SLIME - Fick das Gesetz

SLIME
"Fick das Gesetz" 7"
Aggressive Punk Produktion
Die letzte SLIME-Single, die ich in den Händen hielt, war die "Schweineherbst". Ein Song, der den Deutschlandwahn und Rassismus thematisierte. 2015 ist es Zeit, das System, Pardon, das Gesetz zu ficken. In bester deutsch-Punk-Tradition scheißen SLIME auf Gesetz, Grenzen und Tabus. Das klingt, als seien SLIME immer noch verärgert und abgeneigt, gegenüber Autoritäten und staatliche Institutionen.

Doch hey, Punx, hätten es SLIME früher gewagt, dafür eine Country-Cover-Version auszuwählen, um ihre verbalen Backpfeifen zu verteilen, wären sie nicht nur angespuckt, sondern ihnen sogar schlimmeres widerfahren, denn: Die Punker- und linke Hausbesetzer-Szene der frühen 80er Jahre kannte kein Pardon für "Verräter". Nicht selten wurde dafür eine Band mit öffentlichen Angriffen und Nichtachtung bestraft. Nun, Punk scheint eine ewige soziologische Baustelle zu sein. Ein "Alle gegen Alle" scheint immer noch brandaktuell, weil Dogma und Szene-Regeln Verhaltensweisen bestimmen. SLIME haben sich davon entfernt und ein Veränderungspotential entwickelt, auch, um sich eben aus diesen engmaschigen Vorgaben zu lösen und sich nicht länger mehr darauf zu beschränken, zu machen, was von ihnen erwartet wird. Dennoch besteht die Gefahr, dass SLIME in der neuen Phase als Cover-Band in Erinnerung bleibt, was die relativ hohe (Band)Überlebensfähigkeit in Frage stellen könnte. Aber eines ist garantiert: SLIME sind zuverlässig und haben eine experimentelle Offenheit für Outlaws und linkspolitische Dichter und Denker. Das Cover von Bob Wayne ist dann auch mehr eine Referenz an einen Outlaw, der in seinen Country-Songs immer wider auch mal härtere lyrische Töne anschlägt und gegen das System aufbegehrt. Insofern ist es für mich nachvollziehbar, dass SLIME in ihrem Weiterbildungsprozess gerne auf den Fundus von Rebellen zurückgreift, um dabei doch die eigene Position im politisch ganz linksaußen angesiedelten Engagements zu verstärken. Da darf punk ruhig auch seine musikalischen Scheuklappen absetzen und mit einem lauten Yipieeayyeah den anarchistischen Esprit aufsaugen, den Bob Wayne und insbesondere Erich Mühsam ("Sich fügen heißt Lügen") versprühen, denn in der gutgemeinten Botschaft liegt die Absicht, die Anziehungskraft für politische Ideen und Inhalte zu stärken, die jenseits aller Schichten uneingeschränkt gültig sind, so lange die politischen Hoffnungen und Zielsetzungen und Aktivitäten nicht in einem luftleeren Raum verpuffen. Vielleicht sind SLIME dafür eher in der Vermittlerrolle, bildungspolitische Theorien lautzumalen, aber wenn dadurch die bürgerlich romantische Politik angekratzt wird, mag demnächst auch wieder eine Herbstoffensive anstehen: Zerschlagen versus zuschlagen!

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