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Kapitalfehler

Wie unser Wohlstand vernichtet wird und warum wir ein neues Wirtschaftsdenken brauchen
Kapitalfehler

Kapitalfehler
- Wie unser Wohlstand vernichtet wird und warum wir ein neues Wirtschaftsdenken brauchen
v. Matthias Weik&Marc Friedrich
352 Seiten; €(D) 19,99.-
ISBN 978-3-8479-0605-6

www.eichborn.de
Info: Die Finanzkrise 2008 hat die Weltwirtschaft an den Rand des Abgrunds getrieben. Doch ihre Ursachen sind bis heute weder verstanden noch behoben worden. Marc Friedrich und Matthias Weik zeigen, warum der Kapitalismus immer wieder daran scheitert, unseren enormen Wohlstand fair und nachhaltig zu verteilen. Sie untersuchen, warum er periodisch seine Innovationsfähigkeit und seine Kraft zur Erhöhung von Wohlstand, Lebensqualität und sozialer Sicherheit verliert. Warum zeitweise nur noch die Interessen von Konzernen, Superreichen und einer Finanzelite zählen, die sich von der Realwirtschaft fast vollständig abschottet.

Anders als ihre Verfechter behaupten, sorgen unregulierte Finanzmärkte gerade nicht dafür, dass Kapital an die für den allgemeinen Wohlstand besten Stellen gelangt. Wenn 0,1 Prozent der Weltbevölkerung entscheiden, wie 80 Prozent des weltweiten Vermögens investiert werden, dann hat das nichts mit freien Märkten und mit Wettbewerb zu tun. Im Gegenteil: Finanzkapitalismus ist schlicht und einfach ganz schlechter Kapitalismus! Denn er verteilt vorhandenen Wohlstand total ineffizient. Friedrich & Weik erklären allgemein verständlich, wie ein vernünftiger Kapitalismus wirklich funktionieren kann.

Gesamteindruck:

Die Autoren haben sich die Kritik (Hang zu tagesaktueller Faktensammelwut, oberflächliche Krisendiagnose) zu ihren ersten beiden Büchern zu Herzen genommen und widmen sich in verständlichen Worten der Frage: Warum es in diesem Wirtschafts-/Finanzsystem regelmäßig zu Krisen kommt und beschäftigen sich mit den "langen Wellen" der Konjunktur. Dennoch greifen die Autoren auch in diesem Buch etliche Aspekte auf, die auch in den vorangegangen Büchern erläutert wurden und erklären auch in diesem Buch wie das Finanzsystem funktioniert, wie Kredite aufgenommen und vergeben werden und wie Schulden überhaupt erst entstehen können. In ihren Erklärungen kann mensch sehr gut nachvollziehen und auch verstehen, warum es von staatlicher Seite aus keinerlei wirkliches Interesse besteht, die Finanzmärkte zu reformieren. Die Finanzpolitik basiert stets auf den Erfahrungen früherer Finanzkrisen und versucht, eine Wiederholung dieser Krisen zu verhindern. Leider ist dies wenig hilfreich. Finanzkrisen sind zwar immer wieder zu beobachten, aber sie ändern stets ihre Form und sind deshalb mit fein kalibrierten Instrumenten nur schwer zu verhindern. In diesem Zusammenhang schlussfolgern die Autoren, dass sich die Akteure an den Finanzmärkten "zu weit über 90% sich nur gegenseitig beobachten." Ähnlich wie andere Autoren (Jean Ziegler) zeigen auch Weik/Friedrich die Schattenseiten des globalen Raubtierkapitalismus auf und beschreiben seine Entstehung, seine Profiteure und deren Helfer und zeigen Wege zum Widerstand auf. Die Willkür und Gier scheint grenzenlos. Was also können "wir" dagegen tun? Die Autoren haben Forderungen und einen Maßnahmenkatalog zusammengestellt wie letztendlich alle vom Wohlstand profitieren und beziehen in dieser Forderung ein nachhaltiges Geld- und Finanzsystems-Modell in Europa mit ein. Tenor der Autoren: Der Euro ist gescheitert, nicht aber Europa. Der Wandel indes sollte von uns allen, von der Basis, kommen. In der Schweiz gibt es eine Bürgerinitiative, die die Finanzbranche reformieren will und den Einfluss auf die Zentralbanken herzustellen, die ihrerseits den Markt mit billiges Geld überschwemmt. Die Frage ist, wann die Luft in der Finanzkrisenblase entweichen wird, nicht ob.

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Kommentare: 1
  • #1

    ratio77 (Freitag, 03 Juni 2016 07:12)

    Das klingt spannend. Ich werde es lesen.