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California über alles Dead Kennedys-wie alles begann

California über alles Dead Kennedys-wie alles begann
California über alles Dead Kennedys-wie alles begann

California über alles
Dead Kennedys-wie alles begann
v. Alex Ogg
240 Seiten
1. Aufl. Mai 2015
17,00 €(D)
ISBN 978-3-95575-008-4
ventil verlag
Zum Buch: "California über alles", betitelt nach einem Song der Dead Kennedys, ist das erste umfassende Buch über eine der wichtigsten und einflussreichsten US-Punkbands. Es konzentriert sich auf die Gründungs­phase der Band in der Szene von San Francisco bis zum Erscheinen des ersten Albums "Fresh Fruit For Rotting Vegetables" (1980) und dem Ausstieg des ersten Gründungsmitglieds, Drummer Ted, im Februar 1981. Autor Alex Ogg sprach dafür mit vielen Zeitzeugen. Das Buch enthält Artworks von Winston Smith, Collagen, Flyer, sowie zahlreiche, teils bislang unveröffentlichte Fotos und Auszüge aus dem Dead Kennedys-Hard Rock Comic.

Gesamteindruck:

Vor dem Hintergrund des langjährigen Rechtsstreits zwischen Jello Biafra und den weiteren Bandmitgliedern hatte es der Journalist Alex Ogg nicht leicht, den anfangs als Booklet für die Neuauflage der 1. LP zum 25-jährigen Bandjubiläum vorgesehenen Text, zu Ende zu schreiben, gab es doch immer wieder Diskussionen und kleinkarierte Auseinandersetzungen über Form und Aussagen. Dabei ist Alex selbst Fan und beabsichtigte, der Band mit ihren ersten frühen Songs und dem 1. Album ein Denkmal zu setzen, erkannte in selbigem "ein perfektes Hybrid aus Humor und Polemik". Alex, selbst früher Fanziner und Musik-Rezensent - schwärmt gerade zu in den höchsten Tönen mit Allegorien und Metaphern, wenn er Inhalt, Aussage, die Musik und das Cover beschreibt. In 7 Kapiteln, einer Schlussbemerkung und Anmerkungen fasst Alex die Bandgeschichte bis zur 1. LP und ihren Einfluss auf andere Musiker*innen und Bands zusammen, darunter auch Kommentare von Anton (UPRIGHT CITIZENS), Zahni (NEUROTIC ARSEHOLES), Stephan Mahler (SLIME)...und weitere Zitate mit Referenzen aus dem OX-Fanzine, was vor allem - wie ich vermute - Übersetzer Joachim Hiller geschuldet ist, der somit ordentlich Eigenwerbung für "sein" Magazine betreibt.
Im Verlauf des Buches werden die Differenzen insbesondere zwischen Jello Biafra und Gründungsmitglied East Bay Ray sichtbar, die mitunter sehr differenzierte Sichtweisen auf z. B. die Platten-Produktion und Entstehung der Songs haben. Hilfreich ist dann manchmal, wenn sich neutrale Personen wie Produzent Geza X an die Aufnahme-Sessions erinnert und ausführlich, detailliert beschreibt, wie die Single-Version von "Holiday in Cambodia" entstanden ist und mit welchen technischer Ausrüstung aufgenommen wurde. Alex' akribische Recherche und Dokumentation eröffnet auch einigen die-hard-Fans bislang unbekannte Anekdoten wie bspw. die Probleme mit der ersten Pressung des Debütalbums, bei der Masteringenieur Kevin Metcalfe die Bandmaschine falsch kalibierte, sodass die ganzen tiefen Frequenzen fehlten und Jellos Stimme klingt, als sei er auf Helium.
Die Zeitzeugen attestierten Jello eine verstörende, theatralische Bühnenperformance.
Die Selbstzerfleischung zwischen Jello und Ray wird zwischen den Zeilen immer wieder deutlich und offenbart eine Tragik, die ins Skurrile und Lächerliche abdriftet. Alex thematisiert Jellos Ambitionen Bürgermeister von San Francisco zu werden, verschweigt aber die Anfeindungen und körperlichen Übergriffen vieler Punks, die ihn und damit verbunden auch die Band selbst und Jellos Label Alternative Tentacles, des Verrats/Ausverkaufs bezichtigten. Ray gibt zwar zu, dass Jello Frontmann und zugleich Sprecher der Band war, der aber Ideen und Aussagen der Bandmitglieder als seine vermittelte, was 1984 beinahe zur Auflösung führte. Aber DK - das war Biafra, und mit dieser Nummer stellt sich natürlich die Frage: Wie viel Dissidenz ist auf den Alben noch übrig? Selbst wenn die Musik prinzipiell die gleiche bleibt.
Im Fokus liegt nicht nur die Sezierung jedes einzelnen Songs des Debütalbums, sondern auch der Umgang mit dem Erbe der bekannten Hardcore-Punk-Institution.
 Mir war während des Lesens deutlich geworden, dass es am Besten ist, sich dabei einfach die alten Songs und das 1. Album anzuhören und den ganzen Streit vorbei ziehen zu lassen, ansonsten drohen Jellos Worte Realität zu werden: "Your emotions make you a monster".

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