Tierbefreiung #89

Tierbefreiung #89
Tierbefreiung #89

Tierbefreiung #89
84 DIN-A-4-Seiten; €3,00.- 
die tierbefreier e.V., Postfach 150325, 44343 Dortmund
www.tierbefreiung.de
Die aktuelle Ausgabe thematisiert das Engagement in der Tierbefreiungsbewegung für Refugees und gegen Rassismus. Mirjam Rebhan erklärt im Editorial wie dieses Engagement zu vereinbaren ist ("weil Menschen auch Tiere sind"), schildert in einem Artikel wie und wo sie helfen konnte und welche Widersprüche die eigenen Ideale "behindern" bzw. davon abhalten, dass Geflüchtete/Refugees bspw. vegane Nahrung bekommen und verweist darauf, wie die Bündnisgruppe MASTANLAGEN WIDERSTAND dieses Dilemma gelöst hat.

Im ausführlichen Interview schildert das Bündnis warum sie einen Soliconvoy organisiert und wochenlang Flüchtlinge an der ungarischen Grenze und in Ungarn mit Lebensmitteln, Trinkwasser, Kleidung und Decken versorgt hat, kritisiert die Abschottungs-, Ausgrenzungspolitik, benennt positive Aspekte im Erstarken der solidarischen Zivilgesellschaft und geht auf die Belastungen der "repressiven Scheißsituation" ein.
Helen Bäumer, Karl-Caspar Linde und Maria Schulze untersuchen die Fluchtursachen und erklären die Zusammenhänge zischen Tierhaltung, EU-Politik, Vertreibung und Flucht. Demnach ist die EU-Politik eine der Hauptursachen für Flucht und Vertreibung, aber auch die Art der Verteilung von Nahrungsmitteln, die zu einer Verteilungsungerechtigkeit und Ausbeutung führt. Die EU schaffe Strukturen, die Unterernährung, Landraub, Armut und Zerstörung der Lebensgrundlage ermöglicht/begünstigt und sich am Wirtschaftswachstum orientiert.
BerTA und Tierbefreiung Hamburg zeigen sich solidarisch und sehen sich als Teil einer emanzipatorischen, progressiven Bewegung in der Pflicht, die Ausbeutung und Diskriminierung von nichtmenschlichen Tieren und Menschen zu beenden. Das erklärt auch das Engagement der Frankfurter Tierbefreiung gegen FRAGIDA. Der Widerstand wird rückblickend als Erfolg bewertet, der vor dem Hintergrund rechtsoffener Tendenzen in der Tierrechtsbewegung notwendig sei.
Sina Ahrens schildert ihre persönlichen Gedanken/Gefühle und gesammelten Erfahrungen mit der Situation der Flüchtlinge an der ungarisch-kroatischen Grenze, die nachhaltig wirken und wie es sich anfühlt, flüchten zu müssen und im Gegenzug ein sicheres Zuhause zu haben.
Was ist eigentlich mit den Haustieren, die Geflüchtete zurück lassen und was ist mit den Tieren, die Geflüchtete mitnehmen? Loni Müller und Bettina Marie  berichten darüber an Beispielen privater Hilfsorganisationen in Syrien und Deutschland.
Maria Schulze berichtet ausführlich warum Antirassismus, die Solidarisierung mit Geflüchteten und die Bekämpfung neurechter Bewegungen notwendiger Bestandteil von Tierbefreiungsaktvismus ist. Nach einigen niedrigschschwelligen Ausführungen und Erklärungen (Neurechte, Ideologie der Neuen Rechten...) liefern die AutorInnen die entscheidenden Hinweise und Zusammenhänge, dass es nicht um "Hierarchisierung von politischen Kämpfen(geht), sondern darum zu verstehen, warum alle wichtig sind(...)sich mit Allen zu solidarisieren", die gegen Ausbeutung und Unterdrückung kämpfen.

Gesamteindruck:

Die gesellschaftliche Tierbefreiung wird auch verstärkt im Kontext mit anderen emanzipatorischen Bewegungen wahrgenommen und versucht sowohl Kooperationen innerhalb der abolitionistischen Tierrechts- und Tierbefreiungsbewegung zu vertiefen und weiterzuentwickeln. Die praktische und solidarische Hilfe für Refugees und auch die Bekämpfung neurechter Strukturen ist eine konsequente Orientierung an kreative Spontaneität und Vielfalt der Tiebefreiungsbewegung, verlangt aber auch viele Ressourcen und Kapazitäten, die kräftezehrend sind. Solange auch Menschen diskriminiert und ausgebeutet werden, wird es auch Speziesismus geben. Tierrechte und Menschenrechte müssen folglich Hand in Hand gehen. Deshalb ist es wichtig, dass sich TierrechtlerInnen auch für Menschenrechte und Flüchtlinge einsetzen. Besonders dann, wenn diese in Gefahr sind.

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