bestimmte Gewichtung. Naja, und um eine Wikipedia-Definition zu bekommen brauche ich eben kein Buch (bzw. in diesem Fall eine wissenschaftliche Arbeit) zu lesen, von dem ich erwarte das die jeweiligen Quellen kritisch hinterfragt werden.
Gesamteindruck: Insgesamt ein interessantes Buch, denn mensch lernt auch vieles was weit über den Veganismus bzw. Anarchismus hinausgeht, es ist aber auch ein bisschen Durchhaltevermögen nötig. Wer nur eine Auseinandersetzung mit den Verbindungen zwischen Veganismus und Anarchismus sucht kann aber auch getrost einige Abschnitte überspringen.
© Regula

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