Sein Motor lief

Gewiss, Sie sind
sehr fleißig. Aber
fehlt da nicht
etwas? Machen
Sie sich das Leben
ein wenig schö-
ner. Brechen Sie
aus der täglichen
Routine aus, seien
Sie einmal wieder
spontan und tun
Sie das, wozu Sie
gerade Lust haben.

Las der Mann am nachfolgenden Tag in der Zeitung.
„Ja, klar, hab ich gestern doch gerade gemacht. Bin schick auf der Fahrt zum ’REAL’- Supermarkt plötzlich und ganz spontan abgebogen und hin zur Spielothek. Naja, eigentlich genauso spontan, wie die Tage zuvor. Den zweiten Einkauf habe ich seinlassen, ging nicht mehr, hab mich im Kopf zu elendig gefühlt, aber ich war wenigstens noch bei Tante ’Norma’ und hab für’s Wochenende geshoppt, das notwendigste jedenfalls, Butter und so. Die Fressalien sind mir dann bei den Minusgraden im Auto eingefroren, weil ich da wieder nicht mehr rauskam aus der Spielo.“
Dem Mann war schlecht.
„Spontan, spontan, spontan, dem Alltag und der Routine entfliehen. Nicht schon wieder mit mir. Ja, fleißig bin ich. Aber wie soll ich denn sonst hier ausbrechen? Auf irgendeinem zugefrorenen Fluss rumlatschen und vielleicht noch einbrechen? Hier ist doch nichts los für so einen Menschen wie mich, kein Swingerklub, kein Pornokino, kein Straßenstrich, schon ewig kein Wesen mehr mit einem anderen Geschlechtsteil, das bei mir spontan mal klingelt oder läutet und wenn die Sterne günstig stehen, es einflößend und irgendwie befehlend ausströmen, könnte dieses Wesen voller Lust und geiler Bereitschaft vor mir den Slip wenigstens bis in die Kniekehlen runterrutschen lassen.
Spontan, spontan. Wie denn? Mir fällt nichts ein in diesem Kaff! Oh Mann, dann bleib ich eben fleißig und schreib einfach das ab, was da noch so in der Zeitung steht! Übelkeit und Brechreiz, zugestellte Birne her oder hin!“

Leiche im Keller zahlte jahrelang weiter Miete

Mann starb unbemerkt. Der Dauerauftrag lief weiter.

München – Eine  mumifizierte  Lei-      zug  überwiesen.  Als  die  Zahlun-
che hat in München jahrelang auto-      gen  ausblieben,  wollten  Mitarbei-
matisch     weiter    Miete    gezahlt.      ter der  Hausverwaltung nach dem
Hausmeister fanden  den Toten im       Rechten sehen  und  fanden einen
Keller eines Münchner Hauses – er      zugestellten und vollgemüllten Kel-
saß vollständig mit Schuhen, Hose,      lerraum vor, den sie zunächst nicht
Hemd  und   Arbeitsmantel   beklei-      betraten.   Erst als die Hausverwal-
det auf einem Stuhl.                              tung sich entschloss,  eine Entrüm-
   Nach ersten  Erkenntnissen  war       pelungsfirma  zu  beauftragen  und
der alte Mann vor  mindestens drei       den Keller auszumisten, wurde der
Jahren gestorben.  Er hatte in dem       Tote entdeckt.
Kellerraum gewohnt. Vermisst  ge-            Als der Mann starb,  war er nach
meldet   hatte   ihn   niemand.  Der        Polizeiangaben vermutlich 78 Jah-
Mann   hatte  den   Kellerraum  im         re alt. In seinem Kellerraum wurde
Jahr  2001  gemietet,    bis August         eine  Tageszeitung  vom   17. Mai
2012 wurde die Miete per Bankein-       2009 entdeckt.

„Tägliches fleißigsein hin oder her, so möchte ich aber auch nicht enden. Obwohl ich schon seit dreißig Jahren weiß, im Keller ist der siebente Himmel, aber auch nur, wenn man das im atmen noch mitbekommt.“

 … Aber
fehlt da nicht
etwas? Machen
Sie sich das Leben
ein wenig schö-
ner. Brechen Sie
aus der täglichen
Routine aus, seien
Sie einmal wieder
spontan und tun
Sie das, wozu Sie
gerade Lust haben.


Der Mann sprang spontan auf, zog sich die Klamotten über und schlug spontan die Tür hinter sich zu. Als er auf der Straße stand, wusste er nicht, was er sich schöner machen sollte. Er stieg ins Auto und passte auf, dass er beim Ausparken rückwärts niemand anderen rammte, hielt später irgendwo, nahm den Gang raus und zog die Handbremse an. Ein Parkplatz an der Fernverkehrsstraße, ein Rastplatz. Der Mann hatte seine Fahrt gar nicht bemerkt.
„Gut, wenigstens pinkeln kann man hier.“ Er stapfte etwas durch den Schnee, holte sein Ding raus und stellte sich an den erstbesten Baum des angrenzenden kleinen Wäldchens. Der Motor lief noch, und als er geradeaus in das kahle laublose Wäldchen blickte, sah er einen Mann gebückt ohne Hose, sah einen zweiten an ihm von hinten rumfummeln, sah, wie der stehende dem gebückten von hinten seinen Schwanz reinrammte.
„Komisch, nur zehn Meter entfernt und das bei der Kälte.“ Der Mann steckte seinen kalten Schwanz zurück und ging seinem Motorgeräusch entgegen.

 

J. Landt

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