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Ein Tag Hagel und immer was zu essen da

Ein Tag Hagel und immer was zu essen da
Ein Tag Hagel und immer was zu essen da

Ein Tag Hagel und immer was zu essen da
v. Ferdinand Führer / Roland van Oystern
168 Seiten; 15,00 €
ISBN 978-3-95575-056-5
ventil verlag

Info:
Ferdinand und Roland fahren mit einer Schrottkarre nach Rumänien, um dort 80 Tage mitten im Winter in einem 200-Häuser-Dorf über den jeweils anderen Tagebuch zu führen. Das Ergebnis dieser ungewöhnlichen Grenzerfahrung ist dieses (Tage)Buch. Neben den Tagebüchern der beiden enthält diese wunderbare Chronik einer Freundschaft auch Kurzgeschichten, Gedichte, quasi ethnologische Skizzen über die Karpaten und weitere, teils gemeinsam verfasste Texte ohne näheren Gattungsbegriff sowie einen furios gescheiterten Briefwechsel mit Prince Charles.

Gesamteindruck:

Es wäre vermessen, zu behaupten, dass die beiden irgendwie 2 Loser sind, auf der Flucht vor der Verantwortung, vor dem alten Leben. Immerhin, und dass wird beim Lesen der Tagebuch-Einträge deutlich, scheint die Odyssee der Selbstfindung auch etwas Gutes zu haben. Jeder der beiden lernt den andren besser kennen und berichtet über die merkwürdigen Verhaltensweisen/Eigenschaften, die aber weniger ein Meckern und Ablästern darstellen, als mehr ein Verwundern und sich lustig machen. So ergeben sich zwei wesentliche Aspekte, die bei der freiwilligen Zusammenkunft zum Tragen kommen. Der soziologische Aspekt und die unterschiedliche Herangehensweise, den Tag zu strukturieren. Auf sehr unterhaltsame Art und Weise bieten die verschiedenen Sichtweisen und Perspektiven zu gleich erlebten Ereignissen interessante Erkenntnisse, die manchmal subtil, profan, heiter oder einfach stillschweigende Zustimmung finden. Kultur, Nahrung, Freizeit. Es ist erstaunlich, was sich die beiden einfallen lassen (müssen), um in der Einöde die Grenzen des Möglichen auszuloten, ohne aufzugeben und nach Hause zu fahren. Die Tagebucheinträge werden mit kurzweiligen Kurzgeschichten aufgelockert, wobei einige überflüssig sind ("Der große Bruch", "Das gute Gespräch"), andere einen tragischen Hintergrund haben und humorvoll geschrieben sind ("Das wahre Märchen vom Zwiebelmann").

Fazit:

"Ein Tag Hagel und immer was zu essen da" ist eine Mischung aus Selbstflucht und Sinnsuche. Der Selbstfindungstrip mit abstrakter Lyrik/Poesie und schriftlichen Aufzeichnungen ermöglichen einen offenen emotionalen Zugang. Ferdinand und Roland sind sympathische Zeitgenossen, die wie Dick und Doof, Ernie&Bert, Ratz und Rübe, Klaus&Klaus das Potential haben, sich trotz persönlicher Probleme und Niederlagen, Pleiten, Pech und Pannen auf ihre wahre Freundschaft berufen können, um sich nicht entmutigen zu lassen.

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