AUF JAHRE UNSCHLAGBAR #4

AUF JAHRE UNSCHLAGBAR #4
AUF JAHRE UNSCHLAGBAR #4

AUF JAHRE UNSCHLAGBAR #4
40 DIN-A-5-Seiten; €???
fanzine@aufjahreunschlagbar.de
Chriz und Mika leben ihre Obsession für Fußball aus und haben sich in der Vorbereitung für diese Ausgabe "verzettelt", sprich, sich nicht abgesprochen, sodass die Vielzahl an geführten Interviews in der nächsten Ausgabe erscheinen wird (Martin von CHEMIEVERSEUCHT; Andreas Mösli, Geschäftsführer von FC Winterthur).

Stemmen (NOTGEMEINSCHAFT PETER PAN) berichtet im Interview über seine Liebe zum Club St. Pauli, schildert einige Kritikpunkte und Gegenproteste zu "herben Fehltritten im Sponsoringbereich" und der kommerziellen Aufwertung im Stadion. Es folgen im Heft verteilte (Oberliga-, Club-, Kreisliga)-Spielberichte, die so unterhaltsam und gehaltvoll sind wie Senioren Fans, die von der guten, alten Zeit plaudern. Aber immerhin böten diese anscheinend genügend Potential für ein Interview. Denn was die im Heft eingestreuten Zitate/Kommentare dieser passionierten Randgruppe offenbaren, sind an Komik kaum zu überbieten.
Kaisa von FATALE VOLLGEN schildert auf 13(!!!)Seiten vom Aufstiegsspiel des FC Neubrandenburg, von saufend und rauchenden Auswärtsfahrten in den 90er Jahren und zu Fanfreundschaften mit Pommes....Pardon, Pommern Stralsund und anderen. Habe ich eigentlich schon mal erwähnt, dass ich selbst auch mal im Verein gespielt habe? Ich war Torhüter, jemand, der verhindern musste, dass das Rund eins Eckige kommt. Davon, dass mir der eigene Abwehrspieler  bei der Ballannahme im vollen Lauf gegen die Hand getreten hat? Dass ich beim Sprung ins Eck gegen die Latte geknallt bin? Nein? Vielleicht werde ich demnächst auch mal ein eigenes Fußball-Zine herausbringen. Titel: 3 Ecken-1 Elfer. Und von meinen Kreisklasse-Spielerfahrungen auf und neben dem Platz berichten.

Gesamteindruck:

Kreisligafussball ist, wenn nach herben Klatschen der Spielbericht ausfällt – nach Siegen aber halbe Romane verfasst werden. Aufkommende Euphorie oder Aufbruchstimmung kommt offenkundig nur dann zutage, wenn nach dem Spiel an der Theke im Stammlokal oder im Zimmer mit der Bettwäsche des Lieblingsverein verpasster Chancen hinterhergetrauert wird. Ansonsten sind Berichte über die Mittelmäßigkeit auch ein Beleg für ein gescheiterter Versuch, dem Sieg hinterherzulaufen. Ich wünsche mir Action, mehr Biss und Offensive, ansonsten befürchte ich eine Fortsetzung des niedrigschwelligen Gesamtniveaus. Einziger Höhepunkt ist die dem Fanzine beigelegte Kurzgeschichte in DIN-A-6-Format, die die emotional-sozialen Momente eines Kreisklasse-Fußballtrainers einfängt und schonungslos das ganze trostlose Milieu widerspiegelt und an die englischen Sozial-Komödien erinnert.

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