AIB #103

AIB #103
AIB #103

AIB #103
60 DIN-A-4 Seiten; € 3,50.-
AIB, Gneisenaustr. 2a, 10961 Berlin
www.antifainfoblatt.de
Der Schwerpunkt der aktuellen Ausgabe liegt auf Griechenland. Das Redaktions-Kollektiv erklärt das "wegen der Bedeutung Griechenlands für die europäische Neonaziszene." Gemeint sind hier vor allem die Auswirkungen der Wahlerfolge der Neo-Nazi-Partei "Chrysi Avgi" („Goldene Morgenröte“), die bei den griechischen Parlamentswahlen im Juni 2012 6,92 Prozent der Stimmen erhielt und mit 18 Sitzen in das Parlament einzog.

Der Artikel offenbart zum Einen die Verstrickungen von Polizei und Neonazis, zum Anderen die kriminellen Machenschaften der "Parteifunktionäre", die sich auch u.a. aus Polizeibeamte zusammensetzen, in U-Haft sitzen und angeklagt wurden. In der Folge ermittelt die Justiz wegen der Bildung einer kriminellen Vereinigung, präventiv stellte Chrysi Avgi Anfang des Jahres die neugegründete Partei Ethniki Avgi oder „Nationale Morgendämmerung“ mit einer nahezu identischen Satzung vor.
Mit hegemonialem Anspruch setzt sie neue Strategien und Konzepte durch und erntet breite Unterstützung in Europa. Maik Fielitz untersucht den Einfluss der Partei auf "(sub-)kulturelle Vereinigungs- und Radikalisierungstendenzen innerhalb der europäischen extremen Rechten" und erkennt in der "Verbindung von Straßenkampf und parlamentarischer Vertretung  bei gleichzeitig erhöhter Wahrnehmung durch Medien und Politik — verbreitete durch die Erschließung neuer Wählerkreise Euphorie in ganz Europa." Demzufolge kopieren verschiedenste Gruppen die Strategie der Chrysi Avgi, was verdeutlicht, dass "die extremen Rechten immer mehr als transnationale Bewegung auftritt".
Aufschlussreich ist das Interview mit Aris vom griechischen Kollektiv "Beocollective" auf Kreta, der deutlich unterscheidet zwischen Aufstieg (Wählerstimmen) und der Präsenz auf der Straße, attestiert der Antifa eine Dominanz auf der Straße, beschreibt aber auch die "größte Schwierigkeit, eine gemeinsame Analyse und Strategie für die Zukunft auszuarbeiten".
Weiter hinten im Heft gibt es einen Artikel über polizeiliche Misshandlungen nach einer antifaschistischen Demo in Athen"- Warum der Artikel nicht am "Titel" anknüpft ist verwunderlich, gibt es hier doch eine persönliche Schilderung eines Anwaltes zu "besonderen Behandlungsmethoden" der Polizeibeamte, die die Ungleichmäßigkeit, aber auch die Verstrickung von Polizeibeamte und Neonazis verdeutlicht.
Gesamteindruck: So erschreckend die Tatsache einer Verstrickung von Polizei und Neonazis bzw. Verdachtsfälle zu einer direkten Beteiligung an Verbrechen, Mord besteht, bleibt die Frage nach bestehenden Zusammenhängen zwischen den Wahlerfolgen extrem rechter Parteien und ökonomischen Krisen bzw. deren sozialer Auswirkungen unbeantwortet. Wie schaffen es Neonazis, an das Alltagsbewusstsein normaler Bürger anzuknüpfen, wie schaffte Chrysi Avgi es in der Eurokrise ihre Kräfte zu bündeln? Ferner ist mensch gut beraten, die rechtspopulistischen Tendenzen nicht als isoliertes Phänomen, sondern als gesellschaftliche Problematik zu begreifen.

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