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KRIEGSZEITEN

Kriegszeiten
Kriegszeiten

KRIEGSZEITEN
-Eine grafische Reportage über Soldaten, Politiker und Opfer in Afghanistan
von David Schraven, Vincent Burmeister
Hardcover, 17,50 x 24,50 cm, Seiten 128
ISBN 978-3-551-78698-2
www.carlsen.de
Inhalt:
Zehn Jahre Krieg in Afghanistan haben nicht nur die deutsche Außenpolitik geändert, sondern auch die Bundeswehr. Aus einer Freiwilligenarmee wurde eine professionell agierende Eingreiftruppe aus Berufssoldaten, die weltweit einsatzbereit ist. Der Journalist David Schraven hat Hunderte von Dokumenten analysiert und Dutzende Interviews mit aktiven und ehemaligen Soldaten geführt, um ein Bild dessen zu bekommen, was wirklich in Afghanistan vor sich geht und welche Rolle die Bundeswehr dabei spielt. Vincent Burmeister hat diese Recherchen in Bilder umgesetzt, die dem Leser näherbringen, wovon keine Fotos existieren.

Gesamteindruck: 2009 hatte der damalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg gesagt, er verstehe „jeden Soldaten, der sagt, es ist Krieg“. Gemeint war damit auch die Wortzauberei und Verschleierungstaktik der CDU/FDP Regierung, das Wort "Krieg" auf jeden Fall zu vermeiden und einen unehrlichen, unmenschlichen Kriegseinsatz der Bundeswehr zu rechtfertigen. Peter Strucks Satz, "unsere Sicherheit werde am Hindukusch verteidigt", stellte die Realität auf den Kopf. Einer der Gründe für dieses Ehrlichkeitsdefizit liegt darin, dass sich die politische Führung Deutschlands nach 9/11 vor allem aus Solidaritäts- und Bündnisgründen am Afghanistankrieg beteiligt hatte. Außerdem ging man davon aus, der Krieg werde bald vorbei sein. Am Kundus ist viel zerstört werden, auch das Ansehen Deutschlands als Friedensmacht. Sollte Deutschland gegenüber Afghanistan jemals eine zivilisatorische Überlegenheit gehabt haben, so ist sie spätestens mit den brennenden Menschen von Kundus und den unangemessenen Kommentaren der Bundesregierung verloren gegangen.
Frieden ist Verhandlungssache und wird sichergestellt, wenn man seine Freunde mietet, resümiert auch David Schraven, der die "Friedensmission der Bundeswehr" spätestens mit dem Beleg aus Interviews und Unterlagen des 16-fachen Einsatzes der Panzerhaubitze und dem Einsatz Operation Halmazag ad absurdum führt. Die persönlichen Gespräche mit Soldaten, Offiziere der Bundeswehr, belegen auch, dass bei den "kriegsähnlichen" Zuständen durch deutsche Beteiligung dutzendfache Todesopfer zu beklagen sind. Afghanistan wurde nicht befriedet oder befreit, es gab Kooperationen mit Drogenbarone, Warlords, Kriegsverbrecher, während das Parlament Niederalgen in Strategien und immer neue Missionen umwandelt, um das Desaster als Erfolg zu verkaufen. Für David Schraven ist Afghanistan nur der Auftakt zu neuen Kriegszeiten, in denen die Opfer - Menschen mit Traumata - schon längst unter uns leben. Vincent Burmeister lässt die grafische Reportage in realitätsnahen Bildern und zugleich befremdlich erscheinenden Szenarien und detaillierten Porträts lebendig werden und möglichst viele Perspektiven des Krieges und Terroreinsatzes aufzeigt.

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