OX #119

OX #119
OX #119

OX #119
132 DIN-A-4-Seiten; € 5,50.- + CD
OX-Fanzine, Postfach 110420, 42664 Solingen
www.ox-fanzine.de
Peter Pank ist auch in der 55. Folge vom Schicksal geplagt, währenddessen Tom van Laak mit selbigen hadert, aber auch immer die gleichen Handlungssituationen erlebt und beschreibt: Zu viel Alkohol trinken, sich hinterher darüber beklagen und in Selbstmitleid verfallen, Schreckensszenarien über Krankheiten ausmalen und auf Besserung hoffen. Die in linken Communities umstrittenen und textlich kontrovers diskutierte Band AGNOSTIC FRONT bekommt erneut von Joachim Hiller eine Plattform.

AF-Sänger Roger Miret erklärt die anti-amerikanische Symbolik des aktuellen Covers und erklärt, dass "die amerikanische Fahne zu AG dazugehört". Gleichzeitig kritisiert Roger die Korruption und die ungerechten sozialen Missstände in Amerika. Diese Kritik widerspricht Roger Mirets vorherigen Aussagen und Texte, in denen die Band gegen Sozialhilfe(Empfänger) und Einwanderung hetzte (wobei die Kritik insofern ad absurdum geführt wird, da Roger Miret selbst Immigrant ist). Aber  Roger hat inzwischen eingesehen, dass "wir alle das Potential(haben), uns zu verändern, und wer sich nicht verändern will, der muss mit den Konsequenzen leben".
HC-Helge und Joachim zeichnen die wechselhafte, schicksalhafte History von POISON IDEA nach, während SLEAFORD MODS ihr Bühnen-Moves und Rollen erklären. Ex OX-Praktikant und LOVE A-Vorstand Jörkk orientiert sich beim Songschreiben eher an BON JOVI und fühlt sich bei "Papa Jürgen" (ROOKIE RECORDS) gut aufgehoben. WAR ON WOMEN ist nicht nur "ein feststehender politischer Ausdruck", sondern eine feministische Ideologie und ein Band-Konzept, männlich dominierte Räume zurückzuerobern, denn auch "der Punk in mir fordert das heraus" (Shawna Potter). Auch Felix aka ADAM ANGST fordert die ZuhörerInnen heraus, indem er die Gegensätzlichkeiten der Menschen beschreibt (Gut vs. Böse, Teufel und Gott, Schein und Sein). PRONG gibt's ja immer noch und werden von Joachim zu ihrem aktuellen CoverAlbum befragt. Naja, das ist ein Lückenfüller, abgehakt. Schade, auch das Gespräch mit Alex Ogg über das DK-Buch hat durchaus vorhandenes Potential verschenkt. Das ändert sich bei Friedemann von COR, den Joachim zum sozialen Engagement und Projekt der Band befragt, Geld für Musiker-Equipment zu sammeln. Zudem beschreibt Friedemann die krassen Gegensätze, die die Band COR in Zusammenhang mit Freiheit und staatliche Vereinnahmung auf ihrer Tour auf Kuba erlebt hat.
Kent Nielsen tanzt immer noch (nicht) den Punk. Und ich bin jedes Mal aufs Neue gespannt, wie er sich und wie sich Punk/HC in Dänemark weiterentwickelt. Kent schildert sehr detailliert und persönlich rückblickend den Werdegang von Punk in Dänemark und erinnert sich in dieser wandelhaften Zeit an viele Stationen und Begegnungen, die ihn langsam und kontinuierlich vom Punk mit "destruktiven Scheiß" zum selbstkritischen, konstruktiven Punk werden lässt. Daran schließt eine weitere Retrospektive an: Anton von den UPRIGHT CITIZENS beschreibt die Faszination an Punkrock, wie es zu Bandgründung kam und was das für positive Auswirkungen hatte.
MOSCOW DEATH BRIGADE standen Anfang des Jahres gehörig in der antifaschistischen "Schusslinie". Die Kritikpunkte werden nach dem kurzen Interview in einem Infokasten erklärt. Seltsam nur, dass diese im Interview ausgeklammert wurden, böte sich doch gerade hier eine Möglichkeit zur Stellungnahme an. Links-Politisch geht's weiter mit einem Interview eines Mitglieds des Polit-Cafés Azzoncao über "Dortmunder Zustände" und "über ihren Versuch, die Erinnerung an(...)Naziopfer am Leben zu erhalten".

Gesamteindruck:

Joachim erlebt den Jahreszeitwechsel als Flut von Tonträger-Veröffentlichungen und scheint sich für alle Labels, Bands und Promo-Agenturen zu entschuldigen, wenn nicht alle Bands, die gerade im Frühling etwas veröffentlicht haben (lassen), berücksichtigt werden. Die OX-Redaktion hat gesiebt und sich auch seit dem Relaunch auf Qualitätsmerkmale konzentriert, die die Bereiche Punkrock/Hardcore abdecken. Andere Bereiche wie "Indie" und "Rock and Roll" wurden abgestoßen. Seitdem gibt es mehr qualitativ verbesserte Interviews, die nicht nur das Infoschreiben einer Band wiedergibt und mit einigen Anmerkungen (Infokasten, Timeline) ergänzt werden. Das ist nicht nur gut strukturiert, sondern wertet das OX-Infotainmentsystem auf. Auffällig ist Joachims große aktive journalistische Beteiligung am aktuellen Heft, setzt mit der Ausgestaltung der Fragen weitere Glanzpunkte einer sehr guten, abwechslungsreichen und unterhaltsamen Ausgabe, die auch mit den Standard-Rubriken (insbesondere auch die Film-Reviews) ein hohes Niveau erreicht, um weitestgehend umfassend, sachlich und aufklärerisch zu informieren, wobei ich mir an vielen Stellen noch mehr Analysekritik wünsche, das der Inhalt perspektivisch differenziert betrachtet und der vorherrschende konservativen Leitfaden im OX vermieden wird.

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