OX #123

OX #123
OX #123

OX #123
132 DIN-A-4-Seiten; € 5,50.- + CD
OX-Fanzine, Postfach 110420, 42664 Solingen
www.ox-fanzine.de
Joachim hat viel darüber nachgedacht, ob das TERRORGRUPPE-Cover im Kontext der Anschläge in Paris angemessen sei und findet, "der grinsende Archi mit seinem flauschigen Herz-Pulli bringt die ganze Widersprüchlichkeit bestens auf den Punkt".
Nach den üblichen, aber sehr informativen und gut ausgewählten "Goodies" bzw. "Oldies" aus den Sparten "Live-Foto", Buch, Cover(-versionen) und LP-Klassiker gibt es bereits die 59. Peter Pank-Folge und die ernüchternde Erkenntnis, dass Punk heute nicht mehr so gefährlich ist.

HC-Helge schreibt ja mittlerweile auch fürs OX. Er arbeitet als Sozialarbeiter in der Flüchtlingshilfe und hat sich die Frage gestellt, was es heißt, ein Flüchtling zu sein. er hat die Familiengeschichte in diesem Kontext aufgearbeitet, die sich bis 1840 zurückverfolgen ließ und recherchierte, wo die Vorfahren im Krieg gekämpft haben und woher Teile der Familie stammte und wohin sie flüchten musste.
Darüber nachgedacht hat auch Joachim und findet Parallelen zu "Heimatvertriebene", wie sich die Geschichte wiederholt.
Alex Gräbeldinger und Tom van Laak nutzen das Schreiben als Eigentherapie. Und das scheint zu helfen. Alex kann endlich mal durchschlafen. Und Tom sieht einen interessanten Abend auf sich zukommen.
Was haben TERRORGRUPPE, IGNITE und Adele gemein? Genau. Sie machen eine neue Platte. Und wenn das Leben nicht dazwischenkommt, dann gibt es im OX die Antworten nachdem Warum. Joachim war ein fleißiger Fragensteller. Mit Peter Hein von FEHLFARBEN traf er sich persönlich, was sich positiv auszahlt, denn das Gespräch wird flüssig geführt und die Biographie in Teilen aufgearbeitet. Es scheint, als ob Joachim das OX-Imperium demnächst mit einem weiteren Sub-Magazin ausweitet. Hat er in Peter Hein doch einen kompetenten Fachmann für Motorsport gefunden. Und dann nochmals Joachim, der KILLING JOKE interviewt. Verdammt, was ist der Kerl produktiv?! Da spielt persönliches Interesse aber auch eine große Rolle.
Frank Weiffen hat einen guten Artikel zu Deutsch Rap geschrieben und leitet her, inwieweit dieses Genre Parallelen zum Deutsch Punk aufweist und welche nachhaltige Bedeutung Rap als "ultimative subversive, politische Musik hat", beruft sich auf Patrick Orth von JKP (u.a. K.I.Z. ANTILOPENGANG), der das klar verneint, weil die (Rap)Musik zwar am Puls der Zeit ist, aber auch schnell unzeitgemäß und "nie so groß war wie Punk in England". Da muss ich ihm schon widersprechen, denn gerade linke Hip Hop Acts (TickTickBoom-Kollektiv und andere) haben sehr wohl eine Punk-Sozialisation und rappende Punks oder Rapper die auch Punks sind verbinden, widersprüchliche Inhalte offen zeigen, provozieren und offensiv sind. In linken Zentren wird linker Rap gespielt. Es nicht relevant, ob Rap dem Punk den Rang abläuft, sondern die Gemeinsamkeiten erkennt und eine Brücke schlägt zwischen Welten, die sich einerseits sehr ähnlich sind, aber nur selten Berührung miteinander finden. ZSK, Irie Révoltés und YOK auf einem Konzert? Klasse Mischung und Bombenstimmung!
SLAYER  werden sich nie auflösen und machen einfach immer weiter wie AC/DC, MOTÖRHEAD. Gitarrist Kerry King liebt es Gott zu spielen, führt eine Schlangenfarm und züchtet jedes Jahr neue Variationen. Und Kent Nielsen ist immer noch auf den Spuren seiner Vergangenheit und beschreibt einerseits die fortschreitende international Vernetzung der dänischen Punk-Szene, aber auch die Streitereien mit sexistischen Punkbands oder Punk-Krawall-Touristen, die 1985 Punk weiter entzweite (Stumpfsinn vs. Kreativität, Saufen vs. Posi-HC....).

Gesamteindruck:

Das OX ist in vielerlei Hinsicht ein Magazin, das engagiert zu Werke geht und zumindest in Teilen biographische Erzählungen präsentiert, fundiertes fachliches Wissen vermittelt und unbewusst fokussierte Motive erarbeitet, inwieweit Punk auch ein konsumorientiertes Produkt ist, das es zu bewerben gilt. Das ist alles schön stylish und gut aufgearbeitet. Was fehlt, ist der Revolutionsesprit, der Soundtrack aus den urbanen Freiräumen. Vielleicht ist die Folge des Kulturkampfes zwischen Punk und 68er-Bewegung, dass es keinerlei Aufklärung über ­gesellschaftliche Missstände mehr braucht. Mir sind Artikel, Interviews aber wichtiger, die im Spagat zwischen Alltagsüberleben, politischer Stellungnahme, linken Solidaritätserwartungen und Abgrenzungen zum Musikkapitalismus Personen, Orgas vorstellen, die eine persönliche Innensicht mit einem wachen Blick auf die politischen Verhältnisse zusammenbringen. Das OX indes lebt vor allem von gegenseitiger Zuarbeit, Ermutigung und Inspiration, Punk, HC...zu skizzieren. Da ist kein Platz für (politische) Aufbruchstimmung.

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