OX #118

OX #118
OX #118

OX #118
132 DIN-A-4-Seiten; € 5,50.- + CD
OX-Fanzine, Postfach 110420, 42664 Solingen
www.ox-fanzine.de
OX goes digital. Nun gibt es also auch die Ox-App für Smartphone und Tablets. Ein paar Seiten weiter erfahre ich was Punk alles sein kann: Ein intensives Gefühl von Freiheit und Gemeinschaft" (The Pit), wie (un)erträglich es als Dorfpunk ist (E-ALDI), bevor die neue Rubrik "Various Artists" (könnte auch Gemischtwarenlager heißen) alte Platten(cover), Altpunx, Plattenläden und Heimatgefühle (Beppo über Kaiserslautern).

Kalle karikiert den/die Interviewer und den/die InterviewpartnerInnen in bester MAD-Manier und liefert Beispiele wie es nicht laufen sollte, was besser vermeiden werden sollte. 7 Deadly Interview-Sins ist allerbeste Realsatire. Tom van Laak braucht wohl mal eine längere Auszeit und ehrlich, so langsam sind die Saufgeschichten nur noch ein Gähnen wert, Aber immerhin erkennt Tom, dass er eine moralische Abneigung gegen den Nebel im Kopf entwickelt.
THE DONOTS sprechen deutsch, Ingo hat den "Auftrag", klar Stellung zu beziehen und die Schnauze aufzumachen, wen ihm was nicht passt und stell sich vor wie es ist, selbst vor die Bühne zu stehen und an den "Eier gepackt zu werden". Monchi von FSF erklärt einige Textinhalte der aktuellen Platte und sieht sich selbst nicht als Politiker, sondern "als denkenden politischen Menschen". Das trifft auch auf Barney von NAPALM DEATH zu, der den Hintergrund zum Coverfoto erklärt und einsieht, dass er ein ziemlicher Sturkopf ist. Kevin Kuhn von KARIES hat ganz andere Intentionen und einigt sich auf Einflüsse von WIPERS und HÜSKER DÜ. Glen E. Friedman hat ein Bildband herausgebracht und war schon DIY, bevor es DIY genannt wurde. Es folgen dutzend einseitige Interviews, bevor ich meine volle Aufmerksamkeit der hervorragenden Biografie von Kent Nielsen widme. In "Wie aus mir kein Tänzer wurde" gibt es detaillierte, persönliche Einblicke aus seiner Jugendzeit, eine Retrospektive über Punk in Dänemark, Rebellion, Gewalt und Musik. Dazu gibt es Fotos, die den Punkesprit jener Tage zwischen 1978 bis 1988 dokumentieren.

Gesamteindruck:

Das OX hat die Seitenzahl noch einmal aufgestockt. An manchen Stellen wird eine Band- und Diskografie kombiniert und in einer "Timeline" mit Bildern veranschaulicht dargestellt. Gute Idee. Auch die ergänzenden Infotafeln zur Person sind eine qualitative Bereicherung. Seite dem Relaunch wird der Fokus nur noch auf Punk und HC gelegt, was gut ist. Leider gibt es dieses Mal keinen Schwerpunkt, denn der stellte bislang ein fachliches und kompetentes Qualitäts-Merkmal dar, das sich deutlich zu den ansonsten Interview-Quickshots abhebt. Was mir fehlt sind Anregungen und Impulse in Denken und Handeln, aber das OX ist das ultimative Medium für Infotainment zu Punk und HC, no doubt. JedeR, der/die gerade in diesen Genres einen neuen Tonträger veröffentlicht hat, bekommt im OX eine Plattform, sich kurz und bündig vorzustellen. Da bleiben in den meisten Fällen Gefühle und konstruktive Kritik auf der Strecke, weil nur über Musik geredet wird. Da wünsche ich mir mehr Aggressivität und Offensive in der Fragestellung, als nur musikalische Inhalte vermittelt zu bekommen, denn Punk is immer noch more than music, gelt, Spatzl?!
Und so sind für mich die Inhalte abseits von Musik wichtiger, wie z.B. das kurze Interview mit Glen E. Friedman über Punk und Fotografie. Ein Thema, welches auch schon in anderen Zines auch als Schwerpunkt (PUNKROCK!) aufgegriffen worden ist. Im subkulturellen Bereich gibt es weitaus mehr interessante Aspekte, als sich auf Musik zu beschränken. Aspekte, die Konflikte hervorrufen, die gesellschaftspolitische Zielvorstellungen aufzeigen, die strukturelle und funktionale Eigenheiten hervorbringen. Dass Medien Diskussionen aufgreifen, in denen es wichtig ist, Formen der Selbstständigkeit und Abhängigkeit innerhalb einer Subkultur zu finden.

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